Biotest: Entscheidung fällt in den kommenden beiden Tagen

Gerüchteweise will der chinesische Biotest-Käufer das US-Geschäft des Übernahme-Kandidaten abstoßen, um den Deal zu retten. Die Entscheidung fällt bis Samstag (Foto: Romaset / shutterstock.com)

Die Aktie des Übernahme-Kandidaten Biotest haussierte gestern. Um ein Viertel ging es am Nachmittag mit dem Papier auf 23 Euro nach oben. Heute Mittag kostete das Papier zwar nur noch 21,40 Euro, doch es verbleibt ein Plus gegenüber Mittwoch von fast15%.

Was war passiert? Gerüchten zufolge ist der Biotest-Bieter Creat bereit, die Kontrolle über das US-Geschäft abzugeben bzw. die Tochter zu verkaufen. Das würde vermutlich dafür sorgen, dass die Milliardenübernahme von Biotest doch noch abgeschlossen werden kann.

Biotest-Aktionäre wollen den Deal…

Rückblick: Im April 2017 einigten sich Creat und Biotest auf eine Übernahme im Volumen von 1,3 Mrd. Euro inklusive Schulden. Anleger, die eine Biotest-Stammaktie besaßen, wurde ein Übernahme-Angebot in Höhe von 28,50 Euro je Anteilsschein unterbreitet. Die Offerte enthielt eine hohe Prämie von 43% auf den Preis vor Bekanntwerden der Übernahme-Pläne.

Anleger, die die im SDAX gelistete, liquidere Biotest-Vorzugsaktie besaßen, wurde ein Übernahme-Angebot in Höhe von 19,- Euro je Anteilsschein unterbreitet. Das Angebot war nur unwesentlich höher als der Börsenkurs – doch zumindest bildete der Preis ein gutes Sicherheitsnetz.

Zudem bestanden große Chancen, dass die Vorzugsaktie – wie so oft – sich im weiteren Übernahme-Verlauf dem Kurs der Stammaktie annähern würde. Dementsprechend stieg die Biotest-Aktie auch schnell über den Übernahme-Preis hinaus.

Da der größte Biotest-Einzelaktionär, die Eigentümerfamilie Schleussner, ihren 51% Anteil an stimmberechtigten Aktien ebenso einbringen wollte wie der zweitgrößte stimmberechtigte Aktionär, die Kreissparkasse Bieberach (15%), war das Erreichen der Mindestannahme-Schwelle von 75% fast nur Formsache.

Kurz vor Ende der Annahmefrist war dann auch die 75%-Grenze gefallen und die beiden Parteien konnten weiter an dem Übernahme-Abschluss feilen.

 …doch Behörden spielen nicht mit

Die Probleme tauchten erst danach auf. Das Committee on Foreign Investment in the United States, kurz  CFIUS, ein Ausschuss der sich bei Übernahmen mit Sicherheitsfragen und US-Interessen beschäftigt, hat das deutsche Pharma-Unternehmen Biotest darüber informiert, dass sie Sicherheitsbedenken bei der Übernahme des Unternehmens durch den chinesischen Bieter Creat hat.

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Die CFIUS musste dem Deal zustimmen, da Biotest seit 10 Jahren in Florida ein Tochterunternehmen unterhält und Plasma-Zentren in verschiedenen US-Bundesstaaten betreibt.

Ohne das OK der CFIUS kann der Deal nicht abgeschlossen werden, sodass sich die beiden Parteien eine Lösung einfallen lassen mussten. Gerüchteweise wurde diese jetzt gefunden – und die soll sein, dass die Tochter verkauft wird.

Zahlt Creat zu viel für Biotest ?

Wenn die Gerüchte stimmen und der Deal steht, wäre das ein Segen für die Biotest-Investoren, die dann mit weiteren Gewinnen rechnen können.

Es ist allerdings kein Geheimnis, dass die Aktie lediglich vom Übernahme-Angebot gestützt wird. Ohne die Aussicht auf eine Mehrheitsübernahme durch die finanzstarken Chinesen kann sich das Papier nach Produktrückruf sowie Gewinneinbruch im Vorjahr wohl kaum über 20 Euro halten.

Was stutzig macht, ist, dass Creat offenbar bereit ist, an dem Deal festzuhalten obwohl die US-Tochter komplett weg muss. Schon vorher hieß es, dass der chinesische Bieter einen äußerst großzügigen Preis zahlt.

Dass ohne die US-Tochter die Kalkulation immer noch aufgeht, deutet darauf hin, dass Creat etwas in Biotest sieht, was die große Mehrheit von Investoren und Analysten bislang nicht erkannt hat.

Bis Samstag fällt bei der Biotest-Übernahme die Entscheidung. Es bleibt spannend.


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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.