Bet-at-home-Aktie: Schwächeanfall nur von kurzer Dauer

Alles, was Sie rund um den Sportwetten-Anbieter Bet-at-home.com wissen müssen, erfahren Sie in diesem Beitrag von Richard Mühlhoff. (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Beim Anblick auf den Kurschart der Bet-at-home-Aktie dürfte dem ein oder anderen schwindelig werden:

Notierten die Papiere des Sportwetten-Anbieters vor nicht einmal 5 Jahren noch unter 9 €, so müssen Sie inzwischen 137 € für einen Anteilsschein auf den Tisch legen.

Bei einem Höchstkurs von 150 € erreichte der Düsseldorfer Konzern kürzlich sogar einen Börsenwert von über 1 Mrd. €.

Was sind die Hintergründe der fulminanten Kursrallye (>1.400% Kurs-Plus)?

Kann die operative Entwicklung mit dem Aktienkurs mithalten?

Könnte die jüngste Schwäche-Phase das Ende der Erfolgsstory einläuten?

Europaweit einer der größten Sportwetten-Anbieter im Internet

Die bet-at-home.com AG zählt mit knapp 4,3 Mio. registrierten Nutzern zu den größten europäischen Sportwetten-Anbietern im Internet.

Das vielfältige Angebot auf www.bet-at-home.com umfasst:

  • Sportwetten,
  • Poker,
  • Casino,
  • Games
  • und Virtual Sports.

Das Unternehmen verfügt über Gesellschaften in Deutschland, Österreich, Malta und Gibraltar.

Über seine maltesischen Gesellschaften hält der Konzern Online-Sportwetten- und Glücksspiel-Lizenzen.

Die Lizenzen berechtigten den Konzern jeweils zur Veranstaltung und zum Vertrieb von Online-Sportwetten und Online-Casinos.

Seit 2009 ist die Bet-at-home.com Mitglied der Betclic Everest SAS Group, einer führenden französischen Gruppe im Bereich Online-Gaming und Sportwetten.

Was wirklich für Wettanbieter zählt

An erster Stelle der Wertschöpfungskette von Bet-at-home.com steht wie bei allen Glückspiel-Anbietern das realisierte Spielvolumen.

Entscheidend für den wirtschaftlichen Erfolg eines Glücksspiel-Anbieters ist jedoch das Residuum aus dem Spielvolumen abzüglich aller ausgezahlter Gewinne (Brutto-Gaming-Ertrag).

Nach Abzug gewährter Spielguthaben (Boni) an Kunden ergibt sich der Netto-Gaming-Ertrag. Wesentliche Aufwands-Position ist das Marketing inkl. Sport-Sponsoring.

Stark fragmentierter Glücksspielmarkt in Europa

Der europäische Online-Glücksspielmarkt hat ein Volumen von ca. 17 Mrd. € und ist stark fragmentiert.

Durch die hohe Verfügbarkeit von Standard-Software zeichnet sich der Markt durch geringe technische Markteintritts-Barrieren ab.

Die Barrieren für ein langfristig profitables Bestehen am Markt sind jedoch deutlich höher.

Wesentlicher Treiber ist eine große Zahl aktiver Nutzer mit attraktiver Kosten-/Erlös-Relation.

Wesentliche Maßnahmen um dies zu erreichen sind aktives Marketing (Boni, Sport-Sponsoring, Branding), gute Quoten und ein professionelles Management der Kunden-Beziehungen.

Beeindruckende Erfolgsgeschichte

Mit seiner Positionierung erreichte der Wettspezialist in den vergangenen Jahren einen beeindruckenden wirtschaftlichen Erfolg:

Seit 2007 kletterten die Umsätze von 23,4 auf 138,7 Mio. € im zurückliegenden Geschäftsjahr.

Im Gegenzug drehte das Unternehmen den Verlust in Höhe von 1 Mio. € in einen Gewinn von 31 Mio. €.

Auch die Aktionäre konnten sich freuen. Denn zu der normalen Dividende von 2,50 € kam zuletzt noch eine Sonderdividende in Höhe 5 € je Anteilsschein hinzu.

Für das operative Geschäft benötigt die Firma laut Vorstand Michael Quatember rund 30 Mio. € Cash.

Sollten mehr auf der hohen Kante liegen, könnte es auch in Zukunft weitere Sonderausschüttungen geben.

Weitere Zuwächse in Sicht – aber gedrosselte Dynamik

Auch im aktuellen Jahr rechnet die Konzernführung mit weiteren Zuwächsen:

Der Brutto-Wett- und Gaming-Ertrag soll auf 144 Mio. € ansteigen. Beim operativen Ergebnis (EBITDA) peilt die Firma 34 – 38 Mio. € (Vorjahr: 33 Mio. €) an.

Allerdings belasteten im 1. Quartal gestiegene Marketing-Aufwendungen die Bilanz.

So wurde im Startquartal gerade einmal ein EBITDA von 5 Mio. € erzielt, was einem Rückgang von 34% entspricht.

Analysten sind sich einig: Aktie zu teuer

Nach der massiven Aufwärts-Bewegung ist die Aktie der fundamentalen Entwicklung vorausgeeilt.

Bei einem aktuellen Börsenwert von 965 Mio. € wird die Aktie mit dem 7-Fachen der erwarteten Umsätze bewertet.

Die Analysten sind sich unterdessen einig und nehmen allesamt eine zurückhaltende Position ein. Das durchschnittliche Kursziel von 110,50 € impliziert ein Abwärts-Risiko von 18%.

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Von: Richard Mühlhoff. Über den Autor

Richard Mühlhoff analysiert die realen Anlageentscheidungen der weltbesten Investoren, wie etwa Warren Buffett oder David Tepper. Die kollektive Intelligenz dieser ausgemachten Top-Investoren ist das Erfolgsgeheimnis des Börsendiensts „Investment-Elite“.