Biogen: Rückschlag in der Alzheimerforschung sorgt für massives Kursdebakel

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Biotechnologie-Ikone schraubt auf Grund schwacher Forschungsdaten Alzheimer-Forschung zurück. Die Investoren ziehen die Reißleine und sorgen für heftiges Kursdebakel. (Foto: Casimiro PT / shutterstock.com)

Biotechnologie-Aktien sind für ihre hohe Schwankungsbreite bekannt. Oft entscheiden Forschungsergebnissen zu einzelnen Medikamenten in der Produktpipeline über Wohl und Wehe der Anleger. Das mussten die Investoren des US-amerikanischen Biotech-Riesen Biogen gerade leidlich feststellen.

Nach schwachen Zwischenergebnissen stellt der Konzern die Entwicklung seines Hoffnungsträgers, einem Präparat zur Alzheimerbekämpfung, komplett ein. Auf dem Medikament lastete ein Großteil der Hoffnungen der Anleger. Einige Experten erwarteten, dass der Hoffnungsträger bis 2025 rund die Hälfte der Umsätze von Biogen stemmen könnte.

Nach der negativen Meldung reagierten die Anleger panisch und ließen die Aktie fallen wie die sprichwörtlich heiße Kartoffel. Alleine am Donnerstag lösten sich 20 Milliarden Dollar Börsenwert einfach in Luft auf. Das Tagesminus von beinahe 30% war der größte Rückgang an einem Tag seit 14 Jahren. Auch am Freitag folgte keine Gegenreaktion – in einem schwachen Marktumfeld sackten die Papier nochmals um 4,48% in den Keller.

Rückschlag sorgt für historischen Kursverlust

Solche Kursverluste sind eigentlich eher typisch für kleinere Biotechnologieunternehmen, die wenige Medikamente in der Pipeline haben und meistens noch kein Produkt auf den Markt haben. Dieses Mal trifft es mit Biogen aber eines der ältesten (1978 gegründet) und etabliertesten Biotechnologiefirmen der Welt. Im zurückliegenden Geschäftsjahr fuhr der Konzern noch bei einem Umsatz von 13,45 Milliarden Dollar einen Gewinn in Höhe von 4,43 Milliarden Dollar ein. Damit erreichte Biogen eine beeindruckende Gewinnspanne von 32,93%.

Biogen braucht neue Kassenschlager

Warum reagieren die Anleger also derart massiv auf die Forschungsergebnisse und den Entwicklungsstopp? Ganz einfach: Biogen ist dringend auf neue Kassenschlager angewiesen. Die erfolgreichen Präparate gegen multiple Sklerose verlieren schon bald ihren Patentschutz. Andere erfolgreiche Mittel sind gegen seltene Krankheiten im Einsatz und weisen so daher nur einen begrenztes Umsatzpotenzial auf.

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Mit dem Antikörper Aducanumab gegen die Nervenkrankheit Alzheimer, den Biogen mit dem japanischen Partner Eisai entwickelte, sollte neues Wachstum generiert werden. Aducanumab befand sich bereits in der Phase III der Entwicklung, war also weit fortgeschritten und galt als bisher größte Hoffnung der Branche.

Gewünschte Wirkung wird nicht erzielt

Doch jetzt ist unabhängiges Kontrollgremium zu dem Schluss gekommen, dass der Antikörper nicht die erwünschte Wirkung zeigt. Das ist absolut enttäuschend, denn die Marktchancen gelten als gigantisch. Experten gehen davon aus, dass bereits in wenigen Jahren die Zahl der Alzheimer Patienten die 100 Millionen Marke überschreiten wird.

Entsprechend optimistisch waren auch die Analysten, die sich mit der Biogen-Aktie beschäftigen. In den Studien der Experten machte das Alzheimer Medikament im Jahr 2025 bereits die Hälfte der kompletten Biogen-Erlöse aus.

Alzheimer Forschung geprägt von Rückschlägen

Damit zeigt sich einmal mehr, wie komplex die Erforschung von wirkungsvollen Alzheimer-Medikamenten ist. Bereits weit über 100 Alzheimer-Anwendungen sind gescheitert. Zuletzt meldeten auch Branchengrößten wie AstraZeneca, Johnson & Johnson, Merck & Co und Eli Lilly Rückschläge auf dem attraktiven wie schwierigen Alzheimer-Markt. Mit Pfizer meldete sogar ein Schwergewicht den kompletten Stopp der Entwicklung von Alzheimer-Medikamenten. Der US-Konzern Biogen hält hingegen an seinen Forschungsaktivitäten auf diesem Gebiet vorerst fest.

Fazit: Die Schwankungsintensität der Aktie dürfte weiter hoch bleiben. Anleger, die nach dem Kurssturz auf vermeintliche Schnäppchenjagd gehen, sollten sich des Risikos bewusst sein. Biogen braucht dringend neue Medikamente, um das nachlassende Wachstum bei den bestehenden Wirkstoffen auszugleichen. Mit Ausnahme von Spinraza ist die Nachfrage nach der gesamten Produktlinie von Biogen für Multiple Sklerose (MS) in den USA rückläufig. Denkbar ist, dass sich der US-Konzern versucht, sich mit Übernahmen zu stärken, um Präparate in einem fortgeschrittenen Entwicklungsstadium einzukaufen.


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Rene König
Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.

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