Beim Ölpreis wird es jetzt richtig spannend

Am vergangenen Donnerstag analysierte ich für Sie den Rohstoffmarkt in seiner Gesamtheit. Dabei schauten wir gemeinsam auf die Entwicklung des CRB Rohstoff Index.

Dieser vom Commodity Research Bureau entwickelte Index spiegelt den Kursverlauf von 4 Rohstoff-Hauptgruppen wider, die allerdings unterschiedlich gewichtet sind:

Öl-basierte Rohstoffe genießen aufgrund ihrer Bedeutung für den Welthandel einen festen Anteil von einem Drittel. Die restlichen 66% teilen sich flüssige, hoch-flüssige und andere Rohstoffe.

Das unterstreicht noch einmal: Die Entwicklung des Ölpreises und darauf basierender Rohstoffe ist von enormer Wichtigkeit für die Weltwirtschaft:

Öl-Produzenten leiden seit rund 13 Monaten unter dem massiven Kursverfall des „schwarzen Goldes“. Demgegenüber stehen die zahlreichen Unternehmen, die Öl als Basis zur Weiterverarbeitung benötigen und daher von den niedrigen Preisen beim Einkauf profitieren.

Ich habe für Sie einmal die jüngste Entwicklung bei der Ölsorte Brent unter die Lupe genommen. Diese Sorte wird in Europa gehandelt und ist somit auch ein Trend-Indikator für die europäische Wirtschaft.

brent crude oil-future-10-08-2015

Brent Crude Oil-Future: Doppelboden oder Fortsetzung des Abwärtstrends?

Analyse des Wochen-Charts

Beginnen wir mit dem Wochen-Chart (links):

Nach dem Abverkauf im zweiten Halbjahr 2014 konnte sich der Ölpreis von Jahresbeginn bis Anfang Mai kräftig erholen. Danach bröckelten die Notierungen zunächst ab – seit Anfang Juli sehen wir jedoch wieder eine hohe Abwärtsdynamik.

Das On-Balance-Volumen (OBV) zeigt Ihnen bekanntlich, ob Geld in einen Markt hinein oder aus ihm heraus fließt. Dementsprechend ist dies der in meinen Augen anschaulichste Indikator, um die Aktivitäten der Großinvestoren zu verfolgen.

Im Chart sehen Sie, dass die Großanleger sich seit Mitte Mai im großen Stil von ihren Ölpositionen getrennt haben. Tatsächlich hat das OBV soeben ein neues Tief markiert (gelber Kreis).

Die von mir eingezeichneten violetten Bögen sollen die Möglichkeit aufzeigen, dass die aktuelle Kursentwicklung in der Ausbildung einer sogenannten Doppelboden-Formation münden könnte.

In der Charttechnik gehört das Kursmuster zu der Kategorie Umkehr-Formationen: Diese Spezies lässt relativ frühzeitig einen bevorstehenden Wechsel der Trend-Richtung erkennen.

Noch ist es allerdings nicht so weit: Nach der Ausbildung des zweiten Bodens – der möglichst den ersten knapp und kurzzeitig unterbieten sollte – muss der Kurs das zwischen den Tiefs liegende Hoch überbieten.

Erst dann liegt ein Doppelboden (auch W-Formation genannt) vor. Die Überwindung des Zwischenhochs (Nackenlinie) „aktiviert“ dieses Chartmuster.

Ich selbst bezeichne die W-Formation übrigens gerne auch als „Gipfelstürmer-Formation“: In aller Regel folgt auf die Aktivierung nämlich eine dynamische Aufwärtsbewegung, die an die Erstürmung eines Gipfels erinnert.

Analyse des Tages-Charts

Im Tages-Chart habe ich das 50-Tage-Momentum eingeblendet. Dieser Indikator gibt Ihnen bekanntlich Auskunft über Schwung und Dynamik einer Kursbewegung.

Es ist gut zu erkennen, dass es hier Anfang Juli zu einem Verkaufssignal gekommen ist: Das Momentum hatte die seit März ausgeprägte Seitwärts-Bewegung nach unten verlassen.

Derzeit tendiert der Indikator im negativen Bereich abwärts: Das dokumentiert eine dynamische Abwärtsbewegung.

Fazit

Wenn Sie an der Entwicklung des Ölpreises im Allgemeinen oder im Besonderen interessiert sind, dann sollten Sie in den kommenden Wochen auf folgende neuralgischen Punkte achten:

Wird eine W-Formation ausgebildet? Falls nicht, wird der Abwärtstrend bestätigt und eine Fortsetzung des Kursverfalls ist anzunehmen – mit entsprechenden Auswirkungen auf die Wirtschaft.

Starten die Großinvestoren Rückkäufe bzw. Neukäufe beim Öl? Das wäre eine Grundvoraussetzung für eine längerfristige Trend-Umkehr. Das OBV sollte also wieder ansteigen.

Dreht das Momentum wieder aufwärts und in den positiven Wertebereich? Dieser Indikator macht deutlich, ob sich die Kurse auch tatsächlich dynamisch in einer möglichen Doppelboden-Formation präsentieren und so dieses Chartmuster wahrscheinlicher wird.

10. August 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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