Bertelsmann-Genussscheine – Rückkaufprogramm ablehnen

Das Unternehmen Bertelsmann möchte seine Genussscheine zurückkaufen. GeVestor verrät Ihnen, warum Sie dieses Angebot besser ablehnen. (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Schon wieder eine Meldung aus Gütersloh, vom Stammsitz Bertelsmanns. Die Bertelsmann-Genussscheine haben wir empfohlen: jetzt möchte das Unternehmen zurückkaufen.

Das Angebot ist aber begrenzt – und nicht attraktiv genug, meinen wir. Bertelsmann will verständlicherweise Zinsen sparen, nicht aber auf unsere Kosten.

8,6 Prozent aktuelle Rendite

Der Schein bietet 8,6 Prozent Zinsrendite und notiert bei ungefähr 172 Prozent. Bertelsmann möchte ihn für 180 Prozent zurückkaufen – und nennt gleich selbst damit die Nachteile:

Der Aufschlag ist sehr gering. Ich bin der Meinung, der Schein wird in den nächsten Jahren weiter steigen. Denn: Bertelsmann wird in einem konjunkturell etwas besseren Umfeld wieder sicherere Gewinne erwirtschaften – und damit die Zinsen automatisch zahlen müssen.

Die zweite “Falle”: Im Rückkaufangebot enthalten ist bereits die Ausschüttung für 2009 – diese Zinsen würden Ihnen entgehen.

GeVestor meint: Wenn Sie keine liquiden Mittel brauchen, ist dieser Schein eine Halteposition. Das Rückkaufangebot macht Bertelsmann nur, um sich günstiger am Markt zu refinanzieren. Kaufmännisch verständlich, Sie können sich die hohen Zinsen jedoch weiterhin sichern.

Die aktuelle Lage an der Genussschein-Front sieht wenig erfreulich aus.

Genussschein-Reform ist ausgeblieben – nur Bertelsmann-Empfehlung bleibt

Die Politik hatte versprochen, Investitionen für Sie zu sichern. So etwa Genussscheine. Inzwischen ist die Reform gekommen – enttäuschend. Das Versprochen ist gebrochen.

Die Politik lässt den wichtigsten Vertriebsweg für Genussscheine außen vor. Höchste Warnung daher vor diesen zwei Genussscheinen.

Dies ist Genussscheine von “Prokon” oder von “Green City Energy”. Diese beiden Genussscheine werden direkt von den Unternehmen vertrieben.

Alle neuen Regelungen zum Schutz von Investoren gelten im Direktvertrieb nicht. Dies ist der Grund dafür, weshalb wir nur bei unserer Empfehlung bleiben, die wir für Bertelsmann ausgesprochen haben.

Das hässliche Gesicht der SpekulationIn einem vorangegangenen Artikel hatte ich Ihnen an dieser Stelle die großen Gefahren für unser Finanz-System präsentiert, die sich auf Grund des bestehenden Zinsmodells ergeben. Wenn nun für die immer… › mehr lesen

Bertelsmann über die Börse handelbar

Der Vorteil eines Genussscheins wie dem von Bertelsmann ist, dass er sicher über die Börse handelbar ist. Wenn Sie diesen Genussschein in diesem Jahr kaufen, zahlen Sie den Börsenkurs. Wenn Sie verkaufen, wissen Sie wie bei Aktien, wie hoch der Kursgewinn oder -verlust für Sie sein wird.

Die Konditionen sind seit Jahren an der Börse bewertet und spiegeln sich im schwankenden Börsenkurs wider. Bei Bertelsmann erhalten sie einen Zins in Höhe von 15% auf den ursprünglichen Emissionskurs von 100%. Wenn die Gesellschaft in einem Jahr keine Gewinne schreibt, kann die Zahlung ausfallen.

Ihre Rendite ergibt sich aus dem aktuellen Börsenkurs und der Zinszahlung – aktuell erhalten Investoren etwa 7% Rendite, wenn der Kauf in diesen Tagen zum Börsenkurs von gut 220% stattfindet.

Vertrieb bei neuen Genussscheinen wichtig

Bei neuen Genussscheinen sind Sie ausschließlich auf die Informationen der Berater oder der emittierenden Unternehmen angewiesen.

Dies wollte die Bundesregierung mit neuen Pflichten regeln. Ein Informationsblatt erhalten Sie anders als bei anderen Anlageformen bei “Direktvertrieblern” wie den Unternehmen nicht.

Grund dafür ist, dass diese Unternehmen nicht als Finanzanlagevermittler oder Finanzdienstleister gewertet werden. Genau dann können diese Informationen und deren Präsentation weitgehend nach eigenem Gusto selbst gestalten. Ihr Schutz ist nur dann größer, wenn eine Tochterfirma den Vertrieb übernimmt.

Dies aber wird bei Angeboten, die fragwürdig sind, gerade nicht passieren. Die Anbieter kennen die Pflichtenlücke, die der Gesetzgeber gelassen hat.

GeVestor.de meint: Deshalb ist Vorsicht geboten, wenn Unternehmen ihre eigenen Genussscheine unter das Volk bringen. Sie entziehen sich damit den Pflichten, die der Gesetzgeber anderen Vertrieblern auferlegt. Etwa Banken und deren Beratern.

Daher bleiben wir bei unserer Empfehlung: kaufen Sie den Genussschein von Bertelsmann. Der hat sich seit Jahren bewehrt, die Auszahlung ist in keinem einzigen Jahr ausgefallen. Andere Genussscheine können wir nicht empfehlen, ebensowenig Neuemissionen an diesem Markt.

Zu den zwei genannten Genussscheinen können wir daher nur höchste Warnung aussprechen.


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Von: Janne Joerg Kipp. Über den Autor

Janne Joerg Kipp ist der Experte für Wirtschaft und Geldanlage.