Beyond Meat: Börsenhype trifft Börsenneuling

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Beyond Meat: Veggiemanie treibt Börsenwert in ungeahnt Höhen. Anleger reißen sich um Aktien des Fleischersatzherstellers. Aktienkurs mehr als verdreifacht in wenigen Tagen. (Foto: 8th creator / shutterstock.com)

Der Hype findet (noch) kein Ende. Die Anleger reißen sich um die Aktien des Fleischersatzherstellers Beyond Meat wie eine ausgehungerte Löwenmutter um eine fliehende Gazelle. Vor nicht einmal einer Woche wagte der US-Konzern den Sprung aufs Parkett und hat seither ein regelrechtes Börsenfieber entfacht. Der Emissionspreis von 25 Dollar ist längst passe. Inzwischen notieren die Papiere bei 80 Dollar, womit das noch Verluste schreibende Startup auf einen stolzen Börsenwert von 4,7 Milliarden Dollar kommt.

Alte Idee trifft Nerv der Zeit

Falls Sie die Beyond Meat noch nicht kennen sollten. Das Konzept der US-Firma ist keinesfalls bahnbrechend neu, dennoch reißen sich die Anleger um die Papiere des Spezialisten für Burgerfrikadellen. Das 2009 gegründete Unternehmen Beyond Meat stellt Fleischersatz für Burger und Tacos her – vornehmlich auf Basis von Erbsenproteinen.

Gemischt mit dem Saft aus roter Bete kommt der Burger zumindest optisch dem Originalprodukt schon ziemlich nahe. Seit 2013 sind die Produkte von Beyond Meat in den USA erhältlich. Mittlerweile können Sie die Burgeralternative aber auch in Deutschland kaufen.

Marketingstrategie geht voll auf

Dabei hat sich das Unternehmen mit seiner Marketingstrategie offensiv positioniert. Das Marketing der Firma ist auf den heutigen Zeitgeist angepasst. „Wir umgehen das Tier, den größten Flaschenhals der Landwirtschaft“, so der Firmenboss Ethan Brown. Mit seinen Produkten will der Konzern nicht nur sich selbst, sondern auch der menschlichen Gesundheit helfen, zugleich Ressourcen schonen und den Klimawandel ausbremsen.

Illustrer Gesellschafterkreis

Zu den Investoren gehören unter anderem Bill Gates, Hollywoodstar Leonardo DiCaprio und die bekennende Veganerin und Schauspielerin Jessica Chastain. Bei ihrem Investment dürften vor allem ethische Aspekte eine Rolle gespielt haben.

Die größten Anteile an dem veganen Lebensmittelproduzenten halten die Wagniskapitalgeber Kleiner Perkins mit 16,1% und Obvious Ventures mit 10,4%. Tyson Foods, der größte US-Fleischproduzent, besaß zum Börsengang noch ein 5%-Paket, hat sich aber zwischenzeitlich von seinem Anteil an Beyon Meat getrennt. Der US-Konzern will künftig seine eigenen pflanzlichen Proteinprodukte entwickeln und auf den Markt bringen.

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Beyon Meat adressiert gigantischen Zielmarkt

Zuletzt wies der Markt für Fleischersatzprodukte satte Wachstumsraten auf. Langfristig gilt das Marktpotenzial als beeindruckend groß. In den USA wird der Markt für vegane Fleischalternativen auf rund 40 Milliarden US-Dollar in den kommenden 10 Jahren geschätzt.

Börsenerlös fließt in die Expansion

Mit dem Sprung aufs Parkett sammelte die Gesellschaft 241 Millionen Dollar ein. Mit dem Geld will Beyond Meat vor allem seinen Herstellungsprozess optimieren sowie in Marketing und den Bereich Forschung und Entwicklung investieren. Zugleich soll die Anzahl der Mitarbeiter deutlich ausgebaut werden.

Unternehmensbewertung jenseits von Gut und Böse

Bislang ist die Unternehmensgröße aber noch sehr überschaubar. Der Jahresumsatz lag zuletzt lediglich bei 87,9 Millionen Dollar. Zugleich verharrte Beyond Meat mit 29,9 Millionen Dollar weiterhin tief in der Verlustzone.

Laut dem IPO-Prospekt dürften die Gewinne auch in Zukunft noch auf sich warten lassen. Zugleich ist der Konzern nicht der einzige Anbieter am Markt. Mit Impossible Foods und der Nestle-Firma Garden Gourmet gibt es gleich zwei Konzerne, die bereits Fast Food-Ketten wie Burger King und McDonalds mit Fleischalternativen beliefern.

Nach der Kursexplosion hat der Unternehmenswert bereits astronomische Höhen erreicht. Auch wenn die langfristigen Perspektiven durchaus vorhanden sind, hat sich der Firmenwert von den Geschäftszahlen vollkommen abgekoppelt. Anleger sollten sich daher auf extreme Schwankungen einstellen.


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Von: Richard Mühlhoff. Über den Autor

Richard Mühlhoff analysiert die realen Anlageentscheidungen der weltbesten Investoren, wie etwa Warren Buffett oder David Tepper. Die kollektive Intelligenz dieser ausgemachten Top-Investoren ist das Erfolgsgeheimnis des Börsendiensts „Investment-Elite“.