Bertrandt-Aktie: Ingenieurdienstleister nach Zahlen im Aufwind

Lange Zeit war die Aktie des Ingenieursdienstleisters Bertrandt ein Liebling der Anleger. Von 2006 bis März 2015 schossen die Papiere von unter 10 € auf zwischenzeitlich 138 € in die Höhe.

Über Jahre hinweg überzeugte der Entwicklungs-Dienstleister für die Automobil-Industrie mit anziehenden Umsätzen und steigenden Gewinnmargen.

Doch mit zunehmender Konkurrenz kamen auch die Gewinnspannen unter Druck und der Aktienkurs begann zu bröckeln.

Auf 12-Monats-Sicht liegt die Bertrandt-Aktie mit einem Minus von 5% weiterhin im roten Bereich und liegt damit mehr als 25% hinter dem SDAX.

Entwicklungs-Dienstleister aus dem Schwabenland

Falls Sie Bertrandt noch nicht kennen: Der SDAX-Konzern ist ein Entwicklungs-Dienstleister mit Fokus auf die europäische Automobil- und Luftfahrt-Industrie.

Das Geschäft mit Kunden aus der Medizintechnik, dem Anlagenbau oder Versorgern wurde gestartet, trägt aber noch nicht substanziell zum Gesamtumsatz bei.

Aufgrund der eigenen Projekt-Verantwortung unterscheidet sich das Geschäftsmodell von Zeitarbeitsfirmen. Bertrandt wird nur im Auftrag tätig.

Die Vergütung erfolgt als Fixpreis oder nach geleisteten Stunden.

Das starke Wachstum des Unternehmens ist auf stetig steigende Entwicklungsausgaben und vermehrtes Outsourcing (der Automobil-Industrie) zurückzuführen.

Bertrandt ist nicht von der zyklischen PKW-Produktion abhängig.

Treiber der Nachfrage sind eMobilität (Reduzierung von Abgas-Emissionen), zunehmende Modell-Vielfalt, regulatorische Anforderungen und die Gewichts-Reduktion von PKW und Flugzeugen.

Gute Marktposition – Gewinnspannen immer noch besser als die Konkurrenz

Abhängig vom Aufgabenfeld ist Bertrandt stets unter den ersten 3 Anbietern im Markt positioniert.

Dabei bietet das Unternehmen die größte Leistungsvielfalt im Markt und ist somit bei komplexen Projekten 1. Wahl.

Wichtige Wettbewerbs-Vorteile sind:

  • lang bestehende, vertrauensvolle und partnerschaftliche Kunden-Beziehungen,
  • starke Bilanzkennziffern (Nettoliquidität)
  • sowie die Verfügbarkeit eines knappen Gutes: Ingenieure.

Im Marktvergleich erzielt Bertrandt Spitzenmargen aufgrund:

  • einer strikten Kosten-Kontrolle,
  • exzellenter Kapazitäts-Steuerung
  • und langjähriger Erfahrung bei der Angebots-Kalkulation.

Gewinn-Einbruch zu Jahresbeginn nur temporär

Zum Jahresstart mussten die Schwaben allerdings einen kräftigen Dämpfer verkraften.

Während die Erlöse noch leicht auf 246 Mio. € kletterten (+1%), sackte der Gewinn um 30% auf nur noch 11,6 Mio. € in den Keller.

Positiv für den Aktienkurs war, dass die Analysten von noch schlechteren Ergebnissen ausgegangen sind.

Für den Rückgang waren neben dem anhaltenden Preisdruck auch die Tücken des Kalenders verantwortlich.

Denn im Vergleich zum Vorjahres-Zeitraum fehlten im Startquartal immerhin 2 Arbeitstage.

Langfristig beeindruckende Wachstums-Geschichte

Auf lange Sicht sieht die Entwicklung dennoch beeindruckend aus. Seit 2002 stiegen die Umsätze von 230 Mio. € auf 992 Mio. € im zurückliegenden Geschäftsjahr an.

Mit 63,6 Mio. € Jahresgewinn erzielte Bertrandt in 2016 eine Gewinnmarge von 6,3%.

Damit kam der Entwicklungs-Dienstleister zwar nicht an die Spitzenmargen von über 8% (2008) ran, liegt aber deutlich über Niedrigmargen von anderen Automobil-Zulieferern.

Mut machten auch die Aussagen der Konzernführung:

Bertrandt will für das bis Ende September laufende Geschäftsjahr wieder ein steigendes Betriebs-Ergebnis erzielen. Der Umsatz soll dynamisch zulegen.

Analysten erwarten robuste Gewinn-Steigerungen

Auch die Analysten schlagen in die gleiche Kerbe. Für 2017 liegen die Ergebnis-Schätzungen bei 6,50 € je Aktie.

In den Folgejahren steigen die Prognosen auf 7,07 € bzw. 7,77 € je Anteilsschein

Damit werden die Bertrandt-Papiere aktuell mit dem 13-Fachen der 2018er-Gewinne bewertet.

Das Kursziel der Experten liegt im Schnitt bei 110 € und damit etwa 15% über dem aktuellen Kursniveau.

Viel wird aber davon abhängen, ob es den Schwaben wirklich gelingt die Gewinndelle des letzten Quartals (4,7% Gewinnmarge) möglichst schnell wieder auszubügeln.

22. Februar 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Richard Mühlhoff. Über den Autor

Richard Mühlhoff analysiert die realen Anlageentscheidungen der weltbesten Investoren, wie etwa Warren Buffett oder David Tepper. Die kollektive Intelligenz dieser ausgemachten Top-Investoren ist das Erfolgsgeheimnis des Börsendiensts „Investment-Elite“.

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