Biotest: Absturz-Gefahr bei Übernahme-Aus

Die sicher geglaubte Biotest-Übernahme könnte auf der Zielgeraden noch von den US-Behörden abgefangen werden. Hier alles Weitere dazu: (Foto: Romaset / shutterstock.com)

Während in vielen Bundesländern heute kirchlicher Feiertag ist und die Geschäfte geschlossen bleiben, geht der Handel an der Frankfurter Börse weiter.

Dabei ist den Aktionären des Pharma- und Biotherapeutika-Unternehmens Biotest heute gar nicht so nach Feiern zumute.

Die Vorzugsaktie steht zu Handelsbeginn stark unter Druck und verliert in einem robusten Markt-Umfeld rund 6% auf 21,10 €.

Grund dafür ist, dass der bereits voll eingepreiste Übernahme-Deal mit dem chinesischen Bieter Creat doch nicht wasserdicht ist.

Übernahme passiert ohne Mühen Aktionärs-Hürde…

Rückblick: Im April dieses Jahres einigten sich Creat und Biotest auf eine Übernahme im Volumen von 1,3 Mrd. € incl. Schulden.

Anleger, die eine Biotest-Stammaktie besaßen, wurde ein Übernahme-Angebot in Höhe von 28,50 € je Anteilsschein unterbreitet.

Die Offerte enthielt eine hohe Prämie von 43% auf den Preis vor Bekanntwerden der Übernahme-Pläne.

Anleger, die die im SDAX gelistete, liquidere Biotest-Vorzugsaktie besaßen, wurde ein Übernahme-Angebot in Höhe von 19,00 € je Anteilsschein unterbreitet.

Das Angebot war nur unwesentlich höher als der Börsenkurs – doch zumindest bildete der Preis ein gutes Sicherheitsnetz.

Zudem bestanden große Chancen, dass sich die Vorzugsaktie, wie so oft, im weiteren Übernahme-Verlauf dem Kurs der Stammaktie annähern würde.

Dementsprechend stieg die Biotest-Aktie auch schnell über den Übernahme-Preis hinaus.

Der größte Biotest-Einzelaktionär, die Eigentümer-Familie Schleussner, wollte ihren 51%-Anteil an stimmberechtigten Aktien ebenso einbringen wie der zweitgrößte stimmberechtigte Aktionär, die Kreissparkasse Bieberach (15%).

Und so war das Erreichen der Mindest-Annahme-Schwelle von 75% fast nur Formsache.

Ende gut – alles gut: Creat schließt Biotest-Übernahme abCreat bringt die Biotest-Übernahme unter Dach und Fach. Gewonnen haben am Ende alle. › mehr lesen

Kurz vor Ende der Annahmefrist war dann auch die 75%-Grenze gefallen, und die beiden Parteien konnten weiter an dem Übernahme-Abschluss feilen.

…doch auch die Behörden spielen bei Übernahmen eine Rolle

Zu Wochenbeginn dann der Schock:

Der in Übernahme-Fragen stets gut informierte Daten- und Nachrichten-Anbieter Bloomberg berichtete:

Das Committee on Foreign Investment in the US (CFIUS) will den Deal genauer unter die Lupe nehmen.

Die Behörde muss dem Deal zustimmen, da Biotest seit 10 Jahren in Florida ein Tochterfirmen unterhält und Plasma-Zentren in verschiedenen US-Bundesstaaten betreibt.

Offenbar geht es der CFIUS, die nationales Interesse und Sicherheits-Aspekte bei Übernahmen prüft, um den Zugang der Chinesen zu persönlichen Daten von Blutplasma-Spendern und -Empfängern.

Biotest-Aktienkurs von 20 € ohne Übernahme-Angebot nicht zu rechtfertigen

Es ist noch viel zu früh, um daraus abzuleiten, dass der Deal zum Scheitern verurteilt ist, zumal es sich bislang um ein Gerücht handelt und es häufig auch Möglichkeiten gibt, Bedenken auszuräumen.

Doch die Kursreaktion zeigt, dass das potenzielle Risiko bereits Anleger aufschreckt.

Einige werden sich an der gescheiterten Aixtron-Übernahme zurückerinnern; in den USA sind in diesem Jahr gleich mehrere chinesische Bieter am Widerstand der CFIUS gescheitert.

Deswegen ist die Sorge aus unsreer Sicht auf dem aktuellen Biotest-Kursniveau durchaus berechtigt. Denn der Übernahme-Preis wurde mehrheitlich als großzügig aufgefasst.

Biotests Ergebnisse waren sehr häufig eine Enttäuschung. Die Kurs-Entwicklung in den vergangenen 2 Jahren vor Übernahme-Ankündigung spricht Bände…

Wenn die Übernahme nicht abgeschlossen werden kann, dann fehlen schnell Argumente, die einen Aktienkurs von 20 € (Biotest-Vorzugsaktie) rechtfertigen.

Ein prozentual 2-stelliger Kursabsturz ist dann hochwahrscheinlich.


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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.