Bekommen wir einen „Neuen Markt“-Crash Teil 2?

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Übertreibung regiert die Börsen. IPOs sind hochverschuldet und werfen keine Gewinne ab. Trotzdem werden sie gekauft. Iran gegen USA: Hier braut sich ein Krieg zusammen! (Foto: Harry Wedzinga / shutterstock.com)

Die Börsen machen diese Woche Pause. Zumindest hat Japan heute bis einschließlich nächsten Montag geschlossen. Dazu  wetten alle massiv auf fallende Volatilität. Was soll da denn bitte groß passieren?

Und genau sieht auch heute die Börse aus: Der DAX bei einem satten Plus von 0,08 %; der Dow Jones bei 0,01 %; der NASDAQ immerhin 0,11 %; und der S&P 500 konnte aktuell 0,14 % zulegen. Gigantisch. Das weiß man gar nicht wohin mit dem ganzen Geld.

Weniger zynisch ausgedrückt: Erwarten Sie diese Woche nicht viel Bewegung. Sollte sich doch etwas tun, wird es wohl ein kleiner Knall. Aber auf den steuern die USA und der Iran eventuell sowieso gerade zu. Dazu weiter unten mehr zum Thema Öl und dem brodelnden Konflikt.

Macht Ihr Unternehmen Schulden? Dann gehen Sie doch mit ihm an die Börse!

Sie können sich vielleicht noch an den Neuen Markt erinnern. Die Zeit, in der alle Anleger Geld gemacht haben. Es gab einfach nur eine Richtung: nach oben! Der darauffolgende Crash war ordentlich und lässt manche heute noch einen Bogen um die Börse machen. Dabei wäre doch genau jetzt der richtige Zeitpunkt, schließlich sind wir wieder mitten in der Übertreibung!

Die folgende Grafik bringt es auf den Punkt. Es geht darum, welcher Anteil an Börsengängen in den USA Verluste machen. „Negative earnings“ wird es hier euphemistisch umschrieben. Negative Gewinne machen dort gerade besonders viele Unternehmen – allen voran Lyft, die vor Kurzem an die Börse gegangen sind. Dort stand sogar in den Werbeflyer für den Börsengang, dass das Unternehmen nicht weiß, wie es die nächsten Jahre in die Gewinnzone kommen will.

Egal, trotzdem kaufen die Anleger wie verrückt. Es gibt ja nur eine Richtung… Behalten Sie die Aktie einmal im Hinterkopf. Irgendwann werden Sie lesen, wie stark sie abgestürzt ist. Das muss zwangsweise früher oder später kommen, wenn die Masse verstanden hat, dass sie nicht nur mit Übertreibung Geld verdienen kann.

Zurück zur Grafik. Hier sehen Sie die letzten 40 Jahre und wie viele Prozent der Unternehmen ähnlich negative Gewinne abwerfen wie Lyft. Zu Zeiten des Neues Markts waren es über 80 Prozent! Diesen Wert haben wir inzwischen auch wieder erreicht und sogar leicht überschritten.

Wenn Unternehmen, die keine Idee haben, wie sie Gewinne erzielen wollen, trotzdem von vielen Anlegern gekauft werden – dann ist das unsere neue Realität. Haben Sie noch Werte wie BMW, RWE oder Siemens in Ihrem Depot? Tja, dann haben Sie wohl den Zug verpasst. Wobei, Sie können ja immer noch Ihre soliden Unternehmen verkaufen und beispielsweise in Netflix investieren.

Die können sich schon von den Nutzerzahlen fast nicht mehr steigern und jetzt kommt mit Disney+ noch ein neuer Abo-Kanal mit ins Haifischbecken. Aber glauben Sie, dass stört die Anleger? Im laufenden Jahr konnte die Netflix-Aktie von unter 250 US-Dollar auf über 330 US-Dollar steigen. The Sky is the Limit! Vielleicht kostet eine Aktie bald sogar 600 US-Dollar. Dann sollten wir aber wirklich alle zugreifen, denn dann hat der Markt sämtliche Realität aus dem Fenster geworfen.

Klartext

Natürlich sollen Sie jetzt nicht noch auf den Zug der Irren aufspringen. Wenn Sie schon investiert sind, genießen Sie die Party. Wer weiß, wann die Börse mal wieder so verrückt spielen wird. Ansonsten orientieren Sie sich lieber an soliden Unternehmen, die tatsächlich auch Gewinne erwirtschaften. Wir sind mitten in der Blasenbildung. Es ist nur eine Frage, wie groß der Luftballon diesmal wird, bevor es platzt. Eine hohe Cashquote haben die Fonds auch – nicht ohne Grund.

Trump, USA, Iran und das Öl

Tja, es wäre auch noch schöner gewesen, wenn es hier keine politischen Interventionen gäbe. Der Plan, dass Rohöl steigt, hat Trump letzte Woche vorerst zerstört. Ein Tweet von ihm, er habe mit der OPEC telefoniert, der Ölpreis sei zu hoch und schwupps ging es wieder schlagartig nach unten.

Dennoch, hier brodelt es hinter den Kulissen gewaltig! Die USA verbieten der Welt vom Iran Öl zu kaufen. Der Iran fällt vielleicht auf diese Falle herein und blockiert in der Folge die Straße von Hormus und damit den wichtigsten Transportweg. Daraufhin werden sich die USA erlauben mit Militärgewalt für Ordnung zu sorgen. Es kann ja nicht sein, dass der Iran einfach macht, was er will.

Das Säbelrasseln wird lauter. Das erkennen Sie auch daran, dass die Aktie von Lockheed Martin solide steigt. Wenn diese aus Ihrem Trendkanal nach oben ausbrechen sollte, kann das ein Signal sein, dass es zu einem Krieg zwischen den USA und dem Iran kommt. Dann wird selbst Trump nicht mehr per Twitter den Ölpreis nach unten drücken können.

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Von: Michael Berkholz. Über den Autor

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