Bei TeamViewer werden die Anleger vorsichtiger

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Die Aktie von TeamViewer kommt nach Bekanntgabe der Quartalszahlen unter Druck. Auslöser ist ein gemäßigter Ausblick auf das zweite Halbjahr. (Foto: II.studio / shutterstock.com)

Das kam nun wirklich nicht überraschend. TeamViewer, ein Anbieter von Fernwartungssoftware für Screen-Sharing, Videokonferenzen, Dateitransfer und Virtual Private Networks, rechnet für das zweite Halbjahr mit deutlich geringeren Wachstumsraten als für das erste Halbjahr. Dennoch kam die Aktie nach Bekanntgabe der Meldung deutlich unter Druck und schloss den gestrigen Handel mit einem achtprozentigen Minus.

22% nach 59%

Zwar sind nach einem rekordverdächtigen Umsatzwachstum im Auftaktquartal die sogenannten Billings – auf Deutsch also die in Rechnung gestellten Umsätze – auch im zweiten Quartal mit mittleren zweistelligen Zuwachsraten angestiegen. Doch sieht der Vorstand die Zeit der corona-bedingten Sonderkonjunktur als vorbei an.

Das teilte das seit September letzten Jahres börsennotierte Unternehmen in einer gestrigen Ad hoc-Meldung mit. Nach der außergewöhnlich hohen Nachfrage nach Lösungen von TeamViewer im ersten Quartal 2020, die auf die Quarantänemaßnahmen in Folge der Covid-19-Pandemie zurückgeht, rechnet das Management für die zweite Jahreshälfte nur noch mit einem Zuwachs von 22 % – nach 59% im ersten Halbjahr.

In Absolutbeträgen konnten die Billings im abgelaufenen Quartal auf 105,9 Millionen Euro von 73,1 Millionen Euro im vergleichbaren Vorjahresquartal gesteigert werden. Daraus ergeben sich für das erste Halbjahr fakturierte Umsätze von 225,7 Millionen Euro. Der um Einmaleffekte bereinigte Betriebsgewinn (EBITDA) erhöhte sich gegenüber dem Vorjahreswert überproportional um 60% auf 57,3 Millionen Euro, die EBITDA-Marge verbesserte sich damit auf 54% von 49% im vergleichbaren Vorjahresquartal.

Vorsichtiger Ausblick

Dass die Aktie dennoch deutlich unter Druck kam, liegt am vorsichtigen Ausblick, am Kapitalmarkt auch Guidance genannt. Dieser ist Ausdruck der Unsicherheiten in den einzelnen Regionen, in denen das Göppinger Unternehmen tätig ist. Dies machte der Vorstandsvorsitzende Oliver Steil am Beispiel „Americas“ deutlich: Während sich Südamerika aktuell in einer wirtschaftlich sehr schwierigen Situation befindet, trifft TeamViewer in den USA auf insbesondere bei den kleinen bis mittelständischen Kunden auf eine Mischung aus Zögerlichkeit, Unsicherheit und Zahlungsproblemen.

Noch weiter nördlich, in Kanada dagegen, sei TeamViewer schon wieder im „Business as usual“-Modus angekommen. Dies alles macht deutlich: Das Geschäft ist auch in Zeiten des Heimarbeitsplatzes alles andere als ein Selbstläufer, auch nicht in Zeiten, die für TeamViewer als Sonderkonjunktur bezeichnet werden können.

Was nicht zuletzt daran liegt, dass TeamViewer vielen kleineren Kunden wegen der krisenbedingten Notlage entgegenkommen musste. So erklärte der Finanzvorstand in der Pressemeldung, dass ganz bewusst darauf verzichtet habe, den Kunden den Zugang zur Software wegzunehmen, wenn diese zwei bis drei Monate nicht gezahlt hatten.

Hohe Bewertung

Verlangsamtes Wachstum kommt an der Börse insbesondere dann nicht gut an, wenn eine Aktie hoch bewertet ist. Was bei TeamViewer der Fall ist: Auf Basis der Consensus-Schätzungen wird die Aktie aktuell mit dem 43-fachen Unternehmensgewinn des Jahres 2021 gehandelt. Bezogen auf die erwirtschafteten Umsätze liegt der Multiplikator bei knapp 17, was auch für einen langfristig orientierten Anleger nur noch wenig Kurspotenzial versprechen dürfte. Das Management denkt denn auch über Übernahmen nach. Damit sich diese jedoch für den Aktionär auszahlen, ist gerade im Softwaresegment eine gehörige Portion Glück erforderlich.

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Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.

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