Bieterwettstreit um Autostrade per l’Italia eröffnet

Allianz Logo RED_shutterstock_1091102531_Birgit Reitz-Hofmann

Um den italienischen Autobahnbetreiber Autostrade per l'Italia bahnt sich ein Übernahmewettstreit an. Neben der staatlichen Förderbank CDP hat nun auch der spanische Baukonzern ACS ein Angebot abgegeben. (Foto: Birgit Reitz-Hofmann)

Kurz vor dem Wochenende wurde in Italien ein neuer Bieterwettstreit eröffnet: Der spanische Baukonzern Grupo ACS bestätigte am Freitag, dass er dem Mehrheitsaktionär des italienischen Autobahnbetreibers Autostrade per l’Italia S.p.A. (Società per azioni – italienische Rechtsform der Aktiengesellschaft), der Atlantia S.p.A., ein Übernahmeangebot für dessen 88-%-Anteil unterbreitet hat.

Sie müssen wissen: Erst vor 2 Wochen hatte eine Gruppe um die staatliche italienische Förderbank Casa Depositi e Prestiti (CDP) ein schon länger bestehendes Übernahmeangebot für Autostrade per l’Italia nachgebessert.

Das nachgebesserte CDP-Angebot…

Laut der italienischen Tageszeitung Il Messaggero soll das Bieterkonsortium um CDP das Barangebot für 100% der Autostrade-Anteile vor 2 Wochen von 9,1 Mrd. Euro auf 9,5 Mrd. Euro nachgebessert haben.

Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters handelt es sich bei den zusätzlich gebotenen 400 Mio. Euro um den Löwenanteil der anstehenden Subventionen aus dem italienischen Corona-Unterstützungsprogramm.

Zusätzlich hat sich das CDP-Bieterkonsortium bereit erklärt, weitere 1,5 Mrd. Euro für mögliche Entschädigungszahlungen im Zusammenhang mit dem Brückeneinsturz von Genua im Jahre 2018 übernehmen zu wollen.

…und die neue Offerte des spanische Baukonzerns Grupo ACS

In einer kurzen Mitteilung an die spanische Wertpapier- und Börsenkommission teilte die ACS-Gruppe mit, „dass sie ein Schreiben an den Verwaltungsrat von Atlantia geschickt hat, in dem sie ihr Interesse bekundet, sich zusammen mit anderen potenziellen Investoren, darunter Cassa Depositi e Prestiti, an der möglichen Übernahme der Beteiligung dieses Unternehmens an ASPI (Autostrade per l’Italia SpA), beteiligen zu wollen.

Über den konkreten Angebotspreis äußerte sich ACS in dieser Pflichtmitteilung jedoch nicht. Die Spanier geben lediglich an, dass sie den Unternehmenswert der Autostrade per l’Italia auf 9 bis 10 Mrd. Euro taxieren.

So reagierten die Börsen

Nach Bekanntwerden des neuen Übernahmeangebots für Autostrade per l’Italia am Donnerstag legte der Kurs der Atlantia-Aktie um gute 3,1% zu und ging an der Mailänder Börse mit 16,29 Euro aus dem Handel. Die Investoren begrüßen also das unerwartete Auftauchen eines weiteren Bieters.

Der Kurs der ACS-Papiere gab an der Börse in Madrid leicht nach. Möglicherweise sind die Investoren der Meinung, dass das Übernahme-Angebot für den italienischen Mautstraßenbetreiber zu teuer ausgefallen ist.

Die beteiligten Unternehmen im Überblick

Die in Rom beheimatete Autostrade per l’Italia S.p.A. ist der größte Betreiber mautpflichtiger Straßen Italiens. Das Unternehmen betreibt rund 3.300 Kilometer italienischer Autobahnen mit 262 Mautstellen. Dies entspricht etwa 56% der gebührenpflichtigen Autobahnen Italiens.

Die ebenfalls in Rom ansässige Atlantia S.p.A. hält 88% der Autostrade-Anteile. Die restlichen Anteile befinden sich im Besitz der deutschen Allianz und den Fonds DIF (Niederlande), EDF Invest und dem chinesischen Silk Road Fund.

Neben den italienischen Autobahnen ist Atlantia direkt und indirekt an Mautstraßen in Polen, Brasilien, Chile und Indien beteiligt. Darüber hinaus betreibt Atlantia diverse Flughäfen in Frankreich und über die Tochter Aeroporti di Roma die Flughäfen Fiumicino und Ciampino in Rom. Atlantia ist mehrheitlich im Besitz der Benetton-Familie.

Die Cassa Depositi e Prestiti (CDP) ist ein italienisches Kreditinstitut, das sich zu 82,77 % im Besitz des italienischen Ministeriums für Wirtschaft und Finanzen befindet. Zu dem von CDP geführten Bieterkonsortium gehören der US-amerikanische Investor Blackstone Infrastructure Advisors und die in New York ansässige Macquarie Infrastructure Corporation LLC.

Der spanische Baukonzern Grupo ACS mit Hauptsitz in Madrid ist einer der größten Bauunternehmen in Europa. Der langjährige Vorsitzende von ACS, Florentino Pérez Rodríguez, ist auch Präsident des Fußballklubs Real Madrid.

Ob es tatsächlich zu einem Bieterwettstreit kommt, oder ob ACS in das Bieterkonsortium um CDP einsteigen wird, bleibt abzuwarten. Ich werde Sie auf dem Laufenden halten.

Allianz Logo RED_shutterstock_1091102531_Birgit Reitz-Hofmann

Allianz-Bilanz erfreut AnlegerBeim Kunden knausern, beim Anleger ausschütten: Die Corona-Bilanz der Allianz kommt an der Börse gut an. › mehr lesen


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig den kostenlosen E-Mail-Newsletter "GeVestor täglich". Herausgeber: GeVestor Verlag | VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG. Sie können sich jederzeit wieder abmelden.

Hinweis zum Datenschutz