Biotechnologieaktien: Kursexplosion oder Blutbad? Warum Freud und Leid so nah beieinander liegen

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Biotechnologieaktien: Kursexplosion oder Blutbad? Warum Freud und Leid so nah beieinander liegen (Foto: NicoEINino / shutterstock.com)

Medizinische Meilensteine, milliardenschwere Übernahmen, spektakuläre Kursgewinne. Das sind Argumente, die oft auch Privatanleger in Biotechnologieaktien treiben. Die Branche gilt als hochspannend und lukrativ wie nie. Doch Anleger sollten nicht vergessen, dass hohen Chancen auch immer entsprechend hohe Risiken gegenüberstehen. Oft sind die Kursentwicklungen stark von einzelnen Studienergebnissen abhängig, deren Ausgang für den normalen Privatanleger kaum abschätzbar sind.

Wie extrem die Tagesschwankungen ausfallen können, war gestern eindrucksvoll an zwei Biotechnologiefirmen zu beobachten. Während die Papiere von Aurina Pharmaceuticals in der Spitze um 125% anzogen, kollabierte die Aktie von Sage Pharmaceuticals und rauschte um beinahe 60% in den Keller.

Aurina Pharmaceuticals – klinische Daten sorgen für Verdoppler

Bei dem kanadischen Biotech-Unternehmen sorgten positive klinische Studienergebnisse für einen regelrechten Kaufrausch der Investoren. Kurz zum Hintergrund: Aurinia hat eine Ein-Produkt-Pipeline. Das Medikament Voclosporin wird für mehrere Indikationen geprüft. Das Prüfpräparat befindet sich im fortgeschrittensten Stadium der klinischen Entwicklung für Lupusnephritis. Bei der Krankheit handelt es sich um eine heterogene Autoimmunerkrankung, die eine Vielzahl von Organen befallen und einen variablen Krankheitsverlauf aufweisen kann. Nach gerade präsentierten positiven Sicherheits- und Wirksamkeitsdaten aus seiner zentralen Phase-3-Studie ging die Aktie durch die Decke.

Die Behandlung der Lupusnephritis, einer Nierenentzündung, gilt als große Herausforderung. Im Extremfall kann es zu einer Nierenerkrankung im Endstadium führen, einer lebensbedrohlichen Erkrankung. Das Präparat Voclosporin ist die erste neuartige Behandlung, die die therapeutische Wirksamkeit für Menschen mit Lupusnephritis nachgewiesen hat und heute einen wichtigen Fortschritt in der Behandlung dieser potenziell lebensbedrohlichen Krankheit darstellt. Laut dem Firmenboss Stevan Gibson ist eine Einreichung bei der Aufsichtsbehörde Ende 2020 geplant.

Nach dem Kurssprung liegt der Börsenwert der Firma bei knapp 1,5 Milliarde Dollar.

Sage Therapeutics – Anleger flüchten aus nach schwachen Daten aus der Aktie

Bei dem US-Konzern Sage Therapeutics lösten sich hingegen gestern über 4,5 Milliarden Dollar an Börsenwert in Luft auf. Kurz zum Firmenhintergrund: Sage Therapeutics ist ein biopharmazeutisches Unternehmen im klinischen Stadium und entwickelt und vermarktet neuartige Medikamente zur Behandlung von Erkrankungen des Zentralnervensystems (ZNS).

Im zurückliegenden Geschäftsjahr gingen bei dem Unternehmen bislang nur Umsätze in Höhe von 90,27 Millionen Dollar durch die Bücher. Unter dem Strich erzielte der Konzern einen Verlust von 372,88 Millionen Dollar. Die Hoffnungen und der Börsenwert von vorher rund 7,7 Milliarden Dollar ruhten daher komplett auf dem erhofften Absatzpotenzial der Medikamentenpipeline. Insbesondere das Präparat SAGE-217, als Behandlung für die Symptome der schweren depressiven Störung geprüft, trugen zur Phantasie bei.

Im Gegensatz zu vielen Depressionsmedikamenten, die wochenlang wirksam sein müssen und chronisch eingenommen werden müssen, wurde das Medikament Sage entwickelt, um viel früher Abhilfe zu schaffen. Das Hauptziel der Phase-3-Studie war es, eine Verringerung der Symptome nach 15 Tagen zu zeigen, gemessen an einer Skala zur Beurteilung von Depressionen. Diese Hoffnung wurde leider enttäuscht.

Schwache Studienergebnisse werfen nun Fragen nach den Aussichten des Medikaments für andere Erkrankungen auf und lassen die Anleger erst einmal aus der Aktie fliehen.

Fazit:  Wie eingangs erwähnt liegen Freud und Leid bei Investitionen in Biotechnologieaktien eng beieinander. Dies gilt insbesondere für kleinere Firmen, deren Phantasie zum Teil nur auf einem einzigen Produkt liegt. Das sollten Anleger immer im Hinterkopf haben.

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Von: Richard Mühlhoff. Über den Autor

Richard Mühlhoff analysiert die realen Anlageentscheidungen der weltbesten Investoren, wie etwa Warren Buffett oder David Tepper. Die kollektive Intelligenz dieser ausgemachten Top-Investoren ist das Erfolgsgeheimnis des Börsendiensts „Investment-Elite“.

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