Bemerkenswertes zu General Electric und der Wall Street

Der Rauswurf des Dow Jones-Dinos General Electric war ein Kracher. Doch die Wall Street hält noch mehr für Sie parat. (Foto: Kamira / Shutterstock.com)

Das nenne ich mal einen echten „Kracher“!

Seit Dienstag ist es amtlich: General Electric Co. (Ticker: GE) fliegt aus dem Dow Jones Industrial Average und wird ersetzt durch die Apothekenkette Walgreens Boots Alliance (Ticker: WBA)!

Dieser Vorgang ist deshalb so bemerkenswert, weil die General Electric-Aktie bereits vor 122 Jahren in den Dow Jones aufgenommen wurde. Und es war der einzige Wert, der sich bis dato in dem 1896 nur 12 (heute: 30) Aktien umfassenden Index halten konnte.

Doch im Zusammenhang mit dem Dow Jones gibt es noch eine andere interessante Entwicklung, die ich heute mit Ihnen teilen möchte.

Der Grund für den Rauswurf von General Electric

Doch zunächst nochmal zu  „GE“: Der Grund für den „Rauswurf“ aus dem US-Leitindex wird offensichtlich, wenn wir uns einmal gemeinsam den folgenden Vergleichs-Chart anschauen:

Vergleich Dow Jones und General Electric

Anhand des Kursmaterials, das mir bis ins Jahr 1976 zurück zur Verfügung steht, können Sie erkennen, dass sich die General-Electric-Aktie nahezu immer mit dem Dow Jones bewegt hat – bis Ende des Jahres 2016.

Seither driften Aktie und Index extrem auseinander. Das liegt am finanziellen Niedergang des Mischkonzern-Giganten (Energie, Elektrotechnik, Luftfahrt, Gesundheit, Transport, Öl und Gas, Finanzdienstleistungen) und früheren Siemens-Widersachers.

Die viele Jahre lang extrem ertragreiche Diversifikation in den Finanzsektor wurde dem Konzern während der Finanzkrise vor gut 10 Jahren zum Verhängnis.

Obwohl man sich aus dieser Branche inzwischen weitgehend zurückgezogen hat – der Umsatzanteil schrumpfte von mehr als 50% auf nicht einmal mehr 5% – kämpft GE bis heute mit den daraus resultierenden Altlasten:

Im 1. Quartal dieses Jahres fuhr der Konzern aufgrund einer gewaltigen Rückstellung einen Verlust von 1,2 Mrd. USD ein: Die US-Justiz ermittelt noch immer wegen zweifelhafter Hypothekengeschäfte.

Auffälligkeit bei den US-Indizes

Doch nun zu unserem zweiten und eigentlich wichtigeren Thema. Folgendes fiel mir auf, als ich mir am Wochenende die US-Indizes wieder einmal etwas intensiver anschaute:

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Vergleich US-Indizes: S&P 500 und Dow Jones „trotten“ hinterher

Die Grafik zeigt Ihnen einen Vergleich von 5 bedeutenden amerikanischen Indizes. Die Auffälligkeit habe ich Ihnen einmal mit den gestrichelten Linien kenntlich gemacht:

Diese Linien zeigen Ihnen die Rekordmarken, welche die Indizes in den ersten 3 Monaten des laufenden Börsenjahres markiert hatten. So können Sie gut erkennen, dass die beiden Nasdaq-Indizes (US-Technologieaktien) Anfang Juni neue Allzeithochs erreichten.

Noch besser lief es für den Russell 2000 Index, der die Kursentwicklung von ebenso viele Nebenwerten abbildet, wie seine Bezeichnung andeutet: Er kletterte schon Mitte Mai auf neue Tops!

Doch was ist daran so bedeutsam?

Das „Trump-eltier“ hat sich wieder geräuspert

Nun, wie Sie gewiss auch mitbekommen haben, hat sich die Tonart in dem drohenden Handelskrieg der USA mit dem „Rest der Welt“ in dieser Woche verschärft:

Das „Trump-eltier“ (ich hörte die Bezeichnung jüngst von einem Kollegen und fand sie herrlich, weil sie so passend ist) hatte China mit weiteren Strafzöllen gedroht. Daraufhin reagierte das „Reich der Mitte“ mit einer eigenen Drohung.

Ein Welthandelskrieg wäre gewiss eine ausgesprochen „unschöne“ Entwicklung für die Aktienmärkte. Weswegen sich auf den Stirnen der Experten und Anleger auch derzeit (wieder einmal) massiv die Sorgenfalten kräuseln.

Risk-on, wenn ein Handelskrieg droht…?

Doch wenn wir tatsächlich mit einer derartigen Eskalation rechnen müssten, sähe die Entwicklung der Nasdaq-Indizes und des Russell 2000 anders aus!

US-Technologieaktien zählen nämlich, ebenso wie die Nebenwerte (SmallCaps), im Gegensatz zu den „Blue Chips“ des Dow Jones und S&P 500 zu den „spekulativeren“ Investments.

Wenn sich die Nasdaq-Indizes und der Russell 2000 indes seit Wochen auf Rekordjagd befinden, dann dokumentiert Ihnen dies genau das Gegenteil: Eine erhöhte Risikobereitschaft (englisch: Risk-on) der Marktteilnehmer.

Und die gehen Investoren immer dann ein, wenn Sie positive Erwartungen an die weitere Aktienmarkt-Entwicklung knüpfen – und nicht umgekehrt.

Fazit

Also: Grämen Sie sich weder über den Rauswurf von General Electric aus dem Dow Jones (der ist nämlich wohl verdient!), noch über eine drohende Eskalation zu einem Handelskrieg:

Auch das „Trump-eltier“ oder zumindest sein Beraterstab wissen sehr genau, welche fatalen Folgen dies für die gerade mit Hilfe des Steuersenkungspaketes angekurbelte US-Wirtschaft hätte (das hoffe ich jedenfalls!).


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Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.