Bei Beyond Meat werden auch Burger ein Opfer der Pandemie

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Die Neunmonatszahlen von Beyond Meat waren enttäuschend. Viele Warnlampen leuchten auf und Anleger werden vorsichtig. (Foto: Steve Heap / shutterstock.com)

Sie werden sich bestimmt erinnern: Vor eineinhalb Jahren ging Beyond Meat mit einem innovativen Produkt an die Börse, das Angebot veganer Fleischersatzprodukt, mit denen Hobbyköche beispielsweise Burger grillen können.

Vor kurzem hat das Unternehmen aus dem kalifornischen El Segundo Zahlen zum dritten Quartal des laufenden Geschäftsjahres veröffentlicht. Sie fielen – gelinde gesagt – wenig erfreulich aus. Entsetzen löste zum Beispiel das Umsatzwachstum aus: Es belief sich im dritten Quartal auf gerade einmal 2,7%, eine Größenordnung, die man vielleicht von einem jahrzehntealten Industrieunternehmen erwarten würde, nicht aber von einem innovativen Internetwert aus den USA.

Auch Burger ein Opfer der Pandemie?

Ursächlich für das bescheidene Umsatzwachstum war – wie könnte es anders sein – die COVID-19-Pandemie. Sie hat Beyond Meat, wenn man den Worten des Vorstandsvorsitzenden und Unternehmensgründers Ethan Brown glauben darf, “voller Wucht und Unberechenbarkeit” getroffen.

Gut, von der Pandemie scheint inzwischen fast jedes Unternehmen betroffen zu sein. Wollen wir Ethan Brown glauben, dass die Menschen in ihrer seelischen Not des Lockdowns lieber auf den fleischhaltigen Bruder des veganen Burgers zurückgreifen wollten als auf das erbsenhaltige Ersatzprodukt. Was jeden Investor aber wirklich zum Nachdenken zwingen sollte, ist das, was sich in der Finanzberichterstattung unterhalb der Umsätze abgespielt hat.

Da gibt es zum Beispiel die Rohertragsmarge, also den prozentualen Anteil des Umsatzes, der nach Abzug der Materialaufwendungen übrig bleibt. Diese, für ein produzierendes Unternehmen überaus wichtige Kennzahl, ist im Vergleich zum Vorjahr um fast 9 Prozentpunkte zurückgegangen. Dies ist auf Preiszugeständnisse zurückzuführen, die wiederum von einer steigenden Wettbewerbsintensität ausgelöst wurden. Kein Wunder, schließlich haben sich inzwischen Newcomer wie Impossible Foods oder Nestle, nicht weniger als der größte Nahrungsmittelhersteller der Welt, im veganen Ersatzfleischmarkt von Beyond Meat erfolgreich positioniert.

Adjustierung der Bruttomarge

Weil dies der Vorstand von Beyond Meat auch so sieht, wird nun ein bisschen an den Kennahlen getrickst. So wird kurzerhand eine „adjustierte Bruttomarge” eingeführt, mit der der Verkaufspreisdruck beschönigt werden soll, den aufmerksamen Leser des Berichtswerks aber eher auf eine weitere, sehr unschöne Komponente im Neunmonatsbericht stoßen lässt: Lagerbestandsabschreibungen.

Diese sind in einem schnell wachsenden Unternehmen mit einem großen adressierbaren Weltmarkt eigentlich nicht zu erwarten. Eigentlich, denn man sollte doch meinen, dass die Vorräte bei Beyond Meat niedrig sind. War nicht überall zu lesen, dass die veganen Burger des US-Unternehmens in allen Läden und Restaurants ausverkauft sind? Wo sind nur all die Kunden geblieben, die sehnsüchtig auf die neue Burger-Lieferung gewartet hatten? Stattdessen befanden sich am Quartalsende in den Lagerhallen von Beyond Meat Vorratsbestände im Wert von 132,4 Millionen Dollar, was einem Anstieg von 62,2% im Vergleich zum Jahresendwert 2019 entspricht.

Warnlampen leuchten

Warum also hat Beyond Meat seine Vorratsbestände so ausgeweitet? Zwei Gründe fallen mir ein: Entweder, weil Beyond Meat mit einer deutlich steigenden Nachfrage rechnet, die schnell bedient werden will. Oder weil im Sommer die Produktionskapazitäten nicht rechtzeitig heruntergefahren werden konnten, nachdem die Nachfrage eingebrochen war.

An den Börsen scheint sich die Mehrheit für die zweite Interpretation entschlossen zu haben. Von seinen Höchstständen von knapp 195 US-Dollar ist die Aktie inzwischen weit entfernt. Derzeit notiert die Aktie bei knapp 130 US-Dollar. Dies entspricht einer Marktkapitalisierung von rund 8 Milliarden US-Dollar, dem Zwölffachen des für das nächste Geschäftsjahr erwarteten Umsatzes. Wenn denn die Analystenprognosen überhaupt erreicht werden. Was, siehe oben, nicht unbedingt sicher ist. Es scheint also sinnvoller zu sein, die veganen Burger zu essen als sich die Aktie ins Wertpapier zu legen.

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Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.

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