BER im Oktober startklar?

Lufthansa Flugzeug RED – shutterstock_577658362 Dawid Lech

Es gibt mal wieder einen neuen Eröffnungstermin für den BER. Coronabedingt dürfte dort dann kaum mehr los sein als bisher. (Foto: Dawid Lech / Shutterstock.com)

Jetzt aber wirklich: Im Oktober 2020 soll er eröffnet werden, der seit Jahren von Pleiten, Pech und Pannen begleitete Hauptstadtflughafen BER. Zumindest zeigte sich Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup zuletzt optimistisch im Hinblick auf diesen Termin – neun Jahre nach der ursprünglich geplanten Eröffnung.

Sechs weitere Eröffnungstermine sind seither geplatzt, immer wieder wurden technische Mängel festgestellt. Los ging alles mit dem unzureichenden Brandschutz, es folgte ein Debakel nach dem anderen. Längst ist der BER zum Gespött geworden.

Kapazität ausreichend – für das im Oktober 2020 erwartete Flugaufkommen

Immerhin ein Problem dürfte in diesem Jahr nicht bestehen: Kritiker hatten immer wieder moniert, dass die Kapazität des neuen Flughafens für das zu erwartende Flugaufkommen bereits bei der Eröffnung viel zu klein sein werde. Hastig versuchte man, ein zweites Terminal zu bauen. Ob das jedoch fertig wird bis Oktober, steht in den Sternen, aktuell herrscht wieder einmal Stillstand auf der Baustelle.

Deutlich reduziert hat sich unterdessen das erwartete Fluggastaufkommen: Im Zuge der Corona-Pandemie wurde die weltweite Anzahl der Flugbewegungen drastisch eingeschränkt. Berlin zählt zurzeit nur noch rund 2 Prozent des üblichen Flugverkehrs, bei der Lufthansa sind mehr als 90 Prozent der Flüge gestrichen und die Branche rechnet mit einem globalen Einbruch um zwei Drittel in den ersten drei Quartalen des laufenden Jahres.

Sollte der BER also im Oktober tatsächlich ans Netz gehen, dürfte sich am Bild vor Ort erst einmal wenig ändern: Es bleibt gespenstisch leer im Terminal und auf dem Rollfeld.

Ruhige Anlaufphase für BER?

Mit einem Abflauen der Corona-Krise rechnet derzeit kaum jemand, vorsorglich wurden bereits Großveranstaltungen bis Ende August abgesagt, Bayern hat sogar das Oktoberfest gestrichen. Angesichts geschlossener Grenzen und der Angst vor dem Virus ist daher auch im Herbst kaum mit allzu großer Reiselust zu rechnen.

Dem leidgeprüften Flughafen könnte das in der Startphase entgegenkommen. So ließen sich die Betriebsabläufe zunächst in begrenztem Rahmen testen und etwaige Stolpersteine aus dem Weg räumen.

Dass coronabedingt wohl nicht alle Geschäfte und Gastronomieangebote gleich mit eröffnen können, die am und im Flughafen angesiedelt sind, zeichnet sich ebenfalls bereits ab. Ende April tagen die Gesellschafter des BER, darunter Regierungsvertreter des Bundes sowie der Länder Berlin und Brandenburg, und beraten den aktuellen Stand.

Typisch deutsches Großprojekt

Dass der Flughafen tatsächlich im Oktober startklar ist, daran mag außer dem Flughafenchef bislang niemand so recht glauben. Allzu oft kam es in der Vergangenheit zu neuen Katastrophen und Verschiebungen.

Bislang ist der BER daher nicht mehr als ein 24 Stunden am Tag hell erleuchtetes Mahnmal, das vor allem Kosten verursacht und einmal mehr das desaströse Zusammenspiel von Planungsverantwortlichen, Ausführenden und Aufsichtsbehörden dokumentiert, wie es prestigeträchtige deutsche Großprojekte so an sich haben. In Hamburg und Stuttgart kann man ein Lied davon singen.

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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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