Billionen-Skandal der Bank of America – und die Medien schweigen

An Milliarden Euro und Dollar haben wir uns (leider) gewöhnt. Jetzt geht es um Billionen. Börsenexperte Heißmann kommentiert. (Foto: everything possible / Shutterstock.com)

75 Billionen USD Risken hat die Bank of America den US-amerikanischen Bürgern aufs Auge gedrückt. Dazu unten mehr.

Nachdem das die Nachrichtenagentur Bloomberg gemeldet hatte, war ich von einem Aufschrei der internationalen Presse überzeugt. Es geschah – nichts.

75 Billionen USD sind richtig

Oft werden die US-amerikanischen Billions falsch mit Billionen ins Deutsche übersetzt. US-amerikanische Billions sind übersetzt aber Milliarden. Deshalb, und um es von Anfang an klarzustellen: Das ist hier nicht der Fall.

Es sind (leider) Billionen, um die es hier geht. Genau gesagt 75 Billionen USD. In den Berichten bei Bloomberg ist von „Trillions“ (deutsch = Billionen) die Rede und nicht von Billions (deutsch = Milliarden).

Hier der kopierte Original-Text von Bloomberg (Fettung von mir): „Bank of America’s holding company … held almost 75 USD trillion of derivatives at the end of June, according to  data compiled by the OCC.“

Und auch die Berichte des OCC (Office of the Controller of the Currency) schreiben von Trillions (nicht von Billions).

Bank of America drückt US-Bürgern für 75 Billionen USD Risiken aufs Auge

Die US-Großbanken werden immer dreister. In dem eingangs erwähnten Bericht von Bloomberg geht es um diesen Vorgang, ein Skandal, wie ich meine:

Die Bank of America (BAC) hat Risiken von 75 Millionen USD aus Derivaten in eine Gesellschaft „umgebucht“, deren Risiken von dem US-amerikanischen Einlagensicherungsfonds abgesichert werden. Für diesen US-amerikanischen Einlagensicherungsfonds haftet aber in letzter Konsequenz der US-Bürger.

Unredliche Geschäfte der Bank of America?

In amerikanischen Internetforen wird diskutiert, ob diese „Umbuchung“ rechtlich einwandfrei ist. Hintergrund: Angeblich geschah dieser Transfer ohne Genehmigung und ohne die vorgeschriebene öffentliche Anhörung. Unabhängig davon: Die Dimension ist unvorstellbar und sprengt im Falle eines Falles alle Sicherungssysteme.

75 Billionen USD – die explosive Dimension

75 Billionen USD sind umgerechnet etwa 54 Billionen Euro.

Der Haushaltsentwurf für Deutschland für das Jahr 2012 sieht Ausgaben von 306 Milliarden Euro vor (0,306 Billionen).

Der US-Haushaltsentwurf für 2012 beläuft sich auf knapp 4 Billionen USD.

Die „US-Schuldenuhr“ (US National Debt) steht derzeit bei knapp 15 Billionen USD.

Diese wenigen Zahlen zeigen. Es ist ein explosives Gemisch, das die Bank of America dem US-Bürger da untergejubelt hat.

Die Billionen explodieren – und die Medien schweigen

Zufall oder nicht: Auf jeden Fall findet dieser unerhörte Vorgang der Bank of America nicht den Weg in die großen Medien. Woher kommt das Schweigen der Medien? (Bloomberg hat berichtet, nicht schlagzeilenträchtig, das war’s.)

Ich habe im kompletten deutschen „Blätterwald“ und in den elektronischen Medien kaum etwas zu diesem Thema gefunden.

Spielen US-Rating-Agenturen mit?

Sicher ist: US-Regierung, US-Notenbank, US-Banken und US-Rating-Agenturen sind eng miteinander verzahnt. Da tut der eine nichts, von dem der andere nichts weiß. Ich frage:

Ist es Zufall, dass in derselben Zeit, in der die Bank of America diesen „Transfer“ vollzog, die US-Rating-Agenturen serienweise europäische Staaten und Banken herabstuften? Oder war das ein gezieltes Ablenkungsmanöver, damit die Medien nur darüber berichteten?

Spielt Präsident Obama mit?

Und: War es Zufall, dass ausgerechnet im selben Zeitraum sogar US-Präsident Obama medienwirksam die europäische Schuldenpolitik kritisierte? Dies war Thema der Medien. Der Skandal der Bank of America nicht.

Es ist bekannt, dass Regierungen Kriege anzetteln, um damit von innenpolitischen Problemen abgelenkt wird. Von innenpolitischen Problemen wird auch hier abgelenkt. Meine Frage ist also nicht von allzu weit hergeholt.

Vielleicht findet dieser Skandal von hier den Weg in die Massenmedien? Es wäre wünschenswert.

Zum guten Schluss: Am 25.10.1757, also heute vor 254 Jahren, kam der preußische Staatsmann, Reform-Politiker und Minister der Finanzen, Heinrich vom Stein, zur Welt. Er sagte:

„Hüte dich vor dem Entschluss, zu dem du nicht lächeln kannst.“

Na, da haben es die Minister der Euro-Finanzen es derzeit wohl schwer. Es ist wohl mehr ein gequältes Grinsen, das der eine oder andere in die Kameras fabriziert. Ich wünsche den Gremien die Kraft, Entschlüsse zu treffen, bei denen sie und WIR lächeln können

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Von: Rainer Heißmann. Über den Autor

Rainer Heißmann ist Autor für Wirtschafts- und Börsenfachpublikationen und Chefredakteur vom "Optionen-Profi". Außerdem ist er Autor des Buchs "Reich mit Optionen". Seine größte Stärke: Komplexe Sachverhalte so zu erklären, dass sie auch dem Nicht-Fachmann verständlich und nachvollziehbar werden.

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