Beyond Meat pulverisiert Analystenprognosen

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Beyond Meat veröffentlicht die ersten Quartalszahlen nach dem IPO. Die Aktie haussiert. Möglicherweise nicht zu Unrecht. (Foto: Anikei / Shutterstock.com)

Die ersten Quartalszahlen, die Beyond Meat als börsennotierte Gesellschaft Ende der vergangenen Woche veröffentlicht hat, waren nur für die Leerverkäufer enttäuschend. Die Prognosen selbst der optimistischsten Analysten wurden gleichsam pulverisiert und die Aktie überwand ein Allzeithoch nach dem nächsten. Investoren, die das Glück hatten, zum Börsengang eine Zuteilung zu erhalten, konnten ihren Einsatz damit in weniger als fünf Wochen mehr als verachtfachen.

Wann decken sich die Leerverkäufer ein?

Auf der Strecke bleiben die angesprochenen Leerverkäufer. Hier bahnt sich ein regelrechtes Blutbad an. Schließlich wurden nach Angaben der SEC derzeit rund 42% des Streubesitzes von den sogenannten Short-Sellern verkauft – eine rekordverdächtige Quote. Womit sich die Frage stellt, wo der Aktienkurs stehen wird, wenn diese erst damit anfangen, sich einzudecken.

Dass dies früher oder später geschehen wird, steht außer Frage, schließlich ist es Beyond Meat schon nach kurzer Zeit gelungen, als kulturelles Phänomen angesehen zu werden. Das Unternehmen hat einen Hype-Status erreicht, der dem des iPhone ähnelt. Man kann die Fans des Beyond Burger getrost Evangelisten nennen, die ihren Freundes- und Bekanntenkreis mit der blutig-roten Erbsenmasse missionieren.

Dreistelliges Wachstum

Was sich auch in den Finanzzahlen ausdrückt. So hat sich der Umsatz im ersten Quartal 2018 mit 40,2 Mio. US-Dollar im Jahresvergleich mehr als verdreifacht. Gleichzeitig konnte damit auch das höchste Quartalswachstum der jüngeren Unternehmensgeschichte erzielt werden. Treiber des Wachstums waren einmal mehr die Vertriebsstellen in der Gastronomie, vor allem den hierzulande weitgehend unbekannten Schnellrestaurantketten TGIF, Carls und Del Taco. Sie sind elementar für den weiteren Markenauftritt des Unternehmens, da der Begriff “Beyond Meat” auch auf der Speisenkarte erscheint.

Für das Gesamtjahr rechnet der Vorstand mit einem Umsatzanstieg auf 210 Mio. US-Dollar, was leicht über dem bisherigen Konsens von 205 Mio. US-Dollar liegt. Auf der Telefonkonferenz mit den Analysten und Investoren wurden vom Management zusätzliche Absatzmöglichkeiten in neuen Produktlinien Frühstückswürstchen, Hackfleisch und Beyond Burger 2.0 angedeutet.

Auch beim Rohertrag kam es zu einer bemerkenswerten Entwicklung. Dieser verbesserte sich um 421% auf 10,8 Mio. US-Dollar, was einer Rohertragsmarge von 26,8% entspricht. Angesichts dieser Vorgaben geht der Vorstand davon aus, dass Beyond Meat bereits in diesem Jahr ein ausgeglichenes EBITDA (adjustiert um Einmalaufwendungen) erzielen wird – eine sehr ungewöhnliche Entwicklung für ein derart wachstumsstarkes Unternehmen.

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Und in Zukunft?

Doch was können wir von Beyond Meat in den kommenden Jahren erwarten? Zunächst einmal ist das Marktpotenzial riesig und vermutlich viel größer, als von den meisten bislang angenommen wurde. Nicht wenige Marktteilnehmer gehen sogar davon aus, dass die größte Fast-Food-Kette der Welt, McDonald’s, demnächst auf die fleischlose Konkurrenz reagieren wird und einen eigenen Gemüse-Burger auf den Markt bringen wird. Und wer wäre besser für eine weltweite Belieferung geeigneter als Beyond Meat?

Denn der Wettbewerbsvorteil des First Movers, also desjenigen, der sich als erster in die Pole Position bringt, sollte nicht unterschätzt werden. Marktbeobachter gehen davon aus, dass es mindestens drei Jahre dauern wird, bis sich ein Neueinsteiger in einem vergleichbaren Konkurrenzprodukt positionieren wird. Damit kann Beyond Meat den Markt vorerst allein abgrasen.

Und könnte damit deutlich höhere Wachstumsraten erzielen, als sich dies bislang in den Consensus-Zahlen widerspiegelt. Diese gehen aktuell von einem durchschnittlichen jährlichen Umsatzwachstum 2019-22 von gerade einmal 45% aus. Sollte jedoch die Belieferung von McDonald’s gelingen, dürften die Wachstumsraten eher im dreistelligen Prozentbereich zu verorten sein. Zumindest sofern es Beyond Meat gelingen sollte, in ausreichendem Umfang den Hauptrohstoff des Fleischersatzes, eine bestimmte Erbsensorte, zu beschaffen.

Ist Beyond Meat mit Facebook vergleichbar?

In diesem Fall aber wird sich auch die aktuelle Überbewertung der Aktie schnell relativieren. Denn nicht zuletzt die hohen Multiples waren es schließlich, die die Short-Seller auf den Plan riefen. Kurs-Umsatz-Multiples von 17 und 12 auf Basis der 2020er und 2021er Consensus-Prognosen findet man schließlich nicht alle Tage. Und doch könnten sie gerechtfertigt sein und sogar einen Einstieg sinnvoll machen.

Schließlich wurde Facebook, die letzte Aktie, die mit einem vergleichbaren medialen Bohei an die Börse gegangen ist, einst ebenfalls mit einem Kurs-Umsatz-Multiplikator von 20 gehandelt. Leerverkäufer dürften vorerst weiterhin bluten.


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Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.