Biotechnologie: Pharmariese Merck übernimmt ArQule für 2,7 Mrd. US-Dollar

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Eine weitere Mega-Übernahme im Bereich der Biotechnologie wurde bekannt gegeben: Der US-amerikanische Merck-Konzern will ArQule für 2,7 Mrd. USD schlucken. (Foto: Zadorozhnyi Viktor / Shutterstock.com)

Heute möchte ich Ihnen über einen weiteren Mega-Deal aus der Biotechnologie-Branche berichten. Der US-amerikanische Pharmakonzern Merck & Co, Inc. und das ebenfalls in den USA beheimatete Biotechnikunternehmen ArQule gaben am frühen Montagmorgen bekannt, dass sie eine Übernahmevereinbarung unterzeichnet haben. Merck wird ArQule, wenn denn die Aktionäre und Aufsichtsbehörden dem Deal zustimmen, für stolze 2,7 Mrd. USD übernehmen.

All-Cash-Angebot mit stolzer Übernahmeprämie

Merck bietet den Aktionären von ArQule für jede ausstehende Aktie 20 USD im bar an. Das ist mehr als das Doppelte des freitäglichen ArQule-Schlusskurses von 9,67 USD. Auch bei diesem Biotech-Deal wurde somit eine dreistellige Übernahmeprämie in Höhe von +106,8% erreicht – ein schönes Weihnachtsgeschenk für die ArQule-Aktionäre!

Kurs der ArQule-Papiere geht durch die Decke

Wie bei dieser hohen Prämie nicht anders zu erwarten, stürzten sich die Investoren am gestrigen Montag auf die ArQule-Papiere, so dass der Kurs schon in den frühen Morgenstunden dem angebotenen Preis sehr nahekam. Die ArQule-Papiere erreichten bis zum Nasdaq-Börsenschluss ein Allzeithoch von 19,64 USD und waren damit an einem Tag um stolze +103,88% in die Höhe geschossen.

Merck will sein Angebotsspektrum durch Zukauf ausbauen

Merck hat es auf die in der Entwicklungspipeline von ArQule befindlichen Medikamente aus den Bereichen der Krebstherapie und der seltenen Krankheiten abgesehen. Insbesondere das von ArQule entwickelte und in der Testphase befindliche Krebsmedikament ARQ 531 ist für Merck von großem Interesse.

Dies bestätigt auch Dr. Roger M. Perlmutter, Präsident der Merck Research Laboratories: “Diese Akquisition stärkt die Pipeline von Merck durch die Ergänzung dieser strategischen Vermögenswerte, insbesondere durch ARQ 531, einen überzeugenden Kandidaten für die Behandlung von B-Zell-Malignomen.”

Schon vierte Übernahme in diesem Jahr

Merck ist sehr aktiv auf dem Übernahmemarkt und hat allein in diesem Jahr schon drei kleinere bzw. mittlere Biotech-Firmen aufgekauft. Im Februar erwarb Merck das kalifornische Unternehmen Immune Design für 300 Mio. USD.

Nur drei Monate später einigte sich das Unternehmen mit dem US-Krebsspezialisten Peloton Therapeutics auf eine Übernahme. Diesen Deal ließ sich Merck satte 2,2 Mrd. USD kosten. Und im Juni blätterte Merck wieder 773 Mio. USD für das in Lexington, Massachusetts beheimatete Biotechnologieunternehmen Tilos Therapeutics auf den Tisch.

Merck und ArQule im Portrait

Merck ist mit seinen 69.000 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von 42,4 Mrd. USD in 2018 ein weltweit führendes biopharmazeutisches Unternehmen. Der Konzern entwickelt, produziert und vertreibt in mehr als 140 Ländern seine Produkte wie z.B. Medikamente, Impfstoffe, biologische Therapien und Tiergesundheitsprodukte.

Merck & Co. ist nicht zu verwechseln mit der Darmstädter Merck KGaA. Zwar haben beide Unternehmen gemeinsame Ursprünge, aber im 1. Weltkrieg wurde die in den USA ansässige Tochter der deutschen Merck konfisziert und ist seitdem unabhängig tätig. Die US-amerikanische Merck &Co firmiert daher außerhalb der USA und Kanadas unter der Firmenbezeichnung Merck Sharp & Dohme (kurz MSD).

Die in Woburn/Massachusetts ansässige ArQule, Inc. ist ein biopharmazeutisches Unternehmen, das sich mit der Erforschung und Entwicklung von Therapeutika zur Behandlung von Krebs und seltenen Krankheiten beschäftigt. Die 36 Mitarbeiter des Unternehmens erwirtschafteten in 2018 einen Jahresumsatz von 25,76 Mio. USD.

Wie es weitergeht

Nach erfolgreichem Abschluss des Übernahmeangebots wird ArQule mit einer Tochtergesellschaft von Merck fusionieren. Die Übernahme soll bereits Anfang des ersten Quartals 2020 abgeschlossen werden.

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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Der gewiefte Börsen-Profi Jens Gravenkötter verdankt seinen Erfolg nicht zuletzt seinem Wissen aus seiner Ausbildung zum Bankkaufmann und seinem Studium der Volkswirtschafslehre.