Bitcoin: Was Sie jetzt beachten sollten

Die Einschätzungen zur Entwicklung der Kryptowährungen gehen stark auseinander. Hier meine charttechnische Beurteilung. (Foto: 3Dsculptor / Shutterstock.com)

Der Bitcoin rutscht gegenüber dem US-Dollar heute um -3,4% auf aktuell 7.845 USD ab. Das ist der tiefste Stand seit dem 13. April dieses Jahres.

Die Meinungen über die weitere Entwicklung klaffen derzeit – fast ist man geneigt zu sagen: wieder einmal – weit auseinander. Wie Sie das von mir gewohnt sind, schauen wir natürlich auf die Charttechnik der Kryptowährung.

Bitcoin und die Objektivität

Nicht immer lässt sich klar differenzieren, ob eine positive Tendenzeinschätzung zum Bitcoin bzw. zu Kryptowährungen eher werblicher Natur ist. Denn naturgemäß gibt es eine große Zahl an Adressen, die an einer Aufrechterhaltung des Hypes um die Kunstwährungen interessiert sind.

Hingegen dürfen wir bei der „Warwick Business School“ wohl eine objektive Beurteilung voraussetzen:

Schließlich handelt es sich hier um eine staatliche britische Universität, die zu den besten Englands zählt. Überdies gilt sie in den Fachrichtungen Betriebswirtschaftslehre, Management und Finanzwissenschaft als eine der 4 besten Universitäten Großbritanniens (Quelle: Wikipedia).

Kryptowährungen-Erkenntnisse der Warwick Business School

Seit dem 1. Mai dieses Jahres ist auf der Webseite der Warwick-Universität ein Artikel von Daniela Bianchi, Assistant Professor of Finance, zu finden. Dieser setzt sich kritisch mit dem Bitcoin im Speziellen und Kryptowährungen im Allgemeinen auseinander.

Frau Bianchi hat die Entwicklung des Bitcoins sowie von 14 der größten Kryptowährungen im Zeitraum von April 2016 bis September 2017 untersucht. Hier einige ihrer Erkenntnisse aus dieser Studie:

  • Das Handelsvolumen im Bitcoin betrug anfänglich fast 80% des Umsatzes aller Kryptowährungen zusammen. Bis September 2017 ging dieser Anteil auf 40% zurück.
  • Die Marktkapitalisierung der beiden größten Kunstwährungen, Bitcoin und Ethereum, lag gegen Ende der Studie bei 65 Mrd. USD bzw. 28 Mrd. USD.
  • Ihr Vergleich mit anderen Assets wie Anleihen, Aktien oder Rohstoffen erbrachte praktisch keine Korrelation (Wechselbeziehung) untereinander. Lediglich bei Gold ließ sich eine geringe Korrelation feststellen. Während Gold jedoch als „sicherer Hafen“ angesehen wird, kann davon bei Bitcoin & Co. nicht die Rede sein.

Ein Zusammenhang konnte ebenfalls nicht mit wirtschaftlichen Entwicklungen hergestellt werden. Anders ausgedrückt:

Investments in Kryptowährungen unterliegen fast ausschließlich dem Hype um sie, mithin also den Emotionen der Anleger. Und wie Sie wissen, sind Investment-Entscheidungen aus dem Bauchgefühl heraus die schlechtesten, die sie treffen können.

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Frau Bianchi erwähnt in Ihrer Schlussbeurteilung noch einen interessanten Aspekt:

Anfangs sei der Markt der Krytowährungen noch mit dem „Wilden Westen“ vergleichbar gewesen. Mittlerweile seien jedoch Börsenprofis am Werk und Hochfrequenztrader hätten den Markt infiltriert. Frau Bianchi mahnt Anleger daher dringend zur Vorsicht.

Aktuelle Charttechnik des Bitcoin

Wir schauen nun einmal auf die Charttechnik des Bitcoins:

Bitcoin in US-Dollar: Bruch des Abwärtstrends ist mit Vorsicht zu genießen

Es scheint, als sei der Abwärtstrend seit Dezember 2017 in der letzten Aprilwoche nach oben verlassen worden. Das sollten Sie indes mit Vorsicht genießen:

Der Ausbruch zeigte zum einen keinerlei Dynamik. Zum anderen wurde das vorhergehende Zwischenhoch bei 11.790 USD nicht einmal ansatzweise erreicht, geschweige denn überboten.

Sobald der Bitcoin gegenüber dem US-Dollar unter das Tief vom Februar dieses Jahres bei 5.869 USD fällt, wissen Sie: Der Abwärtstrend ist wieder intakt – die Trendlinie muss dann neu justiert werden (dies habe ich mit der gestrichelten Linie einmal angedeutet).

Auch der Schwung-Indikator, das Momentum, rät noch zur Vorsicht: Der Abwärtstrend seit Mitte April ist intakt und der Indikator verläuft unter der Nulllinie: Somit wird derzeit negatives Momentum generiert.

Fazit

Ich kann mich daher der vorsichtigen Einschätzung von Frau Bianchi nur anschließen: Anlagen in Kryptowährungen sind und bleiben reine Spekulation – und stellen damit auch keine Investments im klassischen Sinne dar.


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Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.