Billig mit Charme

Wenn große Unternehmen vorgeben, ihre Kultur ändern zu wollen, werden viele Beobachter hellhörig. Oftmals finden diese Veränderungen nur an der Oberfläche statt und wirken irgendwie erzwungen. Aus einem Discounter wird eben nicht über Nacht ein Feinkost-Geschäft.

Dennoch wirken die Paradigmenwechsel in der Wirtschaft schon lange nicht mehr so unbeholfen wie noch vor einigen Jahren. Manager wissen inzwischen, welchen Wandel sie einer Marke zumuten können und welche Veränderungen nicht. Genau diesen Eindruck hat man als Kunde von Ryanair.

Mehr Kundenfreundlichkeit bei Ryanair

Zwar gibt es dort noch immer Gebühren für den Check-In am Flughafen, im Flieger fehlen Gepäcknetze (damit die Crew danach wenig reinigen muss und möglichst schnell wieder in der Luft ist) und auch die Verkaufsveranstaltung über den Wolken ist gleich geblieben.

Dennoch hat Ryanair versprochen, kundenfreundlicher zu werden. Dies ist inzwischen gelungen. Abfertigungspersonal, das per Stichprobe das kostenlose Handgepäck nachwiegt, ist inzwischen selten geworden.

Auch kann man sich inzwischen einen Boarding Pass zumindest dann kostenlos ausdrucken lassen, wenn man den Check In bereits erledigt hat und dies mit einem Boarding Pass in Dateiform nachweisen kann. Kleine aber feiner Änderungen für die Kunden. Doch was bringt das Aktionären?

Ziel: Immer mehr Flughäfen

Die irische Ryanair ist Europas größte Billigfluglinie mit täglich über 1.600 Flügen durch 30 Länder. Die Gesellschaft verfügt über eine Flotte von 300 Boeing-Maschinen des Typs 737. Im vergangenen Jahr sind rund 82 Mio Passagiere befördert worden. Ryanair hat seinen profitablen Wachstumskurs fortgesetzt.

In den ersten 9 Monaten sind der Umsatz um 10,7% und der Gewinn um rund die Hälfte gestiegen. Der Auslastungsfaktor lag bei 88%. Die Jahresprognose wurde zum vierten Mal angehoben. Ryanair erwartet jetzt einen Gewinn von 840 bis 850 Mio €. Die Zahl der beförderten Passagiere soll auf 90 Mio wachsen.

Die Airline steht unter erheblichem Wachstumsdruck, denn sie hat 280 Boeing-Maschinen bestellt, die die Flotte bis 2024 kontinuierlich auf 520 Flugzeuge vergrößern. Diese Flugzeuge müssen gefüllt werden. Umsatz- und Ertragstreiber Nummer 1 sind Geschäftsreisende.

Deren Zahl soll mittelfristig von aktuell 25 Mio auf 36 Mio steigen, denn sie geben im Schnitt 40 € mehr für ein Ticket aus als Privatreisende. Um dieses Ziel zu erreichen, setzt Ryanair immer mehr auf Flughäfen in Großstädten.

Demnächst werden auch Stuttgart und München angeflogen. 20 bis 25 deutsche Städte hat Ryanair im Visier. Bisher ist die Airline nur in 13 Städten präsent. Der Marktanteil in Deutschland soll in den kommenden 4 Jahren von 4 auf 20% wachsen.

Ryanair will expandieren

Aber auch in anderen europäischen Ländern will Ryanair expandieren. Zudem wollen die Iren im Rahmen von Kooperationsverträgen die Zubringerflüge für etablierte Gesellschaften übernehmen.

Denn für Lufthansa, British Airways und Air France ist der Zubringerverkehr ein Verlustgeschäft. Ryanair selbst sollte von Langstreckenflügen Abstand nehmen. Für einen Neuling ist das Geschäft riskant. Hohe Erträge sind nur dann möglich, wenn Geschäftsreisende auch zu Stammkunden werden.

21. April 2015

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Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.

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