Bilanz 1. Quartal 2016: Die Banken lagen wieder mal gründlich daneben

Geht es Ihnen auch so? Die Zeit scheint wie im Fluge zu vergehen.

Gerade haben wir noch gefühlt Neujahr gefeiert und schon liegt wieder ein Viertel des Jahres hinter uns. Das ist aber auch ein guter Zeitpunkt, um eine erste Bilanz für 2016 zu ziehen.

Bislang brachte uns Aktien-Anlegern das neue Jahr wenig Erbauliches:

Der DAX beendete 2015 mit einem Stand von 10.743 Punkten. Zum 31. März notierte er bei 9.965 Zählern und damit -7,2% niedriger.

Etwas besser entwickelte sich die Wall Street: Der S&P 500 stieg sogar von 2.043 auf 2.059 Punkte, was einem Zuwachs von +0,8% entspräche. Allerdings kletterte der Euro gegenüber dem US-Dollar von 1,0860 auf 1,1382.

Ein starker Euro schmälert indes Ihre Gewinne, da die Gemeinschaftswährung Ihre Investment-Basis darstellt. Somit errechnet sich auch für die Wall Street eine Negativ-Bilanz für die ersten 3 Monate von -3,8%.

Wir sollten aber auch die Jahrestiefs von 8.699 im DAX 30 und 1.810 im S&P 500 an dieser Stelle nennen.

Banken Prognosen: Beliebt, aber selten treffsicher

Das ZEW, Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung, befragt seit dem Jahr 2001 quartalsweise 21 Banken nach ihren Prognosen zu den „6 wichtigsten Finanzmarktgrößen in Europa“.

Dazu gehören die kurz- und langfristigen Zinsen im Euroraum, der Dow Jones Stoxx 50-Index, der Deutsche Aktienindex DAX 30, der Euro / US-Dollar sowie der Ölpreis der Sorte Brent in USD. Die Prognosen beziehen sich jeweils auf einen Zeitraum von 3 und 6 Monaten.

Banken genießen als Prognostiker auf dem Feld der Börse allgemein große Beachtung. Schließlich bewegen sich die Herren Banker tagein, tagaus in „ihrem“ Metier und sollten die Börsen aus dem „Eff-Eff“ kennen: Viele Banken betreiben beispielsweise Eigenhandel und / oder verwalten die Vermögen ihrer Kunden.

Die Banken-Prognosen für die erste 3 Monate 2016

Wir wollen nun einmal schauen, wie sich die Banken denn mit ihren Vorhersagen im 1. Quartal 2016 geschlagen haben:

An der am 22. Dezember 2015 durchgeführten Umfrage beteiligten sich diesmal 19 Kreditinstitute. Der Fairness halber seien hier die Schlusskurse von DAX 30 und Euro / USD zu diesem Stichtag genannt: 10.489 und 1,0952.

17 Banken gaben Ihre Einschätzungen zur DAX 30-Entwicklung ab: Im Durchschnitt erwarteten die Experten für den 31. März 2016 einen Stand im Leitindex von 11.450 Zählern, mithin also ein Plus von +9,2%.

Die höchste Einschätzung lag bei 11.900 Punkten was einem Quartals-Zuwachs von +13,4% entsprochen hätte. Keine der befragten Banken rechnete übrigens mit einem DAX unter 11.000 Punkten (+4,9%).

Ähnlich die Prognosen beim Euro / USD: 19 Banken erwarteten im Schnitt einen Rückgang auf 1,06. Die beste Schätzung lag mit 1,12 Euro / USD immerhin knapp daneben, die schlechteste Vorhersage gab 1,03 an.

Vernichtende Bilanz

Bei einem DAX von 9.965 ergibt sich mithin eine Differenz zur Banken-Konsens-Schätzung von satten -1.485 Punkten. Statt des erwarteten Plus von +9,2% setzte es vielmehr ein Minus von -5,0%. Das ist eine Abweichung um 14,2 Prozentpunkte!

Bei einem Euro / USD von 1,1382 errechnet sich eine Differenz zur mittleren Erwartung von 0,043 Punkten. Statt der prognostizierten Euro-Schwäche von -3,2% gab es vielmehr eine Euro-Stärke (bzw. US-Dollar-Schwäche) von +7,4%. Das ist eine Abweichung um 10,6 Prozentpunkte!

Fazit

Die Grafik fasst die Banken-Vorhersagen für das 1. Quartal 2016 und die tatsächliche Entwicklung im DAX 30 noch einmal anschaulich zusammen:

dax 30 und banken-prognosen q1-2016-04-04-2016

Banken-Prognosen und die Realität klaffen wieder einmal auseinander

Die Vierteljahres-Bilanz sieht für die Banken also ziemlich schlecht aus. Übrigens lagen die Herren im Nadelstreifenanzug auch vor Jahresfrist übel daneben – damals allerdings mit exakt umgekehrten Vorzeichen.

Dabei können sich die Banker noch freuen, dass sich die Aktienmärkte von ihren Mitte Februar erreichten Jahrestiefs schon wieder kräftig erholt haben. Sonst sähe die Bilanz noch dramatischer aus.

4. April 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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