Bei Wacker Chemie stimmt die Story

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Wacker Chemie denkt langfristig und wird den Erlös aus dem Verkauf der Siltronic-Beteiligung reinvestieren. Das wird sich positiv auswirken. (Foto: Gorodenkoff / shutterstock.com)

Derzeit werden die Anleger von Meldungen über die Eckdaten zum Jahresabschluss des vergangenen Jahres überschwemmt. In diesem Informationswirrwarr noch den Überblick zu behalten, ist gar nicht so einfach. Heute möchte ich Sie daher mit einem sehr interessanten Unternehmen bekannt machen: mit Wacker Chemie.

Geschäftsmodell im Überblick

Die Wacker Chemie mit Hauptsitz in München ist die Muttergesellschaft eines weltweit tätigen Chemiekonzerns, der 26 Produktionsstätten in Europa, Amerika und Asien betreibt und seine Produkte in über 100 Ländern vertreibt. Das Unternehmen bezeichnet sich selbst als Technologieführer der chemischen Industrie, der für alle globalen Schlüsselindustrien produziert. Mit 14.300 Mitarbeiter ist das Unternehmen in den vier Bereichen Silicone, Polymere, Life Sciences und Polysilicium tätig.

Am gestrigen Dienstag hat das Unternehmen Daten für 2020 vorgelegt. Dabei musste das Spezialchemie-Unternehmen einen pandemiebedingten Umsatzrückgang um knapp 5 Prozent auf rund 4,7 Milliarden Euro bekannt geben. Gegenläufig verlief dagegen die Ertragsentwicklung. Hier erreichte Wacker Chemie einen satten Turnaround auf 202,3 Millionen Euro. 2019 stand hier noch ein Verlust von 629,6 Millionen Euro in den Büchern, in dem allerdings hohe Sonderabschreibungen auf die Anlagen zur Herstellung von Polysilicium enthalten waren.

Erwartungen für das laufende Jahr

Für das laufende Geschäftsjahr rechnet der Vorstand des Münchner Familienunternehmens nach den Rückgängen 2020 mit einem Umsatzanstieg im mittleren einstelligen Prozentbereich, beim operativen Ergebnis (EBITDA) wird ein Anstieg um 10 bis 20 Prozent in Aussicht gestellt.

Da aber selbst das obere Ende der EBITDA-Spanne unter den Kapitalmarkterwartungen lagen, sorgte die Prognose an der Börse für Ernüchterung: Der Aktienkurs brach um 6 Prozent auf 109,40 Euro ein. Im Februar notierte die Aktie noch auf einem Zwölfmonatshöchstwert von 130 Euro.

Luft nach oben

Dabei verteidigte Finanzvorstand Tobias Ohler seine Prognose, da ein Ergebnisanstieg um 10 bis 20 Prozent einerseits Zuversicht ausdrücke, andererseits aber auch die möglichen negativen Effekte der Coronakrise noch berücksichtige. So meinte Ohler denn auch, dass das Jahr durchaus besser verlaufen könnte, wenn sich die Unsicherheiten auflösen würden.

Das nenne ich eine solide Berichterstattung: Nichts versprechen, was man schlimmstenfalls nicht einhalten kann, und sich gleichzeitig den Spielraum zu lassen, die Prognosen im Jahresverlauf nach oben anzupassen. Der Hauptversammlung wird eine Dividende von 2 Euro je Aktie vorgeschlagen, was etwa der Hälfte des Nachsteuerergebnisses entspricht. Im Vergleich zum Vorjahr, als den Aktionären nur 50 Cent zugestanden wurde, wird sich die Dividende damit vervierfachen.

Damit konkretisiert sich, was bereits erwartet worden war: Dass der Erlös aus dem Verkauf des Anteils an Siltronic – immerhin voraussichtlich rund 1,3 Milliarden Euro – nicht ausgeschüttet werden wird. Das Unternehmen denkt langfristiger und will den Verkaufserlöse ins Geschäft investieren. Auch diese Strategie zeigt Ihnen, dass Wacker Chemie solide dasteht. Der gestrige Kurseinbruch könnte langfristig orientierten Anlegern damit eine interessante Einstiegsmöglichkeit anbieten.

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Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.

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