Biotechnologie: Sanofi bietet 2,5 Mrd. USD für US-Biotechnologieunternehmen Synthorx

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Auf dem Biotechnologie-Markt ist ein weiterer Megadeal bekannt geworden: Der französische Pharmariese Sanofi will das amerikanische Biotechnologie-Unternehmen Synthorx für 2,5 Mrd. US-Dollar übernehmen. (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Aktionären des US-amerikanischen Biotechnologieunternehmens Synthorx Inc. wurde heute Morgen ein vorweihnachtliches Geschenk bereitet: Der französische Pharmakonzern Sanofi will Synthorx übernehmen und ist bereit, für den Deal tief in die Taschen zu greifen: Insgesamt 2,5 Mrd. USD will sich Sanofi diesen Megadeal kosten lassen!

All-Cash-Angebot

Die Vorstände beider Unternehmen gaben heute in einer gemeinsamen Presseerklärung bekannt, dass sie sich auf eine Übernahmevereinbarung geeinigt haben. Darin hat sich Sanofi bereiterklärt, für jede ausstehende Synthorx-Aktie stolze 68 USD im bar zu bezahlen.

Wenn Sie den Kurs der Synthorx-Papiere verfolgt haben, wissen Sie, dass die Papiere im laufenden Jahr zwischen 12 und 22 USD gehandelt wurden. In der letzten Woche legte der Kurs der Synthorx-Aktien an der NASDAQ bereits um gute +25,6% zu und lag am Wochenende bei 25,03 USD. Wahrscheinlich waren zu diesem Zeitpunkt schon erste Übernahmegerüchte aufgekommen.

Gigantische Übernahmeprämie

Das Übernahmegebot liegt trotz des Kursanstiegs in der vergangenen Woche um satte +172% über dem Synthorx-Schlusskurs vom 6. Dezember 2019. Aktionäre, die ihre Synthorx-Papiere vor einer guten Woche für ca. 18 USD gekauft haben, erhalten jetzt also fast das Vierfache dessen, was Sie bezahlt haben.

Markt begrüßt Transaktion

Im vorbörslichen Handel stiegen die Synthorx-Papiere am heutigen Morgen um +169,28% auf 67,40 USD. Durch diesen Kurssprung liegen die Kurse also nur noch geringfügig unterhalb des von Sanofi gemachten Angebotes. Es spricht also alles dafür, dass die Investoren von einem reibungslosen Verlauf des Übernahmedeals ausgehen.

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Sanofi will sein Angebotsspektrum ausbauen

Durch die Übernahme von Synthorx will Sanofi sein Angebot in den Bereichen Krebs und Autoimmunkrankheiten um innovative Produkte erweitern. Durch den Zukauf neuer, zukunftsträchtige Produkte will der französische Konzern auch die schrumpfenden Umsätze bei seinen Diabetesarzneien kompensieren.

„Die außergewöhnlich neuartige Forschungsplattform von Synthorx hat bereits ein Molekül produziert, dass das Potenzial hat, eine Grundlage für die nächste Generation von immuno-onkologischen Kombinationstherapien zu werden. Darüber hinaus ist Synthorx’ Pipeline von künstlichen Lymphokinen nicht nur für die Onkologie, sondern auch für die Behandlung vieler Autoimmun- und Entzündungskrankheiten vielversprechend“, so Dr. John Reed, Global Head of Research & Development bei Sanofi.

Übernahmen im Biotechnologiemarkt an der Tagesordnung

Im Bereich der Biotechnologie ist schon seit längerem ein reges Übernahmegeschehen zu verzeichnen. Häufig übernehmen große Pharmakonzerne junge, innovative Biotech-Unternehmen, um ihr Angebotsspektrum zu erweitern. Im letzten Monat haben ich Ihnen ja bereits über vergleichbare Deals zwischen Novartis und The Medicines Company sowie ThermoFisher und Quiagen berichtet.

Darüber hinaus ist gerade der Biotechnologie-/Pharmasektor für sehr hohe Übernahmeprämien bekannt. Übernahmeaufschläge im dreistelligen Prozentbereich, wie die von Sanofi gebotenen +172%, sind hier keine Seltenheit. So hat der Schweizer Pharmakonzern Roche den Aktionären des US-Gentechnikunternehmens Spark Therapeutics im Februar 2019 einen Übernahmeaufschlag von +122% offeriert.

Wie es weitergeht

Nach erfolgreichem Abschluss des Übernahmeangebots und der Zustimmung seitens der beteiligten Aufsichtsbehörden wird eine hundertprozentige Tochtergesellschaft von Sanofi mit Synthorx fusionieren. Der Übernahmedeal soll bereits im ersten Quartal 2020 abgeschlossen werden.


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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Der gewiefte Börsen-Profi Jens Gravenkötter verdankt seinen Erfolg nicht zuletzt seinem Wissen aus seiner Ausbildung zum Bankkaufmann und seinem Studium der Volkswirtschafslehre.