Biotest-Aktie: Warum die Chinesen den hessischen Pharma-Konzern kaufen wollen

Dass sich Geduld an der Börse auszahlen kann, konnten Anleger des Pharma-Spezialisten Biotest gerade erleben:

Nach einer mehr als 1-jährigen Seitwärts-Phase ging der Kurs zuletzt spürbar durch die Decke; seit Jahresbeginn summiert sich das Kurs-Plus auf immerhin 50%.

Den letzten Schub bekam die Aktie in der vergangenen Woche, als bekannt wurde, dass der chinesische Investor Creat Group Corporation an einer Übernahme von Biotest interessiert ist.

Deutlicher Aufschlag auf den Börsenkurs

Der chinesische Investor hat auch gleich ein konkretes Übernahme-Angebot auf den Tisch gelegt:

Je Stammaktie bietet die Creat Group Corporation 28,50 €. Je Vorzugsaktie sind es 19 € je. Das entspricht einem Unternehmenswert von rund 940 Mio. €.

Damit können sich zumindest die Aktionäre der Stammaktien über einen satten Aufpreis freuen.

Denn die Offerte liegt immerhin 43% über dem Schlusskurs vor Bekanntgabe des Übernahme-Angebots.

Das hat auch einen guten Grund. Denn mit dem Angebot müssen v. a. die Großaktionäre überzeugt werden.

Mehr als die Hälfte der Stammaktien hält die Familie Schleusner, gut 15% liegen bei der Kreissparkasse Biberach und gut 7% bei der BW Invest Baden-Württembergische Investmentgesellschaft.

Leer gehen allerdings die Eigentümer der Vorzugsaktien aus. Diese Wertpapiere befinden sich zu 100% im Streubesitz und erhalten keine Prämie.

Übernahme noch lange nicht durch

Im Moment notieren die Stammaktien noch 14% unter dem Übernahme-Angebot.

Wer jetzt auf einen schnellen Gewinn spekuliert, muss sich allerdings des Rückschlag-Risikos bewusst sein.

Zwar begrüßen die Biotest-Vorstände die Gespräche, aber die Zustimmung des Biotest-Hauptaktionärs ist noch lange nicht sicher.

Positiv dürfte aber sein, dass die Chinesen den Firmensitz im hessischen Dreieich nicht antasten wollen.

Alle geltenden Betriebs-Vereinbarungen, die bestehenden Tarifverträge und betrieblichen Mitbestimmungen sollen fortgeführt werden.

Biotest im Porträt

Biotest ist ein Anbieter von Arzneimitteln, die aus menschlichem Blutplasma gewonnen werden, und darüber hinaus in der Entwicklung monoklonaler Antikörper tätig.

Im Segment Plasma & Services entwickelt und vermarktet Biotest Immunglobuline, Gerinnungsfaktoren und Albumine.

Diese werden auf Basis menschlichen Blutplasmas produziert und kommen bei Erkrankungen des Immunsystems oder der blutbildenden Systeme zum Einsatz.

Im Segment Therapie treibt Biotest die klinische Entwicklung von monoklonalen Antikörpern (u. a. in den Indikationen Rheuma und Blutkrebs) voran.

US-Geschäft sorgt für miese Stimmung

Operativ lief es bei dem hessischen Plasma-Spezialisten zuletzt nicht mehr richtig rund:

Obwohl der Umsatz auf 610 Mio. € kletterte (+3,5% über dem des Vorjahrs), schrieb Biotest im vergangenen Geschäftsjahr einen Verlust in Höhe von 45,7 Mio. € (Vorjahr: -82,5 Mio. €).

Dieser Misserfolg kommt v. a. durch die schwache Entwicklung im US-Therapie-GGeschäft zustande.

Vor wenigen Wochen gab der Kooperations-Partner Immunogen bekannt, dass er sich doch nicht an der Entwicklung und Vermarktung von Biotests Antikörper-Wirkostoff Konjugat BT-062 beteiligen wird.

Für die Hessen ist das eine herbe Enttäuschung. Immerhin zählt Immunogen seit über 10 Jahren zu den Kooperations-Partnern von Biotest.

Auch finanziell ist es ein deutlicher Rückschlag; Biotest entgeht somit eine Meilenstein-Zahlung von 15 Mio. Dollar.

Creat kennt sich im Plasma-Bereich gut aus

Mit Biotest nimmt Creat ein weiteres Unternehmen ins Visier, das im Bereich Plasma-Protein-Produkte tätig ist.

Erst im vergangenen Jahr hatten die Chinesen den britischen Konzern Bio Products für 820 Mio. Pfund (rund 944 Mio. €) übernommen.

Für Biotest käme der Deal gerade richtig; das zufließende Geld könnte in wichtige Investitionen in Produkte- und Fertigungs-Anlagen fließen.

Bis allerdings wirklich Klarheit über den Ausgang der Gespräche herrscht, dürfte die Aktie starken Schwankungen unterliegen.

3. April 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.

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