Behörden geben grünes Licht: Euronext kann Osloer Börse übernehmen

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Im Rennen um die Olso Bors hat sich die Euronext gegen die Nasdaq durchgesetzt. (Foto: andersphoto / shutterstock.com)

Die europäische Mehrländerbörse Euronext hat den Bieterwettstreit um die Osloer Börse (Oslo Børs VPS) gewonnen. Das Nachsehen hat die US-Börse Nasdaq, deren schwedische Tochter Nasdaq AB sich mit Euronext einen fünfmonatigen Bieterkampf um die norwegische Börse geliefert hat.

Norwegische Finanzbehörden votieren für Euronext

Zuletzt hatten beide Kontrahenten jeweils 158 norwegische Kronen (NOK) in bar für jede Aktie der Osloer Börse geboten. Euronext konnte sich jedoch die Zustimmung von mehr als 50 % des Aktienkapitals der Osloer Börse sichern.

In dieser Patt-Situation mussten die norwegischen Finanzbehörden entscheiden, welcher der Bieter zum Zuge kommen sollte. Bereits Anfang April sprach sich die norwegische Finanzaufsicht (Finanstilsynet) für den Deal mit der Euronext aus.

Am gestrigen Montag genehmigte schließlich auch das norwegische Finanzministerium eine Übernahme der Osloer Börse durch die in Paris ansässige Mehrländerbörse Euronext.

Euronext begrüßt die Entscheidung der Finanzbehörden

Stéphane Boujnah, CEO und Vorstandsvorsitzender von Euronext, war hocherfreut über die Entscheidung und kommentierte sie wie folgt: “Euronext begrüßt die Genehmigung des Ministeriums, bis zu 100% des Kapitals der Osloer Börse erwerben zu dürfen und freut sich darauf, die nächsten Schritte zum Abschluss der Transaktion bis Ende Juni 2019 abzuschließen.

Euronext freut sich darauf, die norwegische Finanz- und Geschäftswelt zu unterstützen und konstruktiv mit allen wichtigen Komponenten und Interessengruppen zusammenzuarbeiten, um den Erfolg der Osloer Börse weiter voranzutreiben.”

Nasdaq-Management gibt Bieterwettkampf noch nicht endgültig auf

Lauri Rosendahl, Präsident von Nasdaq AB, reagierte enttäuscht auf das Votum zu Gunsten des Euronext-Angebots: “Nach einer Expertenprüfung gibt es in Europa keine Börsen, an denen ein Mehrheitsaktionär mehr als fünfzig, aber weniger als zwei Drittel der Aktien hält.  Wir hatten die Hoffnung, dass die norwegischen Behörden eine Entscheidung im Einklang mit dieser weit verbreiteten europäischen Praxis treffen würden. Die Nasdaq wird nun die Entscheidung im Detail analysieren und unsere Optionen bewerten.”

Osloer Börse erklärt sich für die Zusammenarbeit mit Euronext bereit

In einer eher nüchternen Pressemitteilung teilt der Vorstand der Osloer Börse mit, dass er sich für die Zusammenarbeit mit der Euronext bereit erklärt. Er nimmt die Entscheidung des Finanzministeriums zur Kenntnis und will eng mit dem neuen Haupteigentümer zusammenarbeiten, um den bestmöglichen Weg für die Gruppe, das Unternehmen und die Mitarbeiter zu gewährleisten.

Reaktion der Aktienmärkte

Nach Bekanntwerden der Entscheidung des norwegischen Finanzministeriums stieg der Kurs der Euronext-Aktien zunächst um mehr als 2 % an, verlor aber wieder im weiteren Handel. Die Nasdaq-Papiere vielen am Montag zunächst um 2,5 %, konnten aber im weiteren Verlauf ein Teil der Verluste wieder gutmachen.

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So lief das Bieterrennen um die Osloer Börse

Der Bieterwettstreit um die Osloer Börse begann Weihnachten vergangenen Jahres. An Heiligabend gab Euronext bekannt, dass es für die ausstehenden Aktien der Osloer Börse ein Barangebot von 145 NOK pro Aktie unterbreiten hat.

Insgesamt belief sich das Barangebot auf 625 Mio. EUR. Das Angebot beinhaltete eine Übernahmeprämie von 32% auf den Schlusskurs von Oslo Børs VPS vom 17. Dezember 2018.

Zu diesem Zeitpunkt hatte sich Euronext bereits die Unterstützung von Aktionären der Osloer Börse gesichert, die 49,6 % aller ausstehenden Aktien repräsentierten. Zwischen den Weihnachtsfeiertagen konnte Euronext weitere Unterstützer hinzugewinnen, so dass die  Unterstützer-Quote schnell auf 50,6 % anstieg.

Nasdaq überbietet Euronext

Ende Januar eröffnete Nasdaq AB, eine schwedische Tochter der US-Nasdaq, den Bieterwettkampf und bot den Aktionären ein um 5 % höheres Barangebot von 152 NOK je Aktie. Damit bot Nasdaq 675 Mio. Euro für alle ausstehende Aktien der Osloer Börse.

Parallel dazu gab Nasdaq bekannt, dass es sich die Zustimmung von rund 35,11 % der Aktionäre für das bessere Angebot gesichert hat. Ferner gab Nasdaq bekannt, dass sich auch das Management der Osloer Börse für das Nasdaq-Angebot ausgesprochen habe.

Auch die zwei größten Investoren der Osloer Börse, die norwegische DNB-Bank und der norwegische Rententräger KLP, sprachen sich öffentlich für das Nasdaq-Angebot aus.

12 Tage nach dem Nasdaq-Angebot legte Euronext noch eine Schüppe drauf und bot 158 NOK für jede Aktie der Osloer Börse. Drei Wochen später konnterte Nasdaq und erhöhte sein Angebot ebenfalls auf 158 NOK.

Bis Mitte April konnten beide Unternehmen die Zustimmungsquoten für ihr jeweiliges Angebot weiter ausbauen. Euronext sicherte sich 53,1 % des Aktienkapitals der Osloer Börse während Nasdaq 37 % des Aktienkapitals für sich gewinnen konnte.

Vieles spricht dafür, dass nach der Entscheidung des norwegischen Finanzministeriums die mehrmonatige Übernahme-Schlacht geschlagen ist, doch der aktuelle Aktienkurs der Osloer Börse von 159 NOK zeigt, dass einige Investoren trotzdem noch auf eine Fortsetzung setzen.


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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.