Beim Euro / USD wird es wieder einmal spannend

Wenn Sie in US-Aktien investieren dann kann der Wechselkurs Euro / USD die erzielte Performance maßgeblich beeinflussen.

Damit sind nicht so sehr die kurzfristigen Schwankungen gemeint. Wenn der Euro gegenüber dem US-Dollar um +3% steigt, wie das seit Jahresbeginn der Fall war, dann ist das eher unerheblich:

Seit Januar 2015 pendelt das Währungspaar in einer Spanne von grob 1,0500 und 1,1500 auf und ab.

Da gleichen sich Währungs-Gewinne und -einbußen bei verkauften US-Aktien unter dem Strich zumeist wieder aus.

Der Langfrist-Trend der Währung beeinflusst Ihre Performance

Der Währungs-Einfluss erreicht jedoch dann eine andere Dimension, wenn die seit nunmehr 2 Jahren bestehende Seitwärts-Bewegung nach oben oder unten verlassen würde:

Dann läge ein, für Ihre US-Investments, bedeutsamer Trendwechsel vor.

Wie Sie sich vermutlich erinnern werden, gab der Euro / USD im Dezember ein Signal, das geeignet war, einen derartigen Trendwechsel anzukündigen:

Nach der 2. Leitzins-Senkung der amerikanischen Notenbank Fed (Federal Reserve Bank) innerhalb von 12 Monaten trudelte das Währungspaar 2 Wochen lang unter der Marke von 1,0500.

Ist die Drohung einer Parität erledigt?

Ist nach der seit dem Jahreswechsel zu sehenden Erholung ein Abrutschen des Euro / USD in Richtung Parität (1 Euro = 1 USD) und darunter abgewendet?

Fundamental spricht ja derzeit alles eher dagegen:

Fed-Chefin Janet Yellen hatte im Dezember bekanntlich angekündigt, in 2017 noch weitere 3 Leitzins-Anhebungen „durchziehen“ zu wollen.

Da Geld stets nach der höheren Rendite strebt, spricht der Zinsvorteil klar für einen starken US-Dollar und mithin einen schwachen Euro.

Wie sich das für einen Charttechnik-orientierten Newsletter gehört, schauen wir natürlich auf den Kursverlauf des Währungspaares, um uns ein Bild von der Lage zu verschaffen.

Abwärts-Bedrohung vorübergehend „entschärft“

Wir beginnen mit einem langfristigen Chart:

euro-usd monats-chart_24-01-2017

Euro / USD: Abwärtsbedrohung vorübergehend „entschärft“

Es ist eindeutig: Der Euro tendiert seit dem Top bei 1,6039 im Juli 2008 abwärts. Der blaue Pfeil deutet auf die oben angesprochene Gefahr hin:

Das Währungspaar hatte im Dezember kurzzeitig die 2-jährige Seitwärts-Bewegung UND den seit 1984 (!) bestehenden Aufwärtstrend nach unten verlassen.

Aktuell liegt der Euro / USD wieder etwas komfortabler darüber.

Kurzfristig steht die Erholungs-Bewegung vor dem Aus

Dennoch wird es derzeit wieder spannend. Und das sehen Sie bei einem Blick auf die nächste Grafik, den Tages-Chart:

euro-usd tages-chart_24-01-2017

Euro / USD: Erholungsbewegung scheint auszulaufen

Die relevanten Punkte habe ich Ihnen mit einem blauen und einem gelben Kreis kenntlich gemacht:

Der Euro notiert mit 1,0762 zurzeit knapp unter dem wichtigen Widerstand bei 1,0810. Noch bedeutsamer ist für mich indes die Entwicklung beim 50-Tage-Momentum:

Der Indikator für die Schwungkraft eines Kurses ist soeben an dem seit Februar 2016 bestehenden Abwärtstrend angelangt.

Fazit & Empfehlung

Langfristig zeigt der Trend für den Euro gegenüber dem US-Dollar klar abwärts.

Allerdings war er im Dezember 2016 auch an der Unterseite dieses 8 ½ Jahre andauernden Abwärtstrends angekommen, was üblicherweise einen überverkauften Zustand signalisiert.

Die Erholung der vergangenen 3 Wochen kann daher auch als Abbau der gedrückten Marktverfassung interpretiert werden.

Der zuletzt sehr steile Anstieg im Momentum, das Anstoßen des Indikators an seinen Abwärtstrend und des Wechselkurses an einen Widerstand machen ein Auslaufen der Erholungs-Bewegung wahrscheinlich.

Das bedeutet für Sie: Die Frage eines generellen Trendwechsels kann auch weiterhin noch nicht endgültig beantwortet werden.

Für ein Abrutschen des Euro / USD unter die Parität spricht – fundamental – die auseinanderdriftende Leitzins-Politik in den USA und der Europäischen Union.

Charttechnisch ist die Entscheidung darüber noch offen.

Kurzfristig scheint das Erholungs-Potenzial des Euro / USD indes ausgeschöpft: Möglicherweise liefert uns die nun zu erwartende Abwärts-Bewegung in einigen Wochen eine Antwort.

24. Januar 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

Regelmäßig Informationen über Marktanalysen erhalten — kostenlos!
Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig die neusten Informationen von Andreas Sommer. Über 344.000 Leser können nicht irren.

10 Dividendenaktien, deren Dividende IMMER steigt