Biotest-Aktie: Hessischer Plasmaspezialist wechselt den Besitzer

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Biotest-Aktie: Hessischer Plasmaspezialist wechselt den Besitzer (Foto: Romaset / shutterstock.com)

Bei Biotest, dem Biotherapeutikaspezialisten aus Dreieich in Hessen, ist momentan ordentlich was los. Erst im Januar dieses Jahres hatten die Behörden die Übernahme des Familienkonzerns durch die Pekinger Beteiligungsgesellschaft Creat durchgewunken. Voraussetzung hierfür war der Verkauf der Tochtergesellschaften von Biotest in den USA, den die Deutschen bereits unter Dach und Fach gebracht haben. Die Amerikaner hatten gegen das öffentliche Übernahmeangebot aus China zunächst nationale Sicherheitsbedenken vorgebracht. Damit kam die Transaktion nach 8 Monaten dann doch noch zum Abschluss.

Doch damit noch lange nicht genug. Jetzt steht offenbar bereits der nächste Eigentümerwechsel vor der Tür. Die Creat Group plant ihren Anteil mit einem deutlichen Aufschlag weiterzurreichen. Die Biotest-Aktien reagierten positiv und schnellten in der Spitze um mehr als  13% nach oben.

Biotest – der Blutspezialist

Bevor ich auf den aktuellen Eigentümerwechsel eingehe, möchte ich Ihnen den Biotest-Konzern erst einmal näher vorstellen. Das hessische Unternehmen entwickelt, produziert und vermarktet biologische und biotechnologische Arzneimittel rund um das menschliche Blut und konzentriert sich zudem auf die Verhütung von Schäden durch krankmachende oder umweltbelastende Keime.

Darüber hinaus entwickelt Biotest monoklonale Antikörper, unter anderem in den Indikationen Blutkrebs und Systemischer Lupus Erythematodes (SLE), die biotechnologisch hergestellt werden. Biotest beschäftigt weltweit mehr als 1.600 Mitarbeiter und erzielte zuletzt einen Jahresumsatz von 378,1 Millionen Euro.

Wer steckt hinter der chinesischen Creat Group

Im Januar wurde die Übernahme durch die Creat Group genehmigt. Die 1992 gegründete Creat Group investiert in den Bereichen Finanzdienstleistung, Immobilien, Industrie, Bergbau und Gesundheit. Bisher war die Investmentgruppe vor allem in China aktiv und kontrolliert u.a. Shanghai Raas Blood Product, einen Hersteller von Blut- und Plasmaprodukten sowie dazugehörigen Diagnose- und Testinstrumenten. Im Vereinigten Königreich übernahm Creat im Jahr 2016 Bio Products Laboratory vom Private Equity Investor Bain Capital.

Preis deutlich über dem Börsenwert

Jetzt plant die Creat Group ihre 89,9% Beteiligung an den Biotest-Stammaktien für 589 Millionen Euro an die chinesische Shanghai Raas Blood Products zu verkaufen. Der Kaufpreis liegt deutlich über dem aktuellen Börsenwert. Sie müssen wissen: Zuletzt lag der Wert der Creat-Beteiligung lediglich bei rund 370 Millionen Euro. Damit entspricht der Kaufpreis einem Aufschlag von beinahe 60%.

Als Reaktion auf die Meldung zogen sowohl die Stammaktien als auch die Vorzugsaktien, die sich vollständig im Streubesitz befinden, stark an.

 

Dabei ist die Übernahme Teil einer größeren Transaktion. Sie müssen wissen: Der spanische Blutprodukte-Hersteller Grifols plant den Einstieg als Aktionär bei Shanghai Raas. Im Gegenzug will Grifols sein mit 5 Milliarden Dollar bewertetes US-Geschäft, die Grifols Diagnostic Solutions Inc., in die chinesische Firma einbringen. Grifols hatte erst im August 24 Plasma-Sammelzentren in den USA für 286 Millionen Dollar von Biotest übernommen. Die US-Behörde CFIUS hätte sich sonst gegen den Einstieg der Chinesen bei dem Unternehmen aus Dreieich bei Frankfurt gesperrt.

Größe ist entscheidend

Die Transaktionen zeigen Ihnen, dass vor allem Größe im Plasma-Geschäft eine entscheidende Rolle spielt, um profitabel zu arbeiten. Die vergangenen Jahre waren nämlich auch für Biotest alles andere als ein Zuckerschlecken. Seit 2014 purzelten die Umsätze von 582 auf 378,1 Millionen Euro. Zugleich rutschte der Konzern in die Verlustzone. Seit nunmehr drei Jahren konnte die Firma keine Gewinne mehr erzielen.

Das dürfte sich zumindest in diesem Jahr ändern. Durch den Verkauf des US-Geschäfts an Grifols konnte das Unternehmen einen Veräußerungsgewinn einfahren. Nach den ersten drei Quartalen weist Biotest nach Nachsteuerergebnis von 190,9 Millionen Euro auf (Vorjahr: -22,2 Millionen Euro).

Anleger zeigen sich verunsichert

Nach dem initialen Kurssprung am Donnerstag ist es am Freitag nicht zu Anschlusskäufen in der Aktie gekommen. Die komplett im Streubesitz befindlichen Vorzugsaktien gaben sogar um einige Prozent nach. Offenbar sind sich auch die Anleger nun nicht mehr ganz so sicher, ob es auch zu einem Übernahmeangebot für die Vorzugsaktien kommen oder nur das Stammaktienpaket von Creat den Besitzer wechseln wird.


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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Der gewiefte Börsen-Profi Jens Gravenkötter verdankt seinen Erfolg nicht zuletzt seinem Wissen aus seiner Ausbildung zum Bankkaufmann und seinem Studium der Volkswirtschafslehre.