Best Buy-Übernahme geplatzt – Hubert Jolly soll es richten

Vor 3 Wochen hat Sie der Übernahme-Sensor vor einem Engagement bei der Übernahme der amerikanischen Elektromarkt-Kette Best Buy gewarnt.

Wer den Übernahme-Spekulationen  fern geblieben ist, kann sich glücklich schätzen: Der Deal ist tot.

Damit verbunden verfolg auch die Aussicht auf die hohe Übernahme-Prämie und die Aktie ging auf Tauchstation. Im New Yorker Handel verliert die Aktie 14%. Schon im Vorfeld notierte die Aktie deutlich unter der Übernahme-Offerte, ein Zeichen dafür, dass viele Investoren die Offerte skeptisch sahen.

Finanzierung bis zuletzt unklar

Geplant war, dass Best Buy-Gründer Richard Schulze sein Unternehmen komplett unter eigene Kontrolle bringt. Der Deal hätte ein Volumen von bis zu 8,8 Mrd. Dollar gehabt. Jetzt wird Best Buy an der Börse mit etwa 6 Mrd. Dollar bewertet.

Vor drei Jahren war das Unternehmen doppelt soviel wert. Doch die Geschäfte liefen schlecht. Chancen wurden vertan – die Krise sorgte für Verluste. Schulze war der Ansicht, dass mit der Hilfe von Finanzinvestoren das Ruder rumgerissen werden kann, doch so richtig geklärt war die Finanzierung des Deals nie.

Wer hält den Schwarzen Peter?

Das fehlende Finanzierungskonzept sowie eine für Schulze inakzeptable Stillhalte-Klausel sorgte am Ende dafür, dass der Best Buy-Aufsichtsrat die Offerte ablehnte. Beide Seiten versuchen den anderen für ein Scheitern des Deals verantwortlich zu machen.

Best Buy bemängelt, dass trotz diverser Zugeständnisse kein konkretes Übernahme-Angebot vorgelegt wurde. Es wurde sogar eine 60-Tages-Frist für Schulze eingeräumt, um die Finanzierung des Deals zu klären. Dann würden die Übernahme-Verhandlungen weiter gehen.

Richard Schulze wollte jedoch direkt weiter verhandeln – ohne einen Finanzierungsplan zu haben und mit einer verkürzten Stillhalte-Klausel. Vermutlich brauchte er diese Bedingungen, um von den Finanzinvestoren grünes Licht zu bekommen.

Es ist verständlich, dass Best Buy dies nicht wollte. Insbesondere die Buch-Einsicht ist sehr sensibel. Sie gibt deutlich detailliertere Details über die Geschäfte preis als etwa die Bilanz. Um zu verhindern, dass sich Konkurrenten Unternehmens-Interna aneignen, wurde zu Recht abgelehnt.

Hubert Jolly – erfolgreicher „Sanierungs-Rambo“

Best Buy wird jetzt alleine weitermachen. Ein neuer Chef wurde engagiert, um den Niedergang des Unternehmens aufzuhalten. Der Franzose Hubert Joly soll das Ruder übernehmen, um eine Pleite abzuwenden.

Der neue Chef ist kein Unbekannter. Er gilt als harter Sanierer, der auf eine lange Erfolgsserie zurückblicken kann. EDS, Vivendi und CWT konnte er erfolgreich umstrukturieren. Das gleiche Resultat wird auch von den Best Buy-Managern erwartet – Investoren hätten lieber einen CEO aus den eigenen Reihen gesehen.

Das Problem: Die Kunden kommen zwar in die Filialen, doch kaufen dann bei günstigeren Anbietern. Das Geschäftsmodell der Großmärkte gilt als veraltet. Zuviel Ladenfläche, zu hohe Kosten. Am Dienstag soll ein Turnaround-Plan vorgelegt werden.

Mit einer Übernahme wird es indes vorerst nichts mehr. Das einzige was bleibt ist verlorene Zeit, um die Talfahrt zu stoppen.

22. August 2012

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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