Bertrandt: Aktie zieht trotz Gewinn-Einbruch kräftig an

Der Ingenieur-Dienstleister Bertrandt hat mit dem Wandel in der Automobil-Branche zu kämpfen. Hier erfahren Sie Näheres zum Thema: (Foto: William Potter / Shutterstock.com)

Grund zur Freude hatten die Aktionäre des führenden Ingenieur-Dienstleisters schon länger nicht mehr:

Seit gut 2,5 Jahren kennt die Aktie nämlich nur eine Richtung; mit kleinen Erholungs-Pausen ging es abwärts.

Von ihrem Rekordhoch bei 138 € haben sich die Papiere – trotz des jüngsten Kurssprungs – mittlerweile deutlich entfernt:

Aktuell notiert die Aktie bei 74,60 € seit Jahressicht 25% im Minus.

Von dem 2015er-Allzeithoch sind die Papiere sogar 45% entfernt – wohlgemerkt in einer Zeit, in der es für Nebenwerte stramm nach oben ging.

Für Sie zum Vergleich: Der SDAX , ein Index für kleiner kapitalisierte Aktien, hat im gleichen Zeitraum um fast 35% an Wert zugelegt.

Was sind die Gründe für diese lange Konsolidierungs-Phase?

Wie steht es um die mittelfristigen Aussichten des Ingenieurs-Spezialisten?

Was sagen die Analysten im Moment zum Kurs-Potenzial von Bertrandt?

Führender Ingenieurs-Dienstleister für die Automobil-Industrie

Bertrandt ist ein Entwicklungs-Dienstleister mit Fokus auf die europäische Automobil- und Luftfahrt-Industrie.

Das Geschäft mit Kunden aus der Medizintechnik, dem Anlagenbau oder Versorgern wurde gestartet.

Aufgrund der eigenen Projekt-Verantwortung unterscheidet sich das Geschäftsmodell von Zeitarbeits-Firmen. Bertrandt wird nämlich nur  im Auftrag tätig.

Die Vergütung erfolgt als Fixpreis oder nach geleisteten Stunden.

Das starke Wachstum des Unternehmens war auf die stetig steigenden  Entwicklungs-Ausgaben und vermehrtes Outsourcing (der Automobil-Industrie) zurückzuführen.

Bertrandt ist nicht von der zyklischen PKW-Produktion abhängig. Treiber der Nachfrage sind:

  • eMobilität (Reduzierung von Abgas-Emissionen),
  • zunehmende Modell-Vielfalt,
  • regulatorische Anforderungen
  • und die Gewichts-Reduktion von PKW und Flugzeugen.

Kräftiger Gewinn-Einbruch in den ersten 9 Monaten

Abhängig vom Aufgabenfeld ist Bertrandt stets unter den ersten 3 Anbietern im Markt positioniert.

Dabei bietet der Konzern die größte Leistungs-Vielfalt im Markt und ist somit bei komplexen Projekten 1. Wahl.

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Dass eine starke Marktposition aber nicht immer ein Garant für steigende Profite ist, zeigt Ihnen ein Blick in das aktuelle Zahlenwerk, dass Bertrandt gerade vorgelegt hat.

Während der Auto-Spezialist den Umsatz noch leicht um ein knappes Prozent auf 734,8 Mio. € verbessern konnte, musste die Firma einen satten Gewinn-Einbruch verkraften.

Immerhin ging es beim Betriebs-Ergebnis auf 39,8 Mio. € – und somit um 36% – in den Keller.

Preisdruck und Projekt-Verzögerungen

Die Konzernführung führt gleich mehrere Gründe für das schwache Abschneiden ins Feld:

Zum einen gab es auf Grund des Umstiegs auf Elektro-Mobilität im Nachgang der Abgas-Krise deutliche Verzögerungen bei der Projekt-Vergabe.

Zum anderen hat sich der Preisdruck zuletzt spürbar verschärft. Auch die Verlagerung von Fertigungs-Kapazitäten macht Bertrandt zu schaffen.

So hat der Großkunde Audi zuletzt angekündigt, seine Entwicklungs-Ressourcen effizienter zu nutzen und mehr Entwicklungs-Arbeit selber leisten zu wollen.

Insgesamt will Audi einen Effizienz-Gewinn von 30% im Forschungs- und Entwicklungs-Bereich erreichen.

So soll die Anzahl der Prototypen deutlich reduziert werden und Forschungs-Arbeiten zunehmend digital ausgeführt werden.

Jahres-Prognose wird vorerst beibehalten

Trotz der anhaltend schwierigen Lage hält die Konzern-Führung unverändert an den Jahreszielen fest. Angepeilt wird ein Anstieg der Erlöse um 30 Mio. €.

Für Sie zum Vergleich: Im Vorjahr erzielte der Konzern Jahres-Erlöse von 992 Mio. €.

Bei der operativen Gewinn-Marge will Bertrandt zwischen 6 und 8% erreichen. Das liegt deutlich unter dem Niveau des Vorjahres (9,4%).

Dass es zu keiner schnellen Erholung der Gewinn-Margen kommt, zeigt auch die Entwicklung des wichtigsten Wettbewerbers EDAG.

Der Konzern kämpft mit den gleichen Problemen und zeichnete auch für die Zukunft keine deutliche Trendwende auf.

Analysten zeigen sich skeptisch

Unterdessen zeigen sich auch die Experten zurückhaltend. Während die Hälfte der Analysten in der Aktie eine Halteposition sieht, rät die andere Hälfte sogar zum Verkauf der Papiere.

Bei einem geschätzten Gewinn je Aktie von 4,21 € für 2017 liegt das aktuelle Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) bei 16.

Das durchschnittliche Preisziel liegt mit 70,50 € gut 7% unter dem aktuellen Kursniveau.


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Von: Richard Mühlhoff. Über den Autor

Richard Mühlhoff analysiert die realen Anlageentscheidungen der weltbesten Investoren, wie etwa Warren Buffett oder David Tepper. Die kollektive Intelligenz dieser ausgemachten Top-Investoren ist das Erfolgsgeheimnis des Börsendiensts „Investment-Elite“.