Berichtssaison ist eröffnet: US-Banken glänzen mit kräftig anziehenden Gewinnen

USA Aktienmarkt – ado Alexander Sánchez

US-Banken starten mit kräftigen Gewinnsprüngen in die Berichtssaison: Auflösung milliardenschwerer Rückstellungen und boomendes Investmentbanking beflügelt die Geschäfte (Foto: Alexander Sánchez / Adobe Stock)

Jetzt ist es wieder soweit: Die US-Berichtssaison hat begonnen. Mit Argus Augen blicken die Anleger jetzt nicht nur auf die vorgelegten Zahlen zum Startquartal. Viel mehr dürften die Prognosen für den weiteren Jahresverlauf im Fokus stehen. Die Erwartungen sind hoch. Nach Angaben des Informationsdienstes Factset kalkulieren Analysten für die im S&P 500 abgebildeten Unternehmen mit einem Gewinnwachstum von knapp 24 % gegenüber dem Vorjahr. Für das Gesamtjahr 2021 rechnen die Analysten sogar mit einem Gewinnzuwachs von 26 % und für 2022 mit einem weiteren Anstieg um mehr als 14 %.

Besonders beachtlich: Zuletzt lagen die Prognosen um 8 Prozentpunkte über dem Jahresanfangsniveau. Das ist gewaltig und hat absoluten Seltenheitswert. Normalerweise werden die Prognosen mit dem Herannahen der Berichtssaison tendenziell eher nach unten korrigiert

Goldene Zeiten für US-Banken

Jetzt haben die US-Banken den Auftakt gemacht und der hatte es in sich: Alle drei großen amerikanischen Banken – J.P. Morgan Chase, Goldman Sachs und Well Fargo – haben die Analystenschätzungen um Längen hinter sich gelassen. Das lag vor allem an der Auflösung der milliardenschweren Rückstellungen für notleidende Kredite. Im Zuge der dynamisch verlaufenden Impfkampagnen und Billionenschweren Konjunkturprogrammen schätzen die Banken die Ausfallwahrscheinlichkeiten nun deutlich geringer ein. Zudem sorgte das boomende Investmentbanking-Geschäft für zum Teil kräftigen Rückenwind.

Goldman Sachs mit 500% Gewinnplus

Die Investmentbank Goldman Sachs meldet wieder sprudelnde Gewinne, die sogar über dem Vorkrisenniveau liegen. Die Nettoerträge der Bank fielen mit 17,7 Milliarden Dollar mehr als doppelt so hoch aus wie im Vorjahreszeitraum und erreichten damit einen neuen Rekordwert. Das Aktienhandelsgeschäft ragte mit vervierfachten Erträgen heraus, auch die Beratung bei Unternehmenskäufen spülte 73% mehr Erträge in die Kassen.

Auch die Gewinnentwicklung konnte sich sehen lassen. Am Ende stand ein Gewinn von 6,8 Milliarden Dollar in den Büchern. Für Sie zum Vergleich: Im Vorjahresquartal lag der Nettogewinn auf Grund hoher Rückstellungen lediglich bei 1,2 Milliarden Dollar.

J.P. Morgan Chase löst über 5 Milliarden Dollar an Rückstellungen auf

Auch bei J.P Morgan Chase schossen die Gewinne in die Höhe: Im Vergleich zum Vorjahresquartal verfünffachte sich der Quartalsgewinn auf 14,3 Mrd. Dollar – so hoch wie noch nie zuvor in der Firmengeschichte. Die Einnahmen der Bank stiegen im gleichen Zeitraum um 14 % auf 32,3 Mrd. Dollar. Neben dem auf Hochtouren laufenden Investmentbanking-Geschäft machten sich auch die aufgelösten Rückstellungen positiv bemerkbar. Unter dem Strich löste der Bankriese 5,2 Milliarden Dollar an Rückstellungen für notleidende Kredite auf.

Wells Fargo ebenfalls deutlich über den Erwartungen, aber Schwächen im Kreditgeschäft

Der amerikanische Kreditriese lag mit einem Nettogewinn von 4,7 Milliarden Dollar im ersten Quartal ebenso sowohl deutlich über dem Vorjahresniveau (653 Millionen Dollar) als auch massiv über den Erwartungen der Analysten. Am Ende blieb ein Gewinn je Aktie von 1,05 Dollar hängen, während die Analysten nur mit 70 Cent je Anteilschein gerechnet hatten.

Die Einnahmen des Instituts stiegen um 2 % auf 18,1 Milliarden Dollar und lagen damit 600 Millionen Dollar über den Prognosen. Während auch Wells Fargo von aufgelösten Rückstellungen profitierte, sorgte das anhaltende Niedrigzinsumfeld und die verhaltene Kreditnachfrage für Gegenwind. Sie müssen wissen: Von den sechs größten US-Banken hat Wells Fargo das kleinste Handels- und Investmentbanking-Geschäft. Daher konnte der Finanzkonzern nicht im ähnlich starkem Maß wie Goldman Sachs und J.P. Morgan vom Boom bei Börsengängen profitieren. Allerdings will das Management hier künftig angreifen und den Marktanteil im Investmentbanking in den USA von derzeit 3 auf 5% erhöhen.

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Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.

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