Bierabsatz erreicht Rekordtief

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Die Corona-Pandemie verhagelt den Brauereien das Geschäft. Sogar die Big Player der Branche sind betroffen. (Foto: Master1305 / Shutterstock.com)

Trotz des schönen Wetters im Sommer haben die deutschen Brauereien noch nie so wenig Bier verkauft wie 2019. Mit einem Absatz von 9,22 Mrd. Litern wurde das bisherige Rekordtief aus dem Jahr 2017 (9,35 Mrd. Liter) unterboten. Der Deutsche Brauerbund zeigte sich jedoch optimistisch, im laufenden Jahr mit neuen Marken und alkoholfreien Bieren die Trendwende einleiten zu können. Daraus wird wohl nichts werden.

Denn die Corona-Pandemie verhagelt den Brauereien das Geschäft. Kneipen, Restaurants und Hotels mussten im März schließen; Großveranstaltungen wie die Fußball-EM und die Olympischen Spiele wurden abgesagt. Die Pandemie setzt auch den Big Playern der Branche zu.

Heineken und InBev meldeten für das 1. Quartal Absatz- und Umsatzrückgänge. InBev ist unter dem Strich sogar tief in die roten Zahlen gerutscht. Das Coronavirus ist aber nur ein Sondereffekt, der die Bierbranche vorübergehend besonders stark unter Druck setzt. Denn mit dem Bierkonsum geht es in Deutschland schon seit fast 30 Jahren bergab. Seit 1993 ist der Bierabsatz um 17,8% gesunken. Auch weltweit wird immer weniger Bier getrunken. Verantwortlich ist zum einen die demografische Entwicklung.

Die Bevölkerung wird immer älter. Der Anteil der 20- bis 40-Jährigen, die gerne und viel feiern und öfters ausgeht, schrumpft. Daneben belastet das Problem steigender Kosten bei anhaltendem Preisdruck des Einzelhandels. Hinzu kommt letztlich der allgemeine Trend zu geringerem Alkoholkonsum aus gesundheitlichen Gründen. Entsprechend erfreulich entwickelt sich die Nachfrage nach alkoholfreiem Bier. Der Absatz stieg im Handel um 3% und erreichte einen Marktanteil von 7%. Von den mehr als 6.500 unterschiedlichen deutschen Biermarken sind rund 500 alkoholfrei.

Auch andere Segmente haben mit Absatzproblemen zu kämpfen

Der abgedroschene Spruch „Getrunken wird immer, auch in der Krise“ hat in der aktuellen Situation nur bedingt Gültigkeit. So hat der Weinhändler Hawesko überzeugende Ergebnisse für das 1. Quartal präsentiert. Umsatz und operatives Ergebnis sind gestiegen.

Denn die Konsumenten haben sich wegen der Pandemie frühzeitig mit Wein eingedeckt. Nach Aussagen des Marktforschungsinstituts GfK haben die Deutschen zwischen Ende Februar und Ende März rund ein Drittel mehr Wein gekauft als im Vorjahr. Wachstumstreiber Nummer 1 war der Online-Handel. Ob der Trend anhält, bleibt abzuwarten. Nach dem wichtigen 2. Quartal werden wir wissen, wohin die Reise geht.

Ich bin skeptisch, zumal schon im vergangenen Jahr in einem normalen Umfeld der Wein- und Schaumweinabsatz in Deutschland um 0,9% auf 19,5 Mio. hl zurückging. Insgesamt aber sollte Hawesko als Nummer 1 in dem stark fragmentierten 8 Mrd. € schweren europäischen Weinmarkt wie bisher besser abschneiden als die Konkurrenz. Anders als Hawesko hat Schloss Wachenheim offensichtlich nicht von Vorratskäufen profitiert. Das 3. Quartal war schon sehr schwach, und im 4. Quartal dürften die Geschäfte noch schlechter gelaufen sein. Der Konzern hat jedenfalls seine Jahresziele zurückgeschraubt.

Spirituosen- und Softdrink-Hersteller stehen ebenfalls vor schwierigen Zeiten. Bei PepsiCo sorgt zumindest das Geschäft mit Snacks für etwas Stabilität.

Die Getränke-Branche muss in diesem Jahr mit deutlichen Einbußen rechnen

Die wichtigsten Absatzkanäle sind weggebrochen. Kneipen, Bars, Diskotheken, Restaurants und Hotels waren monatelang geschlossen. Allein in Deutschland stehen rund 70.000 Gastronomie- Betriebe vor dem Aus. Messen sowie Sportveranstaltungen wie die Fußball-EM und die Olympischen Spiele wurden abgesagt. Zudem drohen in den USA hohe Zölle auf Bier und Spirituosen.

Die Milliardenlücken werden auch nach den jüngsten Lockerungen wegen der strengen Auflagen nicht geschlossen werden können. Denn die Biere und Schnäpse, die im Frühjahr und Sommer nicht getrunken wurden, werden im Herbst und Winter nicht zusätzlich getrunken.

gfk

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Volker Gelfarth
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und High Performance Depot.

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