Bertrandt-Aktie: Ingenieurdienstleister tritt weiter auf der Stelle

Der Ingenieursdienstleister ist nach den neuen Zahlen im Rückwärtsgang, aber das Management bleibt optimistisch. (Foto: Zadorozhnyi Viktor / Shutterstock.com)

Lange Zeit galt Bertrandt als das Non Plus Ultra bei den Entwicklungsdienstleistern für die Automobilhersteller. Ein robustes Wachstum gekoppelt mit­­ ordentlichen Margen und langfristigen Kundenbeziehungen waren der Cocktail, den die Anleger liebten. Doch seit dem Dieselskandal rumpelt es in den Entwicklungsabteilungen der großen Autokonzerne. Das bekommt auch der Ingenieurdienstleister zu spüren.

Schwäbischer Entwicklungsdienstleister mit starker Marktposition

Bevor ich auf die aktuellen Zahlen eingehe, möchte ich Ihnen den Bertrandt-Konzern erst einmal näher vorstellen. Der SDAX-Konzern ist ein Entwicklungs-Dienstleister mit Fokus auf die europäische Automobil- und Luftfahrt-Industrie. Das Geschäft mit Kunden aus der Medizintechnik, dem Anlagenbau oder Versorgern wurde gestartet, trägt aber noch nicht substanziell zum Gesamtumsatz bei.

Aufgrund der eigenen Projekt-Verantwortung unterscheidet sich das Geschäftsmodell von Zeitarbeitsfirmen. Bertrandt wird nur im Auftrag tätig. Die Vergütung erfolgt als Fixpreis oder nach geleisteten Stunden. In den vergangenen Jahren profitierte das Unternehmen von den stetig steigenden Entwicklungsausgaben und dem Trend zum Outsourcing in der Automobil-Industrie.

Als Treiber des Geschäfts nennen Experten die zunehmende Nachfrage nach eMobilität (Reduzierung von Abgas-Emissionen), eine steigende Modell-Vielfalt, regulatorische Anforderungen und die Gewichts-Reduktion von PKW und Flugzeugen.

Gute Marktposition – Gewinnspannen aber deutlich rückläufig

Abhängig vom Aufgabenfeld ist Bertrandt stets unter den ersten 3 Anbietern im Markt positioniert.

Dabei bietet das Unternehmen die größte Leistungsvielfalt im Markt und ist somit bei komplexen Projekten 1. Wahl.

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Wichtige Wettbewerbs-Vorteile sind:

  • lang bestehende, vertrauensvolle und partnerschaftliche Kunden-Beziehungen,
  • starke Bilanzkennziffern (Nettoliquidität)
  • sowie die Verfügbarkeit eines knappen Gutes: Ingenieure.

Auch wenn Bertrandt Im Marktvergleich noch ordentliche Gewinnspannen erzielt, absolut betrachtet kämpft auch der Entwicklungsdienstleister mit Preisdruck. Für Sie zum Vergleich: Im zurückliegenden Jahr erzielte das Unternehmen eine Vorsteuergewinnmarge (EBIT) von 6,3%. Das ist deutlich von den zweistelligen Höchstwerten entfernt, die noch vor wenigen Jahren erwirtschaftet wurden.

Im ersten Halbjahr nur verhaltene Dynamik

Dass es nicht mehr ganz so geschmiert läuft wie zu den Glanzzeiten zeigen Ihnen die gerade vorgelegten Halbjahreszahlen. Sie müssen wissen: Bertrandt hat ein vom Kalenderjahr abweichendes Geschäftsjahr, das zum 30. September endet. So konnte der Konzern seine Gesamtleistung nur unwesentlich auf 501 Millionen Euro steigern (+0,6% im Vergleich zum Vorjahreszeitraum).

Allerdings müssen Sie beachten, dass es in dem betrachteten Zeitraum 3 Arbeitstage weniger gab als im Vorjahr. Da der Entwicklungsdienstleister mit Tagessätzen abrechnet, hat dies einen starken unmittelbaren Effekt. Beim Gewinn vor Zinsen und Steuern lag Bertrandt mit 36,1 Millionen Euro leicht über dem Vorjahresniveau von 35,6 Millionen Euro. Nach Steuern war das Ergebnis allerdings um 3% rückläufig und erreichte „nur“ 24,2 Millionen Euro.

Jahresprognose bestätigt

Trotz der verhaltenen ersten Jahreshälfte bleibt die Konzernführung ihrer Prognose treu. Unter dem Strich erwartet Firmenboss Dietmar Bichler ein Umsatzplus von 20 bis 50 Millionen Euro. Bei der Vorsteuergewinnmarge (EBIT) peilt er eine Range zwischen 7 und 9% an. Auf Basis der bislang erreichten Ergebnisse muss Bertrandt für die zweite Jahreshälfte noch eine Schippe draufpacken, um die Planungen zu erreichen. Die Anleger zeigen sich erst einmal skeptisch und schickten den Kurs nach den Zahlen auf Talfahrt. Das Minus seit Vorlage der Zahlen summiert sich mittlerweile auf knapp 10%.


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Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.