Bertrandt-Aktie: Neuer Schub durch Elektro-Antrieb?

Aktuell klingen die ausgegebenen Ziele der Bundesregierung noch reichlich utopisch:

Bis 2020 soll 1 Mio. Elektro-Fahrzeuge über Deutschlands Straßen rollen. Von Umschwung und Euphorie ist bislang jedoch wenig zu spüren.

Zwar geraten Diesel-Fahrzeuge immer stärker in Verruf, seit der Skandal um die systematische Manipulation von Abgaswerten im VW-Konzern bekannt wurde.

Inzwischen werden sogar Fahrverbote in Innenstädten für dieselbetriebene Fahrzeuge diskutiert. Doch der Elektro-Antrieb kann dadurch nur bedingt profitieren.

Stattdessen wechseln viele Kunden wieder auf klassische Benziner oder bestenfalls Hybride, also Mischmodelle, die sowohl elektrisch als auch per Kraftstoff angetrieben werden können.

Das hat verschiedene Gründe:

Die Skepsis der Kunden

  1. Fehlende Infrastruktur. Dies ist ein häufig angeführter Kritikpunkt: Es gibt einfach zu wenige Ladestationen – gerade im ländlichen Gebiet. Während der Weg zur nächsten Tankstelle oftmals fast fußläufig ist, muss man sich abseits von Großstädten schon stärker umschauen auf der Suche nach dem Ladekabel fürs Auto.Dem soll nun durch großangelegte Projekte entgegengewirkt werden, gleich mehrere Energie-Unternehmen haben sich dem Vorhaben angeschlossen, die Lade-Infrastruktur auch in Deutschland stärker auszubauen. Doch das allein wird die Probleme nicht lösen.
  2. Geringe Reichweite. Der 2. große Kritikpunkt vieler Kunden lautet, dass E-Fahrzeuge zwar für den innerstädtischen Gebrauch recht attraktiv sind, jedoch keine weiteren Strecken schaffen. Während man mit einem halbwegs sparsamen Benziner problemlos mit 1 Tankfüllung von Hamburg nach München gelangt, braucht das E-Auto schneller wieder Saft.

Tesla setzt Maßstäbe

Pionier in Sachen Reichweite ist US-Autobauer Tesla.

Dieser hat sich auch auf die Entwicklung besonders leistungsfähiger Akkus spezialisiert und dessen Fahrzeuge können sich mittlerweile in Sachen Reichweite durchaus mit klassischen Fahrzeugen messen.

Bis deutsche Autobauer soweit sind, wird es jedoch noch ein Weilchen dauern.

Zwar tüftelt man auch in Stuttgart, Ingolstadt und München am lohnenden Elektromotor, doch hierzulande wurde der E-Antrieb lange Jahre eher belächelt und als Nischen-Produkt betrachtet.

Das könnte sich künftig ändern.

Zwar ist die deutsche Politik für ihre eher autobauerfreundliche Haltung bekannt.

Doch wenn es zu Fahrverboten für schmutzige Verbrennungs-Motoren auf der einen Seite und zugleich zur Subventionierung von Elektro-Antrieben auf der anderen kommt, dürfte dies nicht nur Verbraucher, sondern auch Hersteller dazu bringen, ein stärkeres Interesse an Elektromobilität zu entwickeln.

Das allein wird jedoch nicht reichen…

Kaufpreise und Image-Probleme

3. Hoher Anschaffungspreis. Ein weiteres Hindernis auf dem Weg zur Massentauglichkeit sind die bislang vergleichsweise hohen Anschaffungs-Preise, die Kunden für Elektro-Fahrzeuge hinlegen müssen. Im Vergleich zum Benziner sind sie wesentlich teurer bei geringerer Reichweite – nicht eben ein gutes Verkaufs-Argument…

Hier dürfte sich neben den Subventionierungsplänen der Bundesregierung auch die Strategie bewähren, die Tesla vorgelebt hat:

Erst einmal in die Entwicklung höherpreisiger Fahrzeuge investieren, um schließlich mit ausgereiften Produkten auch in günstigeren Preis-Segmenten in die Serien-Produktion eintreten zu können.

Bleibt noch ein letzter Punkt:

4. Das Image. Das Elektroauto hat es in Sachen Image nicht ganz leicht. Bei Tesla denken viele eher an Silicon Valley, technische Spielereien, teuren Hightech-Schnickschnack als an solide Ingenieurskunst. Dass deutsche Autobauer sich so lange zurückgehalten haben mit der Entwicklung eigener E-Fahrzeuge und nun im Eiltempo ihre Produkt-Palette ergänzen, hat dazu ebenfalls beigetragen.

Zudem weht ein Hauch von Umerziehungs-Maßnahme durchs Land, wenn plötzlich Diesel-Fahrzeuge verboten werden und die Bundesregierung Kunden dazu ermuntert, in E-Fahrzeuge zu investieren. So etwas wird gerne als Vorschrift gedeutet – und das kommt bekanntlich gar nicht gut an.

Anstrengungen für Autobranche

Kurzum: Es ist noch ein weiter Weg bis zur Realisierung der Mobilitäts-Ziele der Regierung.

Die Autobauer haben zuletzt jedoch ihre Anstrengungen deutlich hochgefahren und wollen nun mit eigenen E-Autos auf den Markt, bevor die Konkurrenz diesen womöglich unter sich aufgeteilt hat.

Davon wiederum profitieren zahlreiche andere Unternehmen, allen voran die Zulieferer. Marktführer unter den deutschen Ingenieur-Dienstleistern ist Bertrandt. Das schwäbische Unternehmen hat sich in erster Linie auf die Entwicklung von Fahrzeugkomponenten spezialisiert und erzielt den Großteil seines Umsatzes in diesem Segment.

Bertrandt-Aktie: Neuer Schwung nach Kursknick?

Durch den Umschwung hin zur Elektromobilität erhofft sich der Konzern, dessen Aktie in den 1990ern den Neuen Markt überlebte und heute im SDax notiert ist, prall gefüllte Auftragsbücher.

Zudem geht Bertrandt-Chef Bichler davon aus, dass es innerhalb der Branche zu einer Konsolidierungs-Welle kommen könnte, da kleinere Wettbewerber allein nicht imstande sind, die anstehenden Herausforderungen zu bewältigen.

Auch Bertrandt investiert derzeit massiv in Richtung Elektro-Antriebe, was die Gewinne zuletzt etwas schmälerte und die Aktie in den vergangenen 2 Jahren vom Allzeithoch herunterdrückte.

Analysten gehen jedoch davon aus, dass sich die Anstrengungen in absehbarer Zeit auszahlen werden.

Hat man sich erst einmal gut eingestellt auf die neuen Antriebs-Technologien, dürften auch die Gewinne wieder kräftiger sprudeln – was wiederum auch den Kurs der Bertrandt-Aktie ankurbeln dürfte.

Das Papier erlebte in dieser Woche einen heftigen Kursknick und rutschte von gut 92 auf rund 85 €ab. Auf Jahressicht summiert sich das Minus damit auf gut 13%.

Analysten zeigten sich zuletzt jedoch optimistisch und sagten Kursziele von bis zu 115 € voraus.

2017-03-24 Bertrandt

24. März 2017

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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