Bechtle trotzt der Krise

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Als ob es keine Krise gäbe: Bechtle liefert hervorragende Quartalszahlen ab. Doch die Aktie ist inzwischen hoch bewertet. (Foto: Nicoeinino / shutterstock.com)

„Touchiert, nicht aber mit voller Wucht getroffen“, das waren die blumigen Worte des Bechtle-Vorstandsvorsitzenden Thomas Olemotz am vergangenen Freitag. Gemeint war damit war die Finanzlage des IT-Dienstleisters während des ersten Quartals.

Treiber Inlandserlöse

In diesem konnte Bechtle seinen Umsatz um 9,3% auf knapp 1,4 Milliarden Euro verbessern. Treiber war – besonders bemerkenswert, denn im vergangenen Jahr war es genau anders herum – das Inlandsgeschäft, wo die Erlöse zweistellig zulegten, während sich das Wachstum des Auslandsgeschäfts auf „nur“ 7,3 % belief. Zurückzuführen ist das geringere Wachstum im Ausland nicht zuletzt auf die dort zum Teil wesentlich drastischeren Maßnahmen zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie.

Hierzulande legten die Erlöse vor allem im Geschäftsbereich IT-E-Commerce zu. Auslöser waren Investitionen in Homeoffice-Lösungen – de facto ist Bechtle damit ein Gewinner der behördlich verfügten Ausgangsbeschränkungen. Besonders charmant: Die gute Erlösentwicklung im Inland ist auch an den Margen nicht spurlos vorbeigezogen:

So kletterte die Bruttomarge im Vergleich zur Vorjahresperiode um 80 Basispunkte auf 15,0 %, was das Betriebsergebnis vor Zinsen und Steuern überproportional um 13,4 % ansteigen ließ. Der operative Cashflow, der im vergleichbaren Vorjahresquartal noch mit - 22,1 Millionen Euro negativ ausgefallen war, drehte auf 22,8 Millionen Euro ins Plus.

Aus Schwaben nach Europa

Die 1983 im schwäbischen Neckarsulm gegründete Bechtle AG ist mit 75 Standorten in der DACH-Region und 24 Niederlassungen in 14 europäischen Ländern das größte IT-Systemhaus Deutschlands. Im Segment IT-Systemhaus & Managed Services werden Kunden zu IT-Strategien, die Lieferung von Hard- und Software, die Projektplanung und -durchführung beraten, im Bereich IT-E-Commerce vertreibt Bechtle mehr als 70.000 IT-Produkte im Direktvertrieb oder über Online-Shops.

Trotz dieser breiten Produktpalette hat die Corona-Pandemie auch bei Bechtle Spuren hinterlassen. Einerseits hat der MDAX-Konzern bei industriellen wie öffentlichen Kunden einen starken Nachfrageschub gespürt, insbesondere bei der Ausstattung von Homeoffices und bei technischen Lösungen rund um die Umsetzung virtueller Formen der Zusammenarbeit. Auf der anderen Seite wurde Bechtle von einem Verschieben großer Projekte ausgebremst. Überdies hat es Lieferschwierigkeiten einzelner Hersteller gegeben.

Chancen in der Krise

Per Saldo jedoch kann Bechtle dennoch sehr zufrieden sein. Die Aktionäre sind es auch, denn die Bechtle-Aktie schoss nach Bekanntgabe der Quartalszahlen am vergangenen Freitag um über 4% auf einen neuen Allzeithöchststand von 148,30 Euro. Im Intraday-Handel wurden sogar erstmals mehr als 150 Euro für eine Bechtle-Aktie bezahlt. Investoren, die beim Zwischentief vom März zugeschlagen haben, konnten in gerade einmal zwei Monaten Kursgewinne von mehr als 70% verzeichnen.

Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von über 31x, gerechnet auf Basis der 2021er Consensus-Gewinnschätzungen, ist die Aktie damit aber auch gut bezahlt. Ein Engagement drängt sich für Sie nicht unbedingt auf. Zumal auch der Vorstand ein eher verhaltenes zweites Quartal erwartet.

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Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.

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