Berkshire Hathaway: Buffett vor Rekord-Übernahme

Nach dem vorläufigen Ende des Griechenland-Dramas haben wir einen neuen Aufreger im Börsensommer 2015: Ängste um die China-Konjunktur! Heute mussten wir sogar einen kleinen China-Schock an der Börse verdauen. Der deutsche Leitindex DAX verlor knapp 2,7% und sackte auf 11.293 Punkte.

Während also die Analysten und Anleger ein neues Angst-Thema gefunden haben und sich in Sicherheit begeben, bastelt in Omaha ein 85 Jahre alter Mann am größten Übernahme-Deal seines Lebens.

Bereits am Wochenende waren erste Gerüchte durchgesickert, dass die amerikanische Investorenlegende Warren Buffett mit seiner Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway vor der größten Übernahme in der langen Firmengeschichte steht.

Am gestrigen Tag wurde daraus schließlich Gewissheit. Buffett kauft den US-Industriekonzern Precision Castparts für 37 Mrd. US-Dollar.

Details zu der Übernahme von Precision Castparts

Buffett reduziert mit dem Zukauf die Abhängigkeit seiner Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway von der Versicherungsbranche. Für 37,2 Mrd. US-Dollar inklusive Nettoschulden will Buffett den Flugzeugteile-Zulieferer Precision Castparts übernehmen.

Das Barangebot von 235 US-Dollar je Aktie misst Precision Castparts einen Börsenwert von 32 Mrd. US-Dollar bei (hinzu kommen noch die Schulden). Das Management des in Portland im US-Bundesstaat Oregon ansässigen Industrieunternehmens hat dem Angebot bereits zugestimmt.

Das Timing der Übernahme ist typisch für Buffett. Denn: Er gibt sein Angebot in Höhe von 235 US-Dollar je Aktie ab, nachdem die Aktie (auch aufgrund der China-Ängste) zuletzt kräftig verloren hatte. Noch Mitte Mai des laufenden Jahres – also vor gerade einmal 3 Monaten – notierte die Precision-Castparts-Aktie bei rund 220 US-Dollar.

Hätte Buffett zum damaligen Zeitpunkt ein Angebot abgegeben, wäre eine höhere Offerte notwendig gewesen. Das 52-Wochen-Hoch lag sogar bei knapp 250 US-Dollar. Am vergangenen Freitag kostete eine Precios-Castparts-Aktie schließlich nur noch 193,88 US-Dollar.

Damit ist der aktuelle Zeitpunkt für das Übernahmeangebot nicht nur besonders günstig, sondern auch typisch für Buffett. Wenn andere Anleger von der Börse flüchten, sammelt Buffett die Aktien günstig ein und denkt bereits an den Aufschwung von Morgen.

Die 5 größten Übernahmen von Warren Buffett

Nachdem ich Ihnen die Details zur Übernahme von Precision Castparts und damit der größten Übernahme, die Buffett je getätigt hat, vorgestellt habe, möchte ich Ihnen noch einen Überblick über die 5 größten Buffett-Übernahmen geben.

Die Nummer 1 auf der Liste kennen Sie schon: Es handelt sich um die jetzt laufende Übernahme. Die Nummer 2 ist die Übernahme des Eisenbahnbetreibers Burlington Santa Fe aus dem Jahr 2010.

Das Unternehmen kostete Buffett und seine Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway zum damaligen Zeitpunkt 26,5 Mrd. US-Dollar (damals standen die Aktienkurse ebenfalls unter Druck und Buffett wurde belächelt; heute gilt der Burlington-Kauf als Meisterwerk).

Die Nummer 3 auf der Liste ist der Kraft-Heinz-Deal, den Buffett im laufenden Jahr zusammen mit dem brasilianischen Finanzinvestor 3G Capital stemmte. Die Nummer 4 auf der Liste der 5 teuersten Buffett-Übernahmen ist der Kauf des amerikanischen Chemiekonzerns Lubrizol im Jahr 2011.

Die fünftgrößte Übernahme, die Buffett jemals getätigt hat, ist die Übernahme des in Las Vegas ansässigen Elektrizitäts- und Gasversorgers NV Energy. Buffett kaufte den Versorger im Jahr 2013 für insgesamt 5,6 Mrd. US-Dollar.

Buffett 2015 in großer Kauflaune

Auffällig ist, dass Buffett 2 der 5 größten Übernahmen in der Historie seiner Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway in diesem Jahr getätigt hat. Und: Die Nummer 6 auf der Liste, die Übernahme des Autohändlers Van Tuyl, ist ebenfalls ein Deal, den Buffett im laufenden Jahr eingefädelt hat.

Damit ist klar, dass Buffett das aktuelle Bewertungsniveau für attraktiv hält. Denn sonst hätte er wohl kaum 3 der 6 größten Übernahmen seines Lebens in diesem Jahr getätigt. Für Sie bedeutet das, dass aktuell kein schlechter Zeitpunkt sein kann, um (zumindest ausgewählte) Aktien zu kaufen.

11. August 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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