Beim Börsengang von Cloudflare droht Gefahr von unerwarteter Seite

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Keiner kennt es, jeder nutzt es: Der interessante Netzwerkinfrastrukturanbieter Cloudflare geht an die Börse. Doch es droht Ungemach. (Foto: newroadboy / Shutterstock.com)

Nach zahlreichen Spekulationen und ebenso vielen Kontroversen hat Cloudflare in der vergangenen Woche den Antrag auf einen Börsengang gestellt.

Keiner kennt es, jeder nutzt es

Cloudflare ist eines jener Unternehmen, von denen jeder profitiert, deren Name jedoch nur Computerfreaks ein Begriff ist. Das Geschäftsmodell des US-amerikanischen Unternehmens ist es, ein Content Delivery Network bereitzustellen, die sich zwischen dem Besucher und dem Hosting-Anbieter des Cloudflare-Benutzers befinden. Auf gut Deutsch: Cloudflare sorgt dafür, dass Websites besser, schneller und ohne Ausfallzeiten laufen.

Das Unternehmen, das 2010 gegründet wurde, hat den Wert der beim Börsengang platzierten Aktien auf 100 Millionen US-Dollar beziffert. Damit wird Cloudflare nach Handelsaufnahme eine Marktkapitalisierung von mehreren Milliarden US-Dollar aufweisen.

Probleme mit einigen Kunden

Dabei läuft nicht alles rund bei Cloudflare. So stand der Netzwerkinfrastrukturanbieter zuletzt gleich mehrfach im Mittelpunkt der politischen Debatten, da einige der Kunden von Cloudflare kaum verholen rassistische Inhalte verbreiten. Unter ihnen das Soziale Netzwerk 8chan und Medienunternehmen wie Daily Stormer.

8chan, von seinen Nutzern auch „Infinitychan“ genannt, ist ein sogenanntes Imageboard, das sich aus von Nutzern erstellten Foren zusammensetzt. Eines ihrer größten ist das Unterforum „Political Incorrect“, das offen rechtsradikale, rassistische, antisemitische und frauenfeindliche Inhalte verbreitet. Hier hat zum Beispiel der Attentäter im neuseeländischen Christchurch sein Manifest veröffentlicht.

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Zwar hat Cloudflare daraufhin die Bereitstellung seines Content Delivery Network Service eingestellt, doch der Vorgang macht deutlich, dass sich Cloudflare mit seinem Geschäftsmodell genau an der Schnittstelle zwischen staatlicher Politik und privatwirtschaftlichen Aktivitäten befindet. Erkennbar ist dies im Wertpapierprospekt, den das Unternehmen zur Vorbereitung auf den Börsengang veröffentlicht hat. In diesem finden sich die potenziellen Risikofaktoren und die Diskussion darüber, was diese für die zukünftige Entwicklung bedeuten könnte. Und tatsächlich wurde 8chan als Risikofaktor in den Angebotsunterlagen genannt.

Beeindruckendes Wachstum

Was die Ertragslage anbelangt, ist Cloudflare – wie andere Early-Stage-Technologieunternehmen auch – wenig überraschend defizitär. Im Vergleich zu anderen Börsenkandidaten, man möge sich nur die Zahlen von The We Company ansehen, sind die Verluste aber überschaubar. So haben sich die Erlöse von 84,8 Millionen US-Dollar im Jahr 2016 auf 192,7 Millionen US-Dollar im Jahr 2018 mehr als verdoppelt. Gleichzeitig sind in diesem Dreijahreszeitraum Nettoverluste in Höhe von 115,2 Millionen US-Dollar angefallen. Da haben wir in den vergangenen Monaten schlimmere Zahlen gesehen.

Ein erfolgreicher Börsengang würde Cloudflare zu einem der am schnellsten wachsenden Technologieunternehmen in San Francisco aufsteigen lassen. Dabei würde Cloudflare den Begriff Technologie zu Recht tragen. Im Gegensatz zu einigen Unternehmen, die sich mit dem Begriff nur schmücken, ihn aber zu Unrecht tragen. Man denke nur an die Fahrdienstvermittler Uber und Lyft oder an die Anfang der Woche von mir vorgestellte The We Company, die letztlich nichts anderes tut als schick möblierte Büroräume zu vermieten.

Technologie an der Börse

Nein, Cloudflare ist ein echtes Technologieunternehmen, das sich mit zentralen Fragen der technologischen Infrastruktur beschäftigt. Cloudflare möchte das Internet aufrichtig zu einem besseren Ort machen. Zudem wird der Börsengang die Mitbegründerin und Geschäftsführerin Michelle Zatlyn zu einem Paradebeispiel für weiblichen Erfolg in einer von Männern dominierten Branche machen. Es sind schon Unternehmen mit weniger aussichtsreichen Perspektiven an die Börse gegangen.


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Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.

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