Big-Mac-Index: Index zum Preisvergleich für Währungsanalysen

Wenn Sie sich mit der Kaufkraft eines Landes beschäftigen, kommen Sie heute kaum noch um den Big-Mac-Index herum.

Dieser soll darstellen, wie viel eine Währung in einem Land wert ist.

Mit einer zuverlässigen Antwort könnten Sie dann schnell feststellen, wie viel eine Währung gegenüber der anderen wert ist und – etwa in Devisen spekulieren.

Wir untersuchen hier kurz, wie gut der Index tatsächlich für diese Aufgabe geeignet ist und was er Ihnen sonst noch verraten kann. Überzeugt Sie der Index, wäre Ihre einzige Hürde der permanente Vergleich von Mac-Preisen über die ganze Welt verstreut. Allerdings helfen Computer und Google…

Erfunden von einer Zeitung

Der Index selbst ist eine Erfindung von „The Economist“. Wahrscheinlich hat sie der Zeitung mehr genutzt als vielen Anwendern, die sich über die Leistungsfähigkeit des Indizes nicht im Klaren waren oder sind.

Der Warenkorb des Index ist eine Ware: der Big Mac von McDonalds. Die zugrunde liegende Theorie ist einfach. Je nachdem, was Sie für einen Fleischburger zahlen müssen, ist die Währung schwächer oder stärker als der Referenzwert US-Dollar.

Müssen Sie beispielsweise 3 Dollar in New York zahlen und kostet derselbe Big Mac in Frankfurt 4 Dollar (umgerechnet nach aktuellen Wechselkursen), ist die Kaufkraft des Euro geringer als die des Dollar. Die aktuellen Wechselkurse wären nicht marktgerecht.

Diese Überlegung können Sie für mehr als 140 Märkte anstellen, an denen McDonalds inzwischen Burger verkauft. Damit gibt es einen scheinbar objektiven Vergleichsmaßstab.

Voraussetzungen sind wichtig

Warum aber soll ausgerechnet der Big Mac der objektive Wertmaßstab sein und nicht etwa ein Kilo Brot oder ähnliches? Grundlage ist die Vergleichbarkeit der Produkte. McDonald gibt vor, welche Art von Brötchen genau verwendet werden und dass das Fleisch aus der nahen lokalen Produktion kommt.

Damit ist die Produktionsform theoretisch identisch, das Produkt bis auf regionale Besonderheiten ebenso. Trotzdem sind wir skeptisch:

  • Die staatliche Politik bezogen auf diese Produktsorte findet sich in den Überlegungen nicht. Beispiel Deutschland: Der Preis entspricht einer Mischkalkulation, weil die Mehrwertsteuer davon abhängt, ob sie den Mac im Restaurant oder außerhalb verzehren. Diese Mischkalkulation gibt es woanders nicht.
  • Die Nachfrage spielt überhaupt keine Rolle bei der Verwendung des Indizes. Mac’s sind in den USA seit Jahrzehnten stark nachgefragt und daher – theoretisch – teurer, weil das Unternehmen höhere Preise als in noch zu erobernden Märkten festlegen kann.
  • Die Konzessionen in einzelnen Ländern werden unterschiedlich viel kosten. Wo die Politik noch Preise für einzelne Märkte wie Immobilien bestimmen kann, ist die Vergleichbarkeit mit sonstigen Preisen nicht herstellbar.
  • Schließlich hängt die Höhe der Preise genau dieser Produkte auch daran, ob nebenher Burger King und andere Konkurrenten den Markt bearbeiten oder ob McDonald ein Quasi-Monopol innehat.

GeVestor meint: der Index ist allenfalls eine schöne Spielerei. Wer norwegische und US-Preise vergleicht, sieht dies überdeutlich. Demnach wäre die norwegische Krone noch heute viel zu teuer. Devisenmärkte denken genau umgekehrt.

Daher: wer Devisen als Geldanlage sucht, braucht für Währungsanalysen andere Informationsquellen. Unsere Redaktionen helfen gerne.

Mehr zum Thema: Was ist der Big Mac Index?

24. November 2011

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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