Bei L’Oréal tut sich was

Alles andere als langweilig ist die Lage beim größten Kosmetik-Hersteller. Welche Rolle wird Nestlé langfristig spielen? (Foto: Bborriss.67 / Shutterstock.com)

Wer schön sein will muss leiden? An diesem Spruch stimmt bestenfalls die Hälfte. Denn wenn wir einmal sehen, was mit gut aufgetragenem Make-up und anderen Helferlein möglich ist, dann ist dieses geflügelte Wort widerlegt. Seit einiger Zeit geistern Videos durch soziale Netzwerke, die unglaubliche Verwandlungen zeigen: Nur mit Hilfe von Make-up verwandeln sich dort Menschen in Doppelgänger von Stars. Auch aus diesem Grund brummt das Geschäft mit Kosmetika – gut angewendet, ist damit eine Menge möglich.

Doch wie sieht es beim Platzhirsch L’Oréal aus? Wir haben die Aktie für sie unter die Lupe genommen und klären, ob der Wert mehr bietet als Schein. L’Oréal ist mit einem Anteil von 16% Weltmarktführer bei Kosmetika mit Schwerpunkt in den Segmenten Haar-, Haut- und Körperpflege, Make-up und Parfüms. L’Oréal entwickelt, produziert und vertreibt Gesundheits- und Schönheitsprodukte unter bekannten Marken wie Lancôme, Vichy, Garnier, Giorgio Armani, Jade und Ralph Lauren. Sie decken damit den gesamten Bereich von Massenware bis zu Luxusartikeln ab.

L’Oréal weiter auf Wachstumskurs

L’Oréal konnte seinen Wachstumskurs unbeirrt fortsetzen. Der Umsatz stieg in den ersten 9 Monaten um 2,4% auf 19,5 Mrd €. Viel wichtiger als das Wachstum waren aber zwei Schlagzeilen: der Verkauf der Tochtergesellschaft The Body Shop und der Tod von Liliane Bettencourt. Die Konzerntochter The Body Shop wurde für knapp 1 Mrd € an den brasilianischen Konkurrenten Natura verkauft. Die Kette umfasst 3.000 Geschäfte in über 60 Ländern. Der Verkauf wurde gut begründet. L’Oréal möchte sein Image ändern.

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Im Fokus stehen jetzt hochwertige Kosmetika. Hier können deutlich bessere Margen am Markt erzielt werden. Die ehemalige Tochterkette The Body Shop hat dieses Image nur bedingt erfüllt. Zwar waren die Kosmetika recht teuer, sie richteten sich aber vor allem an eine naturverbundene Zielgruppe. Bei den Luxuskosmetika ist der Naturschutz nur Nebensache. Für uns wäre dieser Zielkonflikt werbetechnisch auflösbar gewesen, unbestritten weist The Body Shop aber mehr Gemeinsamkeiten zum Konkurrenten Natura auf. Die Transaktion war für beide Seiten nachvollziehbar.

Welche Rolle spielt Nestlé?

Die zweite wichtige Schlagzeile war der Tod der L’Oréal-Erbin Liliane Bettencourt. Der Erbfall könnte weitreichende Folgen haben. Nestlé hat schon lange ein Auge auf L’Oréal geworfen und ist neben der L’Oréal-Familie bereits zweitgrößter Anteilseigner des Kosmetikkonzerns. Zu Lebzeiten von Bettencourt bestand aber ein vertragliches Nachkaufverbot. Dieses erlischt 6 Monate nach ihrem Tod. Nestlé könnte jetzt seinen Einfluss auf L’Oréal vergrößern. Ob dies allerdings geschieht, steht in den Sternen. Wir sind bezüglich der Aktie verhalten optimistisch.


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Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.