Biotech-Aktien: Getrübte Stimmung nach gutem Jahresauftakt

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Aus Sorgen über Einschränkungen von Aufsichtsbehörden bei Fusionen & Übernahmen trübt sich die Stimmung bei den Biotech-Aktien. (Foto: l i g h t p o e t / Shutterstock.com)

Während die Aktienmärkte im 2. Quartal 2019 neue Höchststände erreichten, trübte sich die Stimmung bei Biotech-Aktien ein. Der Branchenindex Nasdaq Biotech gab nach einem starken Jahresauftakt leicht nach. Auf Halbjahressicht belief sich das Plus beim Branchenindex immerhin noch auf 13%.

Die Gründe für die getrübte Stimmung waren Sorgen über die Einschränkung von Fusionen & Übernahmen (M&A) durch die US-Regierung sowie die anhaltenden Bedenken hinsichtlich der Preisgestaltung von Medikamenten in den USA. Nachdem wir die Preisgestaltung bereits in unseren letzten Branchenberichten kommentiert haben, wollen wir an dieser Stelle die Sorgen bezüglich M&A näher beleuchten.

Restriktionen werden die Konsolidierung nicht aufhalten

Der US-Wettbewerbsbehörde FTC sind rein finanziell motivierte Zusammenschlüsse ein Dorn im Auge. Daher soll verhindert werden, dass die M&A-Aktivitäten zu einer marktbeherrschenden Stellung in einem Produktbereich führen.

Ein prominentes Beispiel ist die bevorstehende Übernahme von Celgene durch Bristol-Meyers Squibb. Die FTC sieht durch die Übernahme eine marktbeherrschende Stellung bei Schuppenflechte- Mitteln. Bristol-Meyers Squibb zeigte sich gesprächsbereit und will Celgenes Schuppenflechtemittel Otezla verkaufen. Ungeachtet dessen sehe ich weiterhin genügend Gründe für eine anhaltende Konsolidierung der Branche.

Angesichts des hohen Drucks von Patentabläufen sind viele Unternehmen bestrebt, die Abhängigkeit von einzelnen Medikamenten sowie Forschungsrichtungen zu reduzieren und ihre Forschungs- und Produkt-Pipelines auf eine diversifiziertere Basis zu stellen. Zudem erwirtschaften die Unternehmen hohe Zahlungsmittelüberschüsse, die nicht zur Aufrechterhaltung des Betriebes benötigt werden. Neben Dividenden und Aktienrückkäufen bieten sich Übernahmen aufgrund der branchenweit niedrigen Aktienbewertungen geradezu an.

BB Biotech mit positivem Ausblick

Auch BB Biotech sieht hinter einigen Zusammenschlüssen eher finanzielle Gründe, weist aber zugleich darauf hin, dass der Markt eine weitere Zunahme der M&A-Aktivitäten verzeichnet, was den Sorgen der Marktteilnehmer klar widerspricht. BB Biotech geht davon aus, dass Biotechfirmen auch in Zukunft für den Großteil der Innovationen in der Biopharmabranche verantwortlich sein werden. Die historisch hohe Anzahl an Zulassungsanträgen bei den Gesundheitsbehörden belegt die Innovationskraft der Branche. Im weiteren Jahresverlauf werden branchenweit eine Reihe weiterer Forschungsdaten und Neuzulassungen erwartet.

Im Portfolio von BB Biotech stehen unter anderem wegweisende Forschungsergebnisse von Sage Therapeutics zum Wirkstoff Zuranolone gegen Depressionen sowie von Agios zum Wirkstoff Tibsovo gegen Gallentumor an. Zudem erwartet das Unternehmen Neuzulassungen bei Nektar Therapeutics sowie Vertex.

Biogen mit Rückschlag in der Forschung

Biogen Idec hat die Forschungsarbeiten zu dem Wirkstoff Aducanumab gegen Alzheimer aufgrund fehlender Erfolgsaussichten eingestellt. Durch den folgenden Kursrutsch hat sich die Marktkapitalisierung um nahezu ein Drittel reduziert. Wenngleich die Nachricht ein Rückschlag ist, erscheint der Wertverlust in dieser Höhe übertrieben.

Biogen hatte zu Beginn des Jahres 14 Forschungsprogramme am Start. Davon entfielen 6 auf den Bereich Alzheimer. Offenbar haben die Marktteilnehmer die Erfolgsaussichten aller Alzheimer-Programme neu bewertet. Zwei der Forschungsprogramme befinden sich jedoch noch in einem frühen sowie zwei in einem mittleren Forschungsstadium.

Zudem wurde die Forschungs- Pipeline jüngst durch die Übernahme von Nightstar Therapeutics verstärkt. Nightstar ist ein gentherapeutisch forschendes Unternehmen der Augenheilkunde, das aktuell zwei Forschungspräparate zur Behandlung von vererbten Netzhautkrankheiten testet. Die Präparate befinden sich im mittleren bis fortgeschrittenen Forschungsstadium.

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Volker Gelfarth
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und High Performance Depot.

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