Bertrandt: Entwicklungsdienstleister nach Zahlen unter Druck

Liebe Leser,

wie gewonnen so zerronnen. Denn die Kursgewinne bei der Aktie des deutschen Ingenieursdienstleisters Bertrandt aus dem Oktober und November haben sich nach den vorgelegten Zahlen wieder komplett in Luft aufgelöst. Dabei waren die Eckdaten des abgelaufenen Geschäftsjahres schon einige Wochen bekannt.

Wie es um die Zukunft des Konzerns steht und wie Bertrandt das Wachstum wieder anzukurbeln versucht und das für Sie als Anleger bedeuten könnte erfahren Sie jetzt.

Führender Entwicklungsdienstleister für die Automobilindustrie

Bertrandt ist mit weltweit 52 Standorten einer der führenden Engineering-Partner in Europa. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der Automobilindustrie. Das Leistungsspektrum in der Automobilindustrie reicht dabei von der Entwicklung einzelner Komponenten über komplexe Module und Systeme bis hin zu Derivaten mit umfassenden, an die Entwicklung angrenzenden Dienstleistungen.

Zu den Kunden zählen nahezu alle europäischen Hersteller sowie bedeutende Systemlieferanten. Das Geschäft mit Kunden aus der Medizintechnik, dem Anlagenbau oder Versorgern befindet sich noch im Aufbau.

Aufgrund der eigenen Projektverantwortung unterscheidet sich das Geschäftsmodell von Zeitarbeitsfirmen. Bertrandt wird nur im Auftrag tätig. Die Vergütung erfolgt als Fixpreis oder nach geleisteten Stunden. Das starke Wachstum des Unternehmens ist auf stetig steigende Entwicklungsausgaben und vermehrtes Outsourcing (der Automobilindustrie) zurückzuführen.

Keine Abhängigkeit von Zyklik des PKW-Geschäfts

Treiber der Nachfrage sind die zunehmende eMobilität (Reduzierung von Abgasemissionen), zunehmende Modellvielfalt, regulatorische Anforderungen und die Gewichtsreduktion von Pkw und Flugzeugen. Dabei deckt Bertrandt das komplette Spektrum ab. Von kleinen Aufträgen (3-6 Monate) über Mittel- bis zu Großaufträgen (bis zu 4 Jahre), was eine durchschnittliche Visibilität von 18-24 Monaten gewährleistet.

Hohe Wettbewerbsqualität

Abhängig vom Aufgabenfeld ist Bertrandt stets unter den ersten drei Anbietern im Markt positioniert. Dabei bietet das Unternehmen die größte Leistungsvielfalt im Markt und ist somit bei komplexen Projekten erste Wahl.

Neben langjährigen Kundenbeziehungen profitiert Bertrandt auch von seiner starken Bilanzposition (Eigenkapitalquote: 49%). Im Marktvergleich erzielt Bertrandt Spitzenmargen (EBIT-Marge >9%) aufgrund einer strikten Kostenkontrolle, exzellenter Kapazitätssteuerung und langjähriger Erfahrung bei der Angebotskalkulation. Im Vergleich zu Komponentenlieferanten besitzt Bertrandt eine bessere Verhandlungsposition gegenüber Kunden, da Ingenieurskapazitäten ein knappes Gut darstellen.

Geschäfte leicht unter Plan

Zuletzt liefen die Geschäfte allerdings etwas schwächer als erwartet. So kletterten die Erlöse zwar um 6,1% auf 992,7 Mio. Euro, aber eben etwas weniger als die prognostizierten 7 bis 10% Zuwachs. Das operative Ergebnis verbesserte sich im Gegenzug um 1,3% auf 92,8 Millionen Euro.

Damit konnte sich auch Bertrandt nicht komplett dem harten Wettbewerb entziehen. Im Vergleich zum Vorjahr ging die Vorsteuermarge leicht um 0,3% auf 9,1% zurück.

Nur minimale Anhebung der Dividende

Auch bei der Dividende hatten die Anleger offenbar mehr erwartet. Um 5 Cent auf 2,50 Euro je Anteilsschein soll die Ausschüttung ansteigen. Damit liegt die Dividendenrendite (Dividende im Verhältnis zum Aktienkurs) aber immer noch bei ansehnlichen 2,6%.

Selektive Zukäufe denkbar

Unterdessen kann sich Firmenchef Dietmar Bichler auch ausgewählte Zukäufe vorstellen, um das Wachstum wieder anzukurbeln. Auf Grund des steigenden Entwicklungsaufwands in der Automobilindustrie rechnet Bichler mit einer zunehmenden Marktkonsolidierung, von der auch Bertrandt profitieren möchte. Das könnte auch dem Aktienkurs wieder auf die Beine helfen.

Herzliche Grüße

Ihr Richard Mühlhoff

27. Dezember 2016

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Von: Richard Mühlhoff. Über den Autor

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