Billige Aktien können sehr teure Fehlinvestments werden

Billige Aktien locken viele Anleger, doch auch bei vermeintlichen Schnäppchen sollte man immer genau prüfen. (Foto: optimarc / Shutterstock.com)

Billige Aktien: hier ist Vorsicht geboten

An Tagen mit starken Kursrückschlägen lockt natürlich der Einstieg in die Aktienmärkte. Aber Vorsicht: Nicht jede billige Aktie ist auch günstig bewertet. So wurden zum Beispiel die Aktionäre der Rohwedder AG auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt.

Vor dem Amtsgericht in Konstanz wurde das Insolvenzverfahren eröffnet und eine Fortführung der AG ist nicht vorgesehen. Die Aktien werden voraussichtlich wertlos aus den Depots ausgebucht.

Anleger, die noch auf ein Comeback der Aktie gesetzt haben und  bei optisch günstigen Kursen von 0,10 bis 0,20 Euro zugegriffen haben, werden ihr Geld aus heutiger Sicht vollständig verlieren.

Immer wieder spekulieren „Zocker“ auf eine Rettung von insolventen Unternehmen, da die Aktienkurse dieser angeschlagenen AGs weit unter dem Durchschnittskurs notieren.

Frei nach dem Motto: „Wenn ich nur ein paar Cent je Aktie investiere, kann nicht mehr viel passieren. Eine Aktie, die kürzlich noch 20 Euro gekostet hat, kann nicht wertlos sein.“

Nicht der Preis der einzelnen Aktie ist entscheidend, sondern die angelegte Summe

Entscheidend ist immer der absolute Betrag, der investiert wird. 100% Verlust haben Sie unabhängig davon, ob eine Aktie zu 10 Euro oder 10 Cent erworben wurde, wenn die Aktie am Ende wertlos ist. Es ist egal, ob 100 Aktien zu 10 Euro oder 10.000 Aktien zu 10 Cent gekauft wurden – wenn der Kurs auf 0 Euro fällt, sind jeweils 1.000 Euro für immer verloren.

Lassen Sie sich daher nicht von einer augenscheinlich niedrigen Bewertung täuschen – dafür gibt es fast immer gute Gründe. Genauso naiv ist es, eine Kaufentscheidung ausschließlich auf Basis historisch niedriger Kurse zu fällen. Nur wenn es fundamentale Gründe gibt, die ein Erreichen von höheren Kursen rechtfertigen, sollten Sie einsteigen.

Bei Rohwedder ist das nicht der Fall. Trotzdem sind immer noch einige Käufer im Markt. Auch heute wurden wieder über 100.000 Rohwedder-Aktien gehandelt. Die Verkäufer kann ich gut verstehen: Das ist der einzige Weg, wenigstens ein paar Euro zu retten. Aber wer kauf diese billigen Aktien?

Ein Zocker hat heute in Frankfurt 20.000 Aktien zu je 0,07 Euro gekauft. Die eingesetzten 1.400 Euro dürften schon in wenigen Tagen verbrannt sein. Dann kann ich auch für 1.400 Euro Lotto-Lose kaufen. Ein etwas hoher Einsatz…

Bekanntes Beispiel GM

Erstaunlich große Handelsaktivität war in letzter Zeit auch bei Motors Liquidation, der Abwicklungsgesellschaft von General Motors (GM), festzustellen.

Gut informierte Anleger können nicht daran glauben, dass es da noch etwas zu holen gibt. Selbst auf  der firmeneigenen Homepage wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass der Wert der Aktie nach Abwicklung des Insolvenzprozesses voraussichtlich 0 sein wird, da die Schulden das Vermögen um ein Vielfaches übersteigen.

Auf der Internetseite steht ganz deutlich:„Management continues to remind investors of its strong belief that there will be no value for the common stockholders in the bankruptcy liquidation process, even under the most optimistic of scenarios.“

(Frei übersetzt: Das Management erinnert weiterhin die Investoren daran, dass selbst unter den optimistischsten Szenarien kein Restwert für die Aktienbesitzer bleiben wird.)

Die Käufer: Leerverkäufer, Daytrader und Glücksritter

Es bleibt die Frage: “Wer ist so fahrlässig und verschenkt sein Geld?“ Eine mögliche Erklärung sind Leerverkäufer. Die haben „zu Lebzeiten“  geliehene Aktien von GM verkauft  und müssen nun zurückkaufen. Eine andere Gruppe sind Daytrader (Tageshändler).

Daytrader hoffen auf Kursgewinne binnen eines Tages. Es geht nicht um den Wert des Unternehmens, sondern nur um die Frage, ob es einen anderen Spekulanten gibt, der einen höheren Preis bietet.

Dann gibt es noch die Glücksritter und die Uninformierten. Die Glücksritter hoffen, dass in irgendeiner maroden Halle in Detroit eventuell eine Anlage aus purem Gold steht. Die Uninformierten haben die Pleite von GM immer noch nicht mitbekommen oder nicht realisiert, dass der neue GM-Konzern mit der alten GM-Aktie nichts zu tun hat. So glauben Sie in diesen billigen Aktien eine Goldgrube zu finden.

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Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.