Biotechnologie: Forschungserfolge lassen die Kassen klingeln

Der knapp bemessene Patentschutz von 10 Jahren zwingt die Biotech-Unternehmen die Forschung voranzutreiben. Forschungserfolge lassen dann die Kasse klingeln. (Foto: 360b / shutterstock.com)

Fast keine Branche ist so abhängig von Forschungserfolgen wie die Biotech-Industrie. Der knapp bemessene Patentschutz von 10 Jahren zwingt die Konzerne zu teuren Investitionen.

Dabei ist die interne von der externen Forschung zu unterscheiden. Während interne Forschungsarbeiten zu hohen Sonderausgaben führen, sorgen Akquisitionen zu einer Konsolidierung des Marktes.

Es gibt Gewinner und Verlierer. Der Klügere gewinnt. Dabei führen das dynamische Wettbewerbsumfeld und die anspruchsvollen Marktbedingungen zu einem erbitterten Konkurrenzkampf.

Biogen Idec gehört zu den klaren Gewinnern der Branche

Die Forschungserfolge sprechen für sich. Mit der Einführung des Medikaments Techidera gegen Multiple Sklerose hat Biogen den profitablen Wachstumskurs untermauert.

Das Produkt spülte schon jetzt über 700 Mio. $ in die Kassen. Bis 2018 soll der Jahresumsatz dieses einen Medikaments auf 4,5 Mrd. $ ansteigen. Die Erfolge machten sich auch schon in den Halbjahreszahlen bemerkbar: Der Umsatz stieg um 45% und der Gewinn legte um 31% zu.

Auch bei Gilead Sciences führten die Forschungserfolge zu Spitzenergebnissen: Die Erwartungen wurden wieder einmal übertroffen. Der Umsatz hat sich mehr als verdoppelt und der Gewinn fast vervierfacht.

Grund für die starke Entwicklung war die Einführung des Hepatitis-Mittels Solvadi, das allein im 1. Halbjahr über 5,7 Mrd. $ eingebracht hat. Mit seinem hervorragenden Markenimage, den beeindruckenden Forschungsergebnissen und den langjährigen Partnerschaften lässt Gilead die Konkurrenz hinter sich.

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Celgene zählt immer noch zu den Gewinnern der Branche. Die Expansionen in die Schwellenländer haben sich ausgezahlt. Das internationale Geschäft brummt. Der Umsatz stieg um 18%.

Neben der Erschließung der neuen Absatzmärkte überzeugt Celgene aber auch mit seiner internen Forschungsarbeit. Die Erfolge können sich sehen lassen. Allein die neuen Medikamente Innovid und Pomalyst erzielten ein Umsatzplus von 214%.

Der harte Wettbewerb ist nichts für schwache Nerven

Dagegen hatte Amgen schwer unter den harten Wettbewerbsbedingungen zu kämpfen. Trotz der Übernahme von Onyx Pharmaceuticals konnte nur ein Umsatzplus von 9% erzielt werden. Das Geschäft mit den etablierten Medikamenten reicht nicht mehr aus, um auch langfristig auf Erfolgskurs zu bleiben.

Bis neue Medikamente die Marktreife erreicht haben, setzt Amgen den Rotstift an und streicht knapp 2.900 Stellen. Bei dem gefüllten Auftragsbuch bleibt Amgen aber noch genügend Zeit, um sich neu aufzustellen.

Bei MorphoSys wird die Zeit dagegen knapp. Der Wegfall von Lizenzeinnahmen und der Verkauf von AdB Serotec hat das Zahlenwerk erheblich belastet. Der Umsatz sank um 37%. Der Konzern ist fast in die Verlustzone abgerutscht.

Nicht mehr als Mittelfeld

Qiagen und die Lonza AG haben sich solide entwickelt, können aber im Branchenvergleich nicht in der ersten Liga mitspielen. Zwar wurden die Umsätze und Gewinne ordentlich angekurbelt, doch beide Konzerne befinden sich am Anfang eines schwierigen Umbauprozesses.

Neben den hohen Forschungsausgaben stehen jetzt noch Sonderaufwendungen für den Restrukturierungsprozess an.


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Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.