Bei diesem Chart bekommen Sie ein Hühnerfell

Der DAX 30 hat an den letzten 3 Handelstagen der vergangenen Woche fast 800 Punkte bzw. -7,2% verloren. Heute Morgen geht es zunächst einmal weiter bergab:

9 Minuten nach Handelseröffnung sackte der deutsche Leitindex bis auf 9.759 Zähler durch. Somit reden wir über -1.156 Punkte oder -10,6% Kursverlust an nur 4 Handelstagen.

Es existieren zwar keine exakten Definitionen bezüglich der Prozentzahlen für einen Crash – doch was wir hier erleben, nimmt allmählich eine solche Gestalt an.

Als Begründung für den heutigen DAX-Rückgang nennen die Börsenmedien die Kurseinbrüche am frühen Morgen in China (-8,5%), Hongkong (-5,3%) und Japan (-4,6%).

Überhaupt muss die Krise in China als Auslöser für den Kursrutsch der letzten Tage herhalten.

Nicht die Ursache ist entscheidend, sondern die Wirkung!

Wir Menschen brauchen eben immer eine Erklärung für das, was sich an den Finanzmärkten jeden Tag tut.

Doch ich werde nicht müde, auch hier in Chartanalyse-Trends immer wieder darauf zu verweisen, dass für Sie als Investornicht die „Ursache“ einer Kursbewegung von Bedeutung ist, sondern einzig und allein die „Wirkung“.

Denn nur das betrifft Ihre Investments unmittelbar!

Daher werde ich Ihnen gleich einen Chart präsentieren, der bei mir ein durchaus mulmiges Gefühl erzeugt hat, als ich ihn am Wochenende betrachtet habe – wenn er erst einmal seine Wirkung entfaltet.

Vorab jedoch eine kurze Erläuterung, worum es hier geht:

Wenn Sie in Wertpapieren investieren, dann können Sie das vornehmlich auf 2 Arten tun: Entweder sie verwenden Sie dazu ausschließlich ihr eigenes Kapital oder Sie nutzen zusätzlich einen Wertpapierkredit ihrer Depotbank.

Konsequenzen einer Kontraktion der Wertpapierkredite

Das bedeutet: Fallen die Kurse an den Aktienmärkten derart rasant wie an den zurückliegenden Tagen, dann verlieren Sie bei Verwendung eines Wertpapierkredits (auch Lombardkredit genannt) nicht nur Ihr eigenes Geld!

Die Wertpapierkredite ausgebenden Banken sind in solchen Börsenphasen gezwungen, auf derart heftige Kursrückschläge sehr schnell zu reagieren: Schließlich basieren die gewährten Kreditrahmen auf dem Kurswert der damit erworbenen Aktien / Wertpapiere.

Wenn der Wert solcher auf Geldleihe basierenden Depots dahin schmilzt wie Eis in der Sonne, dann passt auch der dazugehörige Kreditrahmen nicht mehr.

In diesem Fall werden die Kreditzusagen verringert (oder auch gleich ganz gekündigt) und / oder die Margin, also die vom Anleger zu hinterlegende Sicherheits-Leistung, kräftig angehoben.

Die Folge: Mit Wertpapierkrediten arbeitende Anleger werden genötigt, ihre im Markt gehaltenen Positionen meist signifikant zu reduzieren.

Das führt dann sozusagen zu „erzwungenen“ Verkäufen, die von den betroffenen Investoren oftmals gar nicht beabsichtigt waren.

Diese zusätzlich „erzeugten“ Verkäufe verstärken dann den ohnehin schon hohen Verkaufsdruck.

Wertpapierkredite an der Wall Street: Die Alarmglocken schrillen

Hier nun der Chart, bei dem ich am Wochenende eine Gänsehaut bekam oder auch ein „Hühnerfell“, wie die Niederländer das so knuffig bezeichnen:

wertpapierkredite nasdaq und nyse-24-08-2015

Wertpapierkredite an der Nasdaq und der NYSE:

Das Niveau der an der Wall Street vergebenen Wertpapierkredite lässt die Alarmglocken schrillen:

Es ist im Laufe dieses Jahres nicht nur das Hoch zu Beginn der Finanzkrise im Jahr 2007 überschritten worden, sondern auch das Maximum aus 2014!

Die blau unterlegten Börsenphasen machen deutlich, was bei einer Kontraktion der Lombardkredite am Aktienmarkt geschieht.

Fazit

Halten die Kursverluste an den Börsen weiter an, dann droht uns zusätzliches Ungemach durch eine Drosselung der Wertpapierkredite bzw. aufgrund von Margin-Anhebungen.

Ich hoffe, Sie sind meinen diversen Ratschlägen zur Risikobegrenzung in den vergangenen Tagen gefolgt. So lautete meine Empfehlung vom 12. August an Sie:

„Lassen Sie es in diesen Tagen lieber mal etwas ruhiger bei Neu-Investitionen angehen. Sichern Sie bestehende Positionen ab. Beobachten Sie die weitere Entwicklung aufmerksam und orientieren Sie sich dabei an den von mir aufgezeigten Kursmarken.“

Mit den Kursmarken waren die Verläufe von Dow Jones und S&P 500 gemeint. Diesen (aktualisierten) Chart möchte ich Ihnen zum Abschluss nicht vorenthalten – er verdeutlicht den Ernst der Lage:

dow jones und s&p 500 mit on-balance-volumen-24-08-2015

Wall Street: Großinvestoren forcieren ihre Verkäufe

24. August 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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