Biotest schockt Aktionäre mit Gewinnwarnung

Das SDax-Unternehmen Biotest schreibt 84 Mio. Euro außerplanmäßig ab und rutscht damit in die roten Zahlen. (Foto: Romaset / shutterstock.com)

Das im Nebenwerte-Index SDax gelistete Biotech-Unternehmen Biotest hat seine Aktionäre gestern Abend mit einer heftigen Gewinnwarnung geschockt.

Auch heute zeigen sich noch negative Auswirkungen der Gewinnwarnung. Die Biotest-Vorzugsaktie verbuchte ein Minus von zeitweise über 18% und war am damit am heutigen Handelstag Schlusslicht im SDax. Ebenfalls negativ beeinflusst haben dürften die Biotest-Aktie am heutigen Tage die düsteren Analystenkommentare.

Das Unternehmen erwartet rote Zahlen für 2015

Wie das Unternehmen Biotest, das unter anderem Arzneimittel aus Blutplasma herstellt, am gestrigen Dienstag kurz vor Handelsschluss bekanntgab, wurden wegen jüngst deutlich rückläufiger Umsätze mit einem US-Präparat 84 Mio. Euro auf das US-Geschäft abgeschrieben.

Durch die für Biotest extrem hohe außerplanmäßige Abschreibung in Höhe von 84 Mio. Euro muss das Unternehmen aus dem hessischen Dreieich nun für die ersten 9 Monate des laufenden Geschäftsjahres einen operativen Verlust verbuchen.

Das Management rechnet für den Zeitraum von Januar bis Ende September mit einem operativen Verlust (EBIT) von Minus 82 Mio. Euro. Zudem rechnet Biotest jetzt auch für das Gesamtjahr 2015 mit roten Zahlen

In der Mitteilung wird folgendes zu den Abschreibungen ausgeführt: „Die Abschreibungen betreffen im Wesentlichen die US-Therapie-Aktivitäten des Unternehmens – darunter die vollständige Abschreibung der Produktionsanlagen, Teile der Gebäude in den USA, auf immaterielle Vermögenswerte sowie auf Lagerbestände von Produkten, die ausschließlich für den US-Markt entwickelt worden waren. Die Plasmasammelorganisation in den USA ist davon nicht betroffen.“

Es gibt aber auch versöhnliche Nachrichten innerhalb der Mitteilung des Unternehmens: Der Ausbau der Produktion am Stammsitz in Dreieich mit einem Investitionsvolumen in Höhe von 250 Mio. Euro bis 2019 und die operativen Aktivitäten außerhalb des US-Marktes seien von den negativen Effekten nicht betroffen.

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Zudem bleibt der operative Cashflow nach Angaben des Unternehmens im gesamten Jahr 2015 trotz der Abschreibungen positiv und die Eigenkapitalquote soll selbst nach den Abschreibungen noch einen soliden Wert von 42% erreichen. Zudem seien sämtliche Entwicklungsprojekte finanziert.

Die Enttäuschung der Analysten ist groß

Die Analysten sind dennoch sehr enttäuscht oder besorgt: Beispielsweise ist Marietta Miemietz von der Equinet Bank besonders besorgt über die geringe Vorhersagbarkeit der Entwicklungen bei Biotest.

So habe das Unternehmen zwar Maßnahmen angekündigt, um die Rentabilität wieder zu steigern, etwa durch Kostensenkungen – „aber weder die erwarteten Effekte quantifiziert noch etwas zum Zeitplan gesagt”, kritisierte die Analystin.

Soll heißen: Der Analystin sind die Aussagen des Unternehmens an dieser Stelle zu schwammig. Natalie Bobo, Analystin von Kepler Cheuvreux erklärte: „Das Risikoprofil hat sich verschlechtert und zugleich ist die Glaubwürdigkeit des Managements auf ein sehr niedriges Niveau gesunken.“

Meine Einschätzung: Falls Sie sich für die Biotest-Aktie interessieren, sollten Sie nach meiner Ansicht zunächst besser die Finger davon lassen. Denn: Wenn Analysten von einer Aktie bzw. einen Unternehmen derart enttäuscht sind, dauert es in der Regel seine Zeit, bis das Unternehmen das Vertrauen seitens des Marktes zurückgewinnen kann.

Voraussetzung dafür ist, dass Biotest künftig keine negativen Überraschungen mehr parat hat. Wenn dies der Fall sein sollte, kann die Aktie durchaus auf mittlerer Sicht wieder zulegen. Vorher ist die Aktie nach meiner Einschätzung jedoch nur etwas für sehr risikobereite Anleger.


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Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.