Berühmte Investoren Teil 1: Benjamin Graham

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Berühmte und einflussreiche Investoren im Portrait. Heute: Benjamin Graham, der Gründer der Value-Strategie. (Foto: Jonathan Weiss / shutterstock.com)

In den vergangenen Tagen habe ich von einigen Schlussgong-Lesern Post bekommen. Der Inhalt: Was macht die Faszination von Berkshire Hathaway aus? Warum sind die Berkshire-Chefs Warren Buffett und Charlie Munger Börsen-Legenden?

Meine Antwort: Warum sollte man das Rad neu erfinden? Wenn es Börsen-Investoren gibt, die über Jahrzehnte den Markt deutlich schlagen, hat das nichts mehr mit Glück zu tun. Dann gibt es eine Art System, das man zumindest in Grundzügen für die eigene Aktienanlage übernehmen kann.

Mit seiner Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway hat Buffett den amerikanischen Leitindex S&P500 in den vergangenen 53 Jahren um rund 100% geschlagen (aufgerundet 20% Jahresrendite Berkshire versus 10% Rendite S&P500). Buffett hat also in seinem Börsenleben sehr viel richtig gemacht. Von Buffett, Munger und Co. kann man daher aus meiner Sicht sehr viel lernen. Darum schreibe ich hier im Schlussgong so gerne und so oft über erfolgreiche Investoren. Mein Motto lautet: Von den Besten lernen!

Heute und in den kommenden Tagen stelle ich Ihnen daher hier im Schlussgong einige der berühmtesten Investoren aller Zeiten vor. Den Anfang mache ich heute mit Benjamin Graham, der als „Vater“ des Value-Investing gilt.

Graham wurde im Jahr 1894 in London als Benjamin Grossbaum geboren. Als er 1 Jahr alt war, siedelte seine Familie nach New York über. Im Alter von 17 Jahren begann Graham am renommierten Columbia College zu studieren.

Graham absolvierte sein Studium innerhalb von nur zweieinhalb Jahren (normale Studiendauer: 4 Jahre) und schloss es noch dazu als Zweitbester seines Jahrgangs ab. Graham erhielt anschließend Angebote der Philosophischen, Mathematischen und Anglizistischen Institute, um dort eine akademische Karriere zu beginnen.

Grahams Anfänge an der Wall Street

Der Dekan des Colleges empfahl dem 20-Jährigen jedoch eine Karriere an der Wall Street. 1914 trat Graham schließlich eine Stelle bei der Brokerfirma Newburger, Henderson & Loeb an, obwohl er zuvor nie einen wirtschaftswissenschaftlichen Kurs besucht hatte.

Zunächst war Graham Laufbursche, machte dann aber schnell Karriere in der Rentenabteilung der Firma. Er erkannte, dass er zwar kein guter Anleihenverkäufer war, wohl aber ein guter „Statistiker“.

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Im Jahr 1915 gelang ihm der erste große Coup beim Value-Investing. Graham hatte festgestellt, dass die sich in Auflösung befindliche Guggenheim Exploration Company deutlich geringer bewertet wurde, als die einzeln gehandelten Unternehmensteile.

Dadurch war es möglich, einen sogenannten Arbitrageprofit zu erzielen. Dieser Erfolg bestätigte Graham, weitere unterbewertete Aktien zu kaufen. Seine Firma nahm Graham daraufhin im Jahr 1920 – Graham war zu dieser Zeit gerade einmal 26 Jahre alt – zum Partner. Sein damaliges Einkommen wird heute umgerechnet auf rund eine halbe Mio. US-Dollar geschätzt.

Die Graham Newman Corporation

Im Jahr 1923 gründet Graham schließlich eine eigene Vermögensverwaltung. 1926 erfolgt dann ein Neustart gemeinsam mit Jerome Newman. Zwei Jahre später folgte Graham einem Ruf der Columbia Universität.

Zu seinen Schülern zählten zahlreiche spätere Börsenlegenden wie Warren Buffett, Walter Schloss oder Irving Kahn. Der mit Abstand berühmteste Schüler von Graham war jedoch Warren Buffett, der als erfolgreichster Investor aller Zeiten gilt und derzeit der viertreichste Mensch der Welt ist.

Die Leitsätze des Benjamin Graham

Nach Grahams Überzeugung ist es die Aufgabe eines Investors, den wahren, objektiven Wert eines Wertpapiers zu ermitteln und wesentlich weniger dafür zu bezahlen. Aus dieser einfachen Feststellung lassen sich mehrere Grundregeln ableiten:

  • Investieren Sie nur, wenn ausreichend Informationen zu einer realistischen Beurteilung des inneren Wertes zur Verfügung stehen.
  • Investieren Sie nur, wenn eine Sicherheitsmarge gegeben ist.
  • Investieren Sie nur, wenn Sie so lange warten können, bis der Markt den inneren Wert anerkennt.

Meine 3 Lieblings-Zitate von Benjamin Graham

  1. „Menschen, die ihre Emotionen nicht kontrollieren können, sind von Gewinnen an der Börse ausgeschlossen.“
  2. „Geduld ist die oberste Tugend des Investors.“
  3. „Wenn man billig einkauft, muss man Geduld mitbringen und abwarten, bis der Markt einem zustimmt.“

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Rolf Morrien
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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