Betrug mit Wasserstoff? Nikola könnte das nächste Wirecard werden!

Wirecard RED – obs Wirecard AG Paul Blind

Der Gründer von Nikola kann hunderte von Millionen US-Dollar aus dem Unternehmen ziehen, bevor er überhaupt die versprochene Technologie liefern muss. (Foto: obs/Wirecard AG/Paul Blind)

Das Unternehmen mit dem Wasserstoff-Truck, das Tesla gerne den Kampf ansagen würde, bekommt wieder negative Schlagzeilen. Es geht um potentiellen Betrug und vorsätzliche Lügen. Die Aktien sind seit Juni von 94 US-Dollar auf rund 31 US-Dollar gefallen.

Wer jetzt an Schnäppchenkäufe denkt, sollte sich vielleicht an Wirecard erinnern. Damals gab es auch zahlreiche Berichte darüber, dass nicht alles koscher ist beim Fintech-Unternehmen aus Deutschland. Doch die Anleger liefen ins offene Messer und kauften immer wieder nach. Schließlich gab es sogar Rückendeckung aus der Regierung von Merkel und Scholz. Inzwischen ist Wirecard unter 1 Euro pro Aktie und nicht mehr im DAX gelistet.

Nikola bekommt Rückendeckung von General Motors. Hier wurde eine Partnerschaft angekündigt. GM ist an der Technologie interessiert und Nikola soll das Know-how über die Wasserstoff-Trucks liefern.

Hier der Chart von Nikola

Sie sehen, wie die Aktie explodiert ist. Im Frühling noch bei 10 – im Sommer schon fast bei 100 US-Dollar. Inzwischen hat Nikola zwei Drittel Marktwert verloren.

Gerüchte, Beweise oder nur ein Short-Seller?

Der Short-Sellers Hindenburg Research hat seine Analyse hier veröffentlicht. Im Mittelpunkt steht dabei der Gründer Trevor Milton. Es geht um „Dutzende Lügen“ und aufgezeichnete Gespräche, E-Mails und sogar Fotos, die Falschaussagen von Milton beweisen sollen.

Laut Hindenburg Research haben sie noch nie dieses Ausmaß an Betrug bei einer solchen Firmengröße erlebt. Die Falschaussagen hätten letztlich dazu geführt, dass Milton sein Unternehmen innerhalb von einer Dekade auf 20 Milliarden US-Dollar Wert anwachsen lies.

Heiße Luft – um nichts Anderes geht es hierbei. Die Anzahl der Vorbestellungen soll gefälscht sein. Was allerdings noch gravierender ist: Laut Hindenburg Research habe Nikola nicht einmal die Technologie, um die geplanten Wasserstoff-Trucks überhaupt zu bauen.

Ein ausschlaggebender Punkt ist hierbei die Produktion von Wasserstoff. So will Nikola eine Technik entwickelt haben, die ca. 81 Prozent günstiger ist als die der Konkurrenz. Angeblich wird damit auch schon Wasserstoff herstellt. Dies wurde immer wieder gegenüber der Presse betont. Auf stärkere Nachfragen sei Milton aber eingeknickt und habe zugegeben, dass Nikola noch keinen Wasserstoff produzierte habe – egal zu welchem Preis.

Noch ein Beispiel gefällig? Der Gründer hat ebenfalls behauptet, dass er Solarpanels mit 3.5 Megawatt Leistung auf dem Dach seiner Zentrale habe. Luftaufnahmen haben später gezeigt, dass diese Solaranlage gar nicht existiert.

Im Juli bei einem Podcast verkündete Trevor Martin, dass sie fünf Trucks haben, die gerade in Ulm fertiggestellt werden. Ein Sprecher von Bosch, mit denen das Unternehmen zusammenarbeitet, konnte allerdings bestätigen, dass dort noch keine Trucks produziert wurden.

Gefahr für Anleger bei Nikola

Sollten Sie also wirklich Aktien kaufen, von einem Unternehmen, dessen Chef es mit der Wahrheit nicht so genau nimmt? Bei Wirecard konnten wir uns den Betrug auch nicht vorstellen und letztlich fehlten 1,9 Milliarden Euro auf Konten, die es nicht gab.

Hinzu kommt, dass viele große Partner von Nikola bereits seit längerem Aktien verkaufen und den Hype ausnutzten, um Anteile zu hohen Preisen abzustoßen. Dazu zählen Worthington, Bosch und ValueAct. Worthington allein hat Aktien im Wert von über 237 Millionen US-Dollar innerhalb von 2 Tagen im Juli verkauft. Im August noch einmal weitere 250 Millionen US-Dollar.

Als Sahnehäubchen gibt es jetzt auch den Deal mit General Motors. Dieser wurde auch noch einmal genutzt, um aus dem Unternehmen auszusteigen. Die Aktien schossen kurzzeitig nach oben. Wäre das Geschäftsmodell stabil, sollte es nach derartigen Nachrichten mit dem Kurs weiter nach oben gehen. Das ist nicht passiert.

Erschwerend kommt nach dazu, dass der Gründer von Nikola wohl bereits die Grundlage dafür gelegt hat, nicht mit dem sinkenden Schiff unterzugehen. Er hat bereits 70 Millionen US-Dollar beim Börsengang verdient. Weitere 20 Millionen US-Dollar sind ihm sicher über die nächsten 2 Jahre. Er kann darüber hinaus hunderte von Millionen US-Dollar aus dem Unternehmen ziehen, bevor er überhaupt die versprochene Technologie liefern muss. Dieses Konstrukt ist zwar schön für ihn, aber Anleger sollten Sie wohl das Weite suchen, wenn Hindenburg Research Recht hat. Warten wir ab, was in den kommenden Wochen und Monaten mit Nikola noch passieren wird.

Wirecard RED – obs Wirecard AG Paul Blind

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Von: Michael Berkholz. Über den Autor

Michael Berkholz entdeckte vor einigen Jahren seine Leidenschaft fürs Trading und gibt sein Wissen heute mit großer Leidenschaft an seine Leser weiter.