Biotech-Übernahme-Welle: Bei Clovis und Tesaro wohl kein baldiger Deal

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Die Aktien von Clovis und Tesaro wurden von Übernahme-Gerüchten nach oben getrieben. Bei beiden ist aber kein zeitnaher Deal zu erwarten. (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Anfang Juni schrieb ich Ihnen von dem Übernahme-Kandidaten Tesaro und warum ich denke, dass eine Übernahme-Spekulation auf dem damaligen Kursniveau von 150 Dollar noch zu früh ist.

Tesaro-Gerüchte dieselben wie vor 2 Monaten

Ich schrieb Ihnen, dass die Gerüchte eines Tesaro-Verkaufs-Prozesses durchaus stimmen könnten.

Doch das bedeutet nicht, dass man deswegen blind einsteigen sollte. Verschiedene Gründe machten das Chance-Risiko-Verhältnis schlecht.

Inzwischen sind 2 Monate vergangenen – und die Übernahme-Gerüchte kursieren weiter:

Mitte Juni hieß es, dass Sanofi und mindestens ein anderes Unternehmen Übernahme-Interesse haben.

Wie bei so vielen anderen potenziellen Zielen in der Biotech-Branche, wurde spekuliert, dass es sich um Gilead Sciences handelt.

1 Tag später hieß es dann, dass Roche Tesaro übernehmen wolle.

Clovis Forschungs-Erfolg könnte Übernahme-Appetit gedämpft haben

Dass Tesaro noch nicht übernommen wurde, könnte daran liegen, dass der direkte Konkurrent Clovis mit seinem Medikament Rubraca zur Behandlung von Eierstockkrebs starke Forschungsdaten vorlegen konnte.

Diese zeigten, dass Tesaros Medikament Zejula nicht unersetzbar ist.

Die Daten waren zwar nicht so stark, dass man annehmen müsste, dass das bereits zugelassene Zejula wieder in der Versenkung verschwindet.

Doch sie zeigten, dass es vergleichbare Medikamente gibt und das Umsatz-Potenzial von Zejula mit Blick auf Krebs-Unterarten wahrscheinlich kleiner ist als zunächst angenommen.

Clovis-Übernahme-Chance nach abgeflachten Spekulationen nicht abschreiben

Die starken Forschungs-Ergebnisse schickten Clovis-Papiere in die Höhe: Kostete die Aktie noch im Mai 46 Dollar, mussten Sie Mitte Juli in der Spitze 99 Dollar bezahlen.

Aufgrund des hohen Bewertungs-Abschlags gegenüber Tesaro und mit einem vergleichbaren Medikament in der Pipeline,  hieß es vor dem Höhenflug, dass Clovis übernommen werden könnte.

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Wegen einer Forschungs-Kooperation mit der als Käufer gehandelten Firma Bristol-Meyers Squibb sind die Spekulationen inzwischen jedoch abgekühlt und die Aktie fiel auf 80 Dollar zurück.

Die Übernahme-Chance ist aus meiner Sicht zwar dadurch nicht kleiner geworden, doch ist in 2017 nicht mehr mit einem Deal zu rechnen.

Es lohnt sich aber, Clovis auf dem Radar zu haben. Wenn die Kooperation mit Bristol-Meyers ein Erfolg wird, wäre eine Übernahme das natürliche Ende der Kooperation.

Tesaro vielleicht auch ohne Übernahme-Story eine Investition wert

Nach wie vor skeptisch bezüglich einer zeitnahen Übernahme bin ich bei Tesaro.

Es ist sehr gut möglich, dass die Zurückhaltung der Käufer damit im Zusammenhang steht, dass das komplette Marktpotenzial nur sehr schwer einzuschätzen ist.

Sicherlich ist das jetzt tiefere Bewertungs-Niveau von knapp 130 Dollar reizvoller.

Denn Analysten halten einen Übernahme-Preis in der Region von 180 Dollar – z. T. sogar über 200 Dollar – für angemessen, und die Aktie ist vom Hoch gut 30% zurückgekommen.

Dennoch muss gesehen werden, dass Tesaro im Vergleich zu Clovis immer noch teurer ist, weil ein Teil des Aktienkurses nach wie vor auf Übernahme-Hoffnungen fußt.

Damit trägt eine Investition weiteres Abwärts-Potenzial, wenn es keinen Deal gibt.

Im direkten Vergleich mit Clovis erscheint Tesaro daher die schlechtere Wahl zu sein, aber wer weiß…

In der kommenden Woche liefert Tesaro neue Geschäftszahlen.

Und vielleicht gibt es dann auch andere Neuigkeiten (zur Pipeline), die zeigen, dass auch ohne Übernahme-Spekulation ein Bewertungs-Aufschlag gegenüber Clovis gerechtfertigt ist.


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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.