Berkshire Hathaway: Warren Buffett verkauft Aktien von Rating-Agentur Moody’s

An den Aktienmärkten fehlt weiterhin eine klare Richtung. Der DAX schloss heute erneut etwas schwächer bei knapp unter 6.200 Punkten. Auch an der Wall Street in New York herrscht eine gewisse Lustlosigkeit.

Die Umsätze sind gering. Man kann die Lage aber auch aus einer anderen Perspektive beurteilen: Die Angst vor dem großen „September-Crash“ war bisher unbegründet. Noch eine Handelswoche, dann haben wir den statistisch betrachtet schlechtesten Börsenmonat des Jahres überstanden.

Moody’s: Verkäufe des Star-Investors belasten

Schwächer als der Gesamtmarkt läuft heute bisher die Aktie der Rating-Agentur Moody’s. Ein Grund für die Kursschwäche: Die Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway, die von der Börsenlegende Warren Buffett geleitet wird, hat der US-Börsenaufsicht gemeldet, dass sie 560.000 Moody’s-Aktien verkauft hat.

Eine Verkaufsorder in dieser Größenordnung sollte den Aktienkurs nur kurz belasten, aber es kann auch ein langfristiger Schaden entstehen.

Es wird nämlich immer deutlicher, dass sich Berkshire-Hathaway von seiner Beteiligung im großen Stil trennen will. Im März 2009 besaß Berkshire noch 48 Mio. Moody’s-Aktien. Nach der aktuellen Verkaufsaktion sind es nur noch 28,9 Mio. Aktien. Schritt für Schritt steigt Berkshire aus dem Unternehmen aus.

Langfristige Perspektive in Gefahr

Die Verkäufe von Berkshire Hathaway lasten gleich doppelt auf dem Aktienkurs von Moody’s. Zum einen gibt es Buffett-Anhänger, die jeden Schritt des Börsengurus nachahmen (natürlich mit kleineren Kapitaleinsätzen). Wenn also Buffett verkauft, werden auch seine Anhänger diesem Schritt folgen.

Hinzu kommt aber auch die strategische Perspektive. Buffett gilt als extrem weitsichtiger Investor. Er schaut nicht auf das nächste Quartalsergebnis, sondern auf die Perspektive in 5 oder 10 Jahren. Wenn jetzt Buffett regelmäßig Moody’s-Aktien abstößt, kann das so interpretiert werden, dass er nicht mehr an eine goldene Zukunft der Rating-Agentur glaubt.

Diese Zweifel sind auch angebracht. In der Vergangenheit haben die 3 großen Rating-Agenturen Moody’s, Standard & Poors’s und Fitch den Markt beherrscht.

Brauchte ein Land oder ein Unternehmen ein Kredit-Rating, war eine Benotung durch die 3 Rating-Giganten Pflicht. Das war eine geschlossene Gesellschaft – mit entsprechend hohen Gewinnmargen.

In der Finanzkrise hat sich aber gezeigt, dass viele Kredit-Pakete, die die Bestnote „AAA“ erhalten hatten, plötzlich wertlos werden können. Das war theoretisch fast undenkbar.

Ein AAA-Rating stand für eine Sicherheit von 99,9%. Es kann in Extrem-Situationen mal eine AAA-Anleihe ausfallen; das darf aber nicht serienweise geschehen. Aber genau dieser Fall ist eingetroffen. Das wird auch Konsequenzen haben.

Finanzkrise erschüttert Geschäftsmodell

Die Aufbereitung der Finanzkrise sorgt dafür, dass sich die Rating-Welt verändern wird. In ihrem geschützten Bereich hatten es sich die 3 großen Rating-Agenturen zu bequem gemacht und den Bogen überspannt. Sie glaubten, gleich doppelt kassieren zu können:

Erst wurden die Kunden beraten, dann wurde genau diesen Kunden ein Kredit-Rating verpasst. Wie objektiv kann eine solche Note sein? Die Antwort dürfte klar sein. Daher wird sich dieses Geschäftsmodell mit Beratung und Benotung nicht fortsetzen lassen.

Hinzu kommt, dass einige Unternehmen einfach auf eine Rating-Note verzichten. Da die Krise gezeigt hat, dass viele gute Noten wertlos sind, können sich die Unternehmen die Kosten für das Rating sparen.

Hier kommt auch wieder Buffett ins Spiel, der vor einigen Monaten sagte, die Anleger sollten die Kreditwürdigkeit selber einschätzen und sich nicht nur auf Rating-Noten verlassen. Bemerkenswert, wenn das der Großaktionär einer Rating-Agentur sagt.

Konkurrenz soll das Geschäft beleben

Die etablierten Rating-Agenturen müssen aber nicht nur befürchten, dass einige Kunden auf ihr Rating verzichten. Es droht auch die Gefahr, dass neue Konkurrenz entsteht. In China gibt es bereits eine Rating-Agentur, die mit kritischen Noten im Bereich der Länderrisiken für Schlagzeilen sorgt.

Hier in Europa träumen die Politiker natürlich auch davon, eine eigene, mächtige Rating-Agentur am Markt platzieren zu können. Einige europäische Staaten mögen es nicht besonders, wenn sie von 3 US-Agenturen überprüft werden.

Buffett bringt sich aus der Schusslinie

Es gibt noch einen letzten Grund, der dafür spricht, dass Berkshire Hathaway bald auch noch die restlichen Moody’s-Aktien verkauft: Auch die Börsenlegende Warren Buffett wurde nach Ausbruch der Finanzkrise angegriffen. Er musste sogar vor einem Ausschuss aussagen.

Offizielle Kritik an der Person Buffett gab es in den großen Medien kaum, aber es ist taktisch sicherlich ein guter Schachzug, wenn sich Buffett nicht länger als nötig mit der umstrittenen Rating-Agentur als Großaktionär in ein Boot setzt. Da der Kurs der Moody’s-Aktie zuletzt um 30% gestiegen war, bot sich jetzt ein weiterer Teilverkauf an.

23. September 2010

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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