Bitcoin: Nichts für schwache Gemüter

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Wer im Bitcoin investieren will, sollte sich damit gut auskennen. Auch Charttechnik-Kenntnisse sind extrem hilfreich! (Foto: Wit Olszewski / shutterstock.com)

Der Bitcoin bleibt ein Investment-Vehikel, das sich nur für Anleger mit Nerven wie Drahtseilen eignet!

Am Dienstag crashte die virtuelle Währung um in der Spitze irre -21%! Der Grund: Hoffnungsvolle Erwartungen der Bitcoin-Investoren wurden massiv enttäuscht.

Und wieder einmal gilt: Mit Hilfe der Charttechnik wäre Ihnen dieser Absturz erspart geblieben! Ich zeige Ihnen, warum.

Bitcoin: Der König der Volatilität

Den Bitcoin, die Urmutter aller digitalen Währungen, begleitet eine extreme Volatilität (Kurs-Schwankungsbreite):

Bitcoin begleitet eine extreme Kurs-Schwankungsbreite

Vom Start zu 4,85 USD im Mai 2012 ging es bis Dezember 2017 auf sage und schreibe 19.265,71 USD in schwindelnde Höhen. Doch bereits dieser Anstieg wurde von zwischenzeitlichen massiven Korrekturen von -70% oder -84% unterbrochen.

Nach dem Erreichen der Bestmarke erfolgte in nur 12 Monaten ein weiterer Crash von -84%. Nach einer Konsolidierung bis in den März dieses Jahres kletterte die Kryptowährung dann wieder steil aufwärts:

Vom Zwischentief bei 3.138 USD ging es bis Ende Juni 2019 um +342% auf ein Jahreshoch von 13.875 USD. Gestern notierte der Bitcoin im Tief bei 7.995 USD – ein Minus von -42% in gerade einmal 13 Wochen!

Warum jetzt der Kurseinbruch?

Die Bitcoin-Anhänger wähnten sich endlich auf dem richtigen Weg zu einer noch breiteren Anerkennung der Kunstwährung:

An der Wall Street wurden sogenannte Börsentermin-Kontrakte auf die digitale Währung eingeführt, die erstmals auch im Bitcoin selbst bezahlt werden können. Bis dahin ging das nur über den Umweg US-Dollar.

Die Hoffnung der Bitcoin-Anhänger: Eine weiter steigende Nachfrage nach der digitalen Währung aufgrund des erweiterten Absicherungsspektrums. Doch wie so oft zeigte die Börse den Fans der Kryptowährung einmal mehr die lange Nase:

Die Nachfrage nach den neuen Termin-Kontrakten blieb deutlich unter den Erwartungen. Ganz so einfach ist es mit der erhöhten Attraktivität dann wohl doch nicht.

Tja: Also für mich ist der Bitcoin, angesichts der oben geschilderten Volatilität, auch kein Investment, sondern Spekulation pur!

Mit Charttechnik wäre das nicht passiert!

Einmal mehr zeigt sich auch bei der Kryptowährung, dass Sie dennoch mit Charttechnik einen Großteil des möglichen Schadens frühzeitig abwenden können. So wären Sie dem -21%-Rutsch vorzeitig aus dem Wege gegangen.

Schauen wir uns dazu einmal den nachfolgenden Chart gemeinsam an:

Bitcoin: Absteigendes Dreieck kündigte kommendes Unheil an

Was sich hier nach dem Erreichen des Zwischenhochs Ende Juni ausgebildet hat, bezeichnen wir in der Charttechnik als absteigendes Dreieck. Dieses Kursmuster besitzt eine negative Prognose-Wahrscheinlichkeit.

Sie erkennen diese Chart-Formation an 2 Merkmalen: Die Notierung findet nach dem Erreichen eines Tops mehrmals Unterstützung auf einem Niveau.

Die sich daran anschließenden Aufwärtsbewegungen bleiben jedoch nicht nur unter diesem Hoch, sondern fallen jedes Mal geringer aus. Die Verbindung der ersten beiden Tops ergibt dann eine absteigende Widerstandslinie.

Dieses Kursmuster spiegelt das Verhalten der Marktteilnehmer wider: Sie halten den Markt in Höhe der Unterstützung zwar stets für kaufenswert. Doch sie trauen ihm anschließend immer weniger zu.

Aktiviert wird diese Chart-Formation in dem Moment, wenn die Unterstützung nicht mehr hält: Die Anleger halten den Markt auf diesem Niveau mithin plötzlich nicht mehr für attraktiv. Genau das ist hier geschehen (gelber Kreis).

Sie konnten also schon spätestens Mitte August 2019 das sich hier abzeichnende absteigende Dreieck erkennen – und dementsprechend noch zu akzeptablen Bedingungen aus dem Bitcoin aussteigen.

Das Momentum riet bereits Mitte Juli erstmals zum Ausstieg

Falls Ihnen das als Beleg nicht reicht, habe ich auch noch eine andere Variante für Sie: Den Bitcoin mit seinem 50-Tage-Momentum:

Bitcoin: Das Momentum riet bereits Mitte Juli erstmals zum Ausstieg

Der Schwung-Indikator besitzt die wunderbare Eigenschaft, ebenfalls zu trendieren:

Der Aufwärtstrend seit Jahresbeginn wurde – wie im Chart zu sehen – Mitte Juli 2019 nach unten verlassen (gelber Kreis). Ein Verkaufssignal also, das schon weit vor den Geschehnissen dieser Woche generiert wurde (orangefarbene Vertikale).

Spätestens läuteten die Glocken dann noch einmal Ende August zum Ausstieg, als das Momentum in den Minusbereich abdriftete (rote Vertikale).

Fazit

Falls Sie jemals mit dem Gedanken spielen sollten, im Bitcoin-Markt auch mal Geld verdienen zu wollen, dann sollten Sie über Nerven wie Drahtseile verfügen: Die extremen Kurschwankungen – manchmal an nur einem Tag, so wie am Dienstag – sind wahrlich nichts für schwache Gemüter.

Mir persönlich ist diese extreme Volatilität zu viel – und ich bin in nun fast 40 Jahren Finanzerfahrung so ziemlich mit allen Börsenwassern gewaschen worden!

Immerhin lässt sich auch hier mit Charttechnik einiges bewegen. Denn das Schöne am Bitcoin ist ja:

Auch wenn es eine Kunstwährung ist, so werden die Notierungen durch das Verhalten von Menschen bestimmt. Deren Angebot und Nachfrage spiegeln sich in jedem neuen Kurs wider, den Sie dann in den Charts wiederfinden.

So wäre der jüngste Kurseinbruch um -21% auf jeden Fall mittels der Charttechnik vermeidbar gewesen. Dazu habe ich Ihnen 2 Möglichkeiten aufgezeigt.

Ich bin mir aber sicher, dass ich auch leicht noch weitere Belege sprich: andere Indikatoren mit derselben Aussagekraft gefunden hätte.

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Andreas Sommer
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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