Biotech-Aktien: Gilead Sciences Top, Qiagen Flop

Während Gilead Sciences selbst die hohen Erwartungen im vergangenen Geschäftsjahr erfüllen konnte, enttäuscht Qiagen auf ganzer Linie. (Foto: Casimiro PT / shutterstock.com)

Gilead Sciences erzielte im Jahr 2015 ein Ergebnis im Rahmen der hohen Erwartungen.

Der Umsatz stieg um 31,1% auf 32,6 Mrd $. Als Marktführer im Biotechnologie-Sektor konnte sich Gilead erneut von den Konkurrenten absetzen. Der Nettogewinn stieg um 49,6% auf 18,1 Mrd $. Damit erzielte Gilead eine beeindruckende Umsatzrendite von 55,5%.

Die Geschäfte von Gilead Sciences laufen hervorragend

Bei der Behandlung von Hepatitis C ist Gilead mit einem Medikament der nächsten Generation erfolgreich. Der Umsatz des bisherigen Top-Sellers Sovaldi ging deutlich zugunsten des neuen Medikaments Harvoni zurück, das jetzt das meistverkaufte Präparat von Gilead ist und einen Umsatz von 13,9 Mrd $ beisteuert. Damit ist es Gilead gelungen, ein neues Medikament und damit auch einen neuen Patentschutz in diesem für das Unternehmen wichtigen Bereich zu etablieren.

Gilead etabliert sich als größtes Unternehmen der noch relativ jungen Biotech-Branche immer mehr. Als einer von wenigen Marktteilnehmern zahlte Gilead im vergangenen Jahr erstmals eine Dividende. Diese soll 2016 weiter angehoben werden. Zudem wurde das laufende Aktienrückkaufprogramm im Umfang von 15 Mrd $ um weitere 12 Mrd $ aufgestockt. Der Gewinn muss in Zukunft daher auf immer weniger Aktien verteilt werden.

Gilead ist weiterhin in der Erforschung neuer Wirkstoffe aktiv, erwartet in den kommenden Jahren aber keine nennenswerten Umsatzsteigerungen. Die Umsatzrendite verbleibt im Bereich zwischen 45 und 55%.

Unternehmensporträt

Gilead Sciences entwickelt Therapeutika gegen Krebs und Infektionskrankheiten wie Grippe, Hepatitis und HIV. Im Bereich HIV ist Gilead Marktführer. Gilead verfügt zurzeit über mehrere marktreife Produkte: Harvoni, Sovaldi, Atripla, Tamiflu, Vistide, Stribild, Hepsera, Atripla, Truvada und Emtriva. Die Produkte werden weltweit vermarktet. Roche, Pharmacia und Bristol-Myers Squibb sind strategische Partner.

Qiagen hat 2015 auf ganzer Linie enttäuscht

Trotz einer Prognosesenkung wurde nur das untere Ende der Spanne erreicht. Der Umsatz ging um 6,2% auf 1,3 Mrd $ zurück. In einem Wachstumsmarkt ist ein rückläufiger Umsatz ein Warnsignal. Der Gewinn stieg zwar um 8,6% auf 127 Mio $, allerdings war die Steigerung den niedrigen Vorjahreswerten geschuldet. Gegenüber Konkurrenten wie dem Marktführer Gilead ist die Umsatzrendite viel zu niedrig.

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Im Bereich der molekularen Diagnostik erwirtschaftete Qiagen 627 Mio $ und damit knapp die Hälfte des Jahresumsatzes. Allerdings führten Verzögerungen bei wichtigen Projekten mit großen Pharmaunternehmen zu einer Stagnation in diesem Bereich. Zudem belastete der starke Dollar.

Der enttäuschende Jahresabschluss soll 2016 durch neue Investitionen wieder wettgemacht werden. Qiagen hat 2015 ein Lesegerät zur Gensequenzierung auf den Markt gebracht. Damit ist es erstmals auch in kleineren Krankenhäusern möglich, dass Genmutationen, wie sie beispielsweise bei Krebspatienten auftreten, analysiert werden.

Bisher mussten die Proben in spezialisierte Labors geschickt werden. Die Vermarktung läuft an, doch nennenswerte Umsatzbeiträge sind erst ab 2017 zu erwarten. Zudem möchte sich Qiagen regional breiter aufstellen und eröffnet deshalb neue Büros im Nahen Osten, in Südostasien und in Lateinamerika.

Die Zukunftsprojekte werden allerdings allesamt für 2016 noch keine Wirkung entfalten.

Unternehmensporträt

Die juristisch in den Niederlanden, wirtschaftlich im rheinischen Hilden ansässige Qiagen ist ein weltweit führender Anbieter von Technologien, Produkten und Dienstleistungen zur Trennung und Aufbereitung von Nukleinsäuren. Zu den Kunden gehören bedeutende Hochschuleinrichtungen und staatliche Labors wie das US-amerikanische National Institute of Health (NIH) und die weltweit bedeutendsten Pharma- und Biotechnologiefirmen.

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Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.

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